Magdeburg/ Niederndodeleben l Agraringenieur Urban Jülich kennt seine Böden ganz genau. Alle sechs Jahre werden die Felder der Agro Bördegrün untersucht. Dann werden mit einer einen Meter langen Lanze Proben genommen und genauestens auf die Menge von Nährstoffen wie Phosphor, Kalium und Magnesium untersucht. Immer exakt die gleiche Spur wird auf den Feldern abgefahren. „Damit die Werte auch vergleichbar sind“, sagt Urban Jülich. Er ist seit Mai 2018 Geschäftsführer der Agro Bördegrün in Niederndodeleben.

Auf Basis dieser Ergebnisse wird dann entschieden, wie viel Dünger der Boden braucht. Dazu gehört zum Beispiel Kalk. Erst mit ihm kann die Struktur des Bodens verbessert werden, damit die Pflanzen die Nährstoffe überhaupt aufnehmen können. Was den Kalk von Dünger- bzw. Güllebestandteilen wie Stickstoff und Phosphor unterscheidet: Kalk steht in Sachen Umweltbelastung nicht in der Kritik – die Stickstoff- und Phosphorverbindungen schon. Für das Wachstum von Nutzpflanzen können diese Elemente jedoch wichtig sein.

Schärferes Düngegesetz

„Früher haben die Landwirte ihre gesamten Flächen einfach gedüngt, heute sorgt modernste Technik dafür, dass nur ganz bestimmte Bereiche erreicht werden“, erklärt Urban Jülich. Alles sei streng reglementiert, als Landwirt gegen die erlaubten Mengen zu verstoßen eigentlich gar nicht möglich. Und: Es würde zudem auch wirtschaftlich keinen Sinn machen. Jülich: „Schließlich geht es um Optimierung. Wir würden ja nicht unnötig Nährstoffe auf die Felder bringen, sondern nur so viel, wie die Pflanze auch braucht.“

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Was in Sachen Düngen erlaubt ist und was nicht, regelt das Düngegesetz. Seit 2017 sei das sogar noch verschärft worden, macht der Agraringenieur deutlich. Der Pflanzenbauleiter der Agro Bördegrün Stephan Randel erklärt, wie aufwendig die Berechnungen der zugelassenen Düngermenge sind: Anhand des durchschnittlichen Ertrags der vergangenen drei Jahre wird zuerst der Ertrag für das kommende Jahr prognostiziert. Zu der Menge an Stickstoff, die die jeweiligen Pflanzen benötigen, gibt es wissenschaftliche Daten, die der Gesetzgeber als Richtwert vorgibt.

Bevor feststeht, wie viel gedüngt werden darf, muss dann noch die Menge der im Boden verbliebenen Nährstoffe abgezogen werden. „Diese Zahlen werden alle überprüft“, sagt Stephan Randel. Für jeden Schlag gibt es ein eigenes Attest. Jeder Prozess wird dokumentiert. Die Behörden haben Einblick in alle Unterlagen des Landwirtschaftsbetriebs und könnten zum Beispiel exakt nachvollziehen, wie viel Dünger eingekauft wurde.

Gülle-Dünger als Kreislauf

Doch die Mitarbeiter von Agro Bördegrün nutzen nicht nur Mineraldünger, sondern auch Gülle, um Nährstoffe auf die Felder zu bringen. Da die Berechnungen der Stickstoffmenge in der Gülle komplizierter und die genaue Dokumentation noch aufwendiger ist, würden einige Bauern bereits darauf verzichten, weiß Stephan Randel aus Erfahrung. Dass in der Öffentlichkeit Dünger oft als Schadstoff angesehen werde, können die Landwirte nicht nachvollziehen. „Uns geht es um den Kreislauf“, sagt Urban Jülich.

Hohe Nitratwerte in Seen oder Brunnenwasser sorgen trotz dieser hohen Auflagen immer wieder für Verunsicherung. Im September hatte die Volksstimme Messergebnisse des Vereins VSR-Gewässerschutz veröffentlicht. Gegen Geld testen die Mitarbeiter Brunnenwasser. In Magdeburg wurde dabei zuhauf der Grenzwert für Nitrat überschritten. Der liegt bei 50 Milligramm je Liter. In einem Ottersleber Brunnen wurden jedoch sogar 190 Milligramm gemessen.

Was das Trinkwasser betrifft, müssen sich die Menschen in der Region jedoch keine Sorgen machen. Das kommt aus der Colbitz-Letzlinger Heide und dort liegt der Wert bei nur einem Milligramm pro Liter, teilte die Trinkwasserversorgung Magdeburg mit.

Nitrat-Grenzwerte überschritten

Wie es um das Grundwasser der Stadt Magdeburg steht, kontrolliert das Land Sachsen-Anhalt regelmäßig mittels dutzender Grundwassermessstellen. In einer aktuellen Auflistung der Landesregierung zum Thema belastetes Trinkwasser sorgen drei Messstellen in Magdeburg zwischen 2013 und 2017 für schlechte Nachrichten – in Ottersleben, in der Barleber Chaussee und der Blumenberger Straße.

Das Wasser der Messstelle in Ottersleben überschritt 2014 den Wert von 50 Milligramm je Liter, seitdem nicht mehr. Im Stadtteil Neustädter See gab es 2013 eine Überschreitung, danach nicht mehr. Bei der Messstelle im Stadtteil Salbke sieht es anders aus. Dort wurde zwischen 2013 und 2017 jedes Jahr der Grenzwert für Nitrat im Grundwasser überschritten.

Das Nitrat selbst ist nicht gefährlich. Jedoch können Bakterien Nitrat in Nitrit umwandeln. Nitrit ist giftig und an der Bildung krebserregender Nitrosamine beteiligt.