Magdeburg l Matthias Kabel, 41 Jahre alt, vierfacher Vater und – natürlich – passionierter Angler („ich angle seit meinem 10. Lebensjahr“) ist der Neue an der Spitze der Magdeburger Petrijünger. Kabel, seit Anfang 2019 auch Geschäftsführer des Landesanglerverbandes Sachsen-Anhalt e. V., lenkt künftig die Geschicke des Magdeburger Anglervereins (MAV), der in der Elbestadt mehr als 30 Pachtgewässer betreut.

Der alte Chef, Harald Rohr, ist auf der jüngsten Mitgliederversammlung nicht mehr für den Posten des Vereinsvorsitzenden angetreten. Aus Alters- und gesundheitlichen Gründen, wie Rohr der Volksstimme sagte. Beruflich inzwischen im Ruhestand will Harald Rohr dem Anglerverein aber weiterhin zu Diensten sein. Der 65-Jährige wird künftig als Geschäftsführer organisatorische Hilfe leisten, kündigte er an. „Ich will mich im Verein weiter engagieren und einbringen“, sagte Harald Rohr.

Sorge vor neuer Dürre in Magdeburg

Die extreme Dürre 2018, die u. a. die Verlandung der Kreuzhorst vorantrieb und aufgrund akuten Sauerstofffmangels zu massivem Fischsterben in der Schrote, im Salbker und Adolf-Mittag-See sorgte, hängt den Petrijüngern noch immer in den Knochen. Die Sorge ist groß, dass sich das Problem in diesem Jahr wieder verschärfen könnte.

Unabhängig davon stehen die nächsten Aufgaben an. Der Vorstand ist mit der turnusmäßigen Neuwahl verjüngt worden. Als verdiente Mitglieder sind u. a. Heinz Voss und Kurt („Kurti“) Fritzke verabschiedet worden. „Die Situation ist aber auch, dass jetzt noch mehr Berufstätige im Vorstand tätig sind. Deshalb benötigen wir auch wieder Unterstützung durch einen Geschäftsführer“, erklärt Vereinschef Matthias Kabel. Die Satzung gebe das her. Harald Rohr kennt die Vereinsstrukturen durch und durch, ist geübt in Behördengängen und Gesprächen mit der Stadt und soll bei solchen Aufgaben helfen.

Imageproblem der Angler in Magdeburg

Und auch der neue Vereinschef Matthias Kabel hat deutlich gemacht, wo er wichtige Ziele seiner Arbeit sieht. Ein großes Thema ist für Kabel die Außenwahrnehmung der Angelfreunde. „Wir können noch so viel Müll und Schrott sammeln, mühselig viele Fischarten wieder ansiedeln und jährlich Tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden für die Erhaltung und Wiederherstellung unserer Gewässer aufwenden – wenn irgendwo an einem Gewässer Müll entdeckt wird oder Jugendliche grillen und eine Party feiern, fällt dies in der Regel auf ,die Angler‘ zurück“, stellt der neue Vereinschef fest. Als Sachsen-Anhalts größter anerkannter Naturschutzverband wolle man, dass „alle Menschen von dem partizipieren können, was wir mit Herzblut hegen, pflegen und schützen“.

In den letzten Monaten hatten sich die Magdeburger Petrijünger z. B. immer wieder zur umstrittenen Landesverordnung Natura 2000 positioniert - und das auch im Interesse aller Magdeburger, wie sie betonen.

Jugend für Verein gewinnen

Jugendarbeit und Jugendgewinnung sei ein weiterer Schwerpunkt, betont Matthias Kabel. „Ohne Jugendgewinnung werden auch die mitgliederstärksten Vereine kontinuierlich schrumpfen“, ahnt Kabel.

Der 41-Jährige hat sich zudem auf die Fahnen geschrieben, sogenannte Biotop-Fische zu fördern. „In den letzten Jahren haben wir uns sehr häufig darauf konzentriert, populäre Fischarten wie Karpfen, Schleie und Zander als Besatz in unsere Gewässer einzubringen“, sagt er. Ein naturnaher Fischbestand sei auf diese Weise aber kaum zu erzielen. Künftig sollen auch wieder Fischarten, die nicht zu den attraktivsten bei den meisten Anglern zählen, in den Fokus rücken und dort, wo sich passende Gewässer befinden, „gezielt gestärkt oder wiederangesiedelt werden“.

Mehr Fischarten einbringen

Kabel meint: „Besonders liegen mir hierbei z. B. Arten wie die Karausche, Moderlieschen, Bitterlinge, Quappen, Steinbeißer, Schlammpeitzger, Gründlinge, Elritzen und Rotfedern am Herzen.“ Auch eine gezielte Unterstützung einzelner Gewässer mit Wasserflöhen/Daphnien, hält der neue Anglerchef, wo es einen Nutzen bringt, „für sinnvoll und denkbar“.