Magdeburg l Wasser aus ihren privat genutzten Brunnen haben die Magdeburger Gartenbesitzer untersuchen lassen. Insgesamt 125 Wasserproben aus der Region nahmen die Mitarbeiter des Umweltverbandes VSR-Gewässerschutz in den vergangenen Wochen unter die Lupe.

Das erschreckende Ergebnis: In jeder vierten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Nitrat kommt vor allem im Dünger vor und kann besonders für junge Säuglinge gefährlich werden.

190 Milligramm Nitrat pro Liter

Ein extrem alarmierendes Ergebnis lieferte das Wasser eines privat genutzten Brunnens in Magdeburg-Ottersleben. Dort hat der VSR-Gewässerschutz 190 Milligramm Nitrat pro Liter entdeckt. Brunnenwasser in Salbke folgt mit 96 Milligramm und in Olvenstedt kamen auf einen Liter 95 Milligramm Nitrat zusammen. Stark betroffen war den Ergebnissen des Verbandes zufolge eher der Süden der Stadt.

Aufgrund dieser hohen Überschreitungen macht Projektleiter Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz deutlich: „Das Wasser ist nicht zum Trinken geeignet.“ Zudem sollten auch keine Fischteiche damit befüllt werden. Grund dafür: Der hohe Nitratgehalt könnte zur Massenvermehrung von Algen führen und die abgestorbenen Pflanzen anschließend für ein Fischsterben sorgen.

Unterschiedliche Kosten für Probe

Wer sein Brunnenwasser von dem Verein beproben lassen will, zahlt zwischen 12 und 99 Euro. Wie vertrauenswürdig sind diese Ergebnisse? Müssen sich die Magdeburger auch um die Qualität des Trinkwassers sorgen?

Die Volksstimme hat bei der Trinkwasserversorgung Magdeburg (TWM) nachgefragt. Die Brunnenbesitzer hätten ein gutes Recht auf solche Untersuchungen, erklärt TWM-Sprecher Peter Bogel. Er sieht vorerst auch keinen Grund, diese Werte anzuzweifeln.

Kaum Nitrat im Trinkwasser

Was die hohe Nitratbelastung betrifft, kann Peter Bogel in puncto Trinkwasser den Magdeburgern allerdings die Angst nehmen. „Diese Werte haben nichts mit der öffentlichen Trinkwasserversorgung zu tun.“ Das Wasser aus den Leitungen der Landeshauptstadt kommt aus dem Wasserwerk Colbitz. Dort wird das Grundwasser der Colbitz-Letzlinger Heide genutzt. Insgesamt betreibt die TWM noch 14 weitere Wasserwerke.

In dem akkreditierten Trinkwasserlabor der TWM werde das Wasser regelmäßig untersucht. Außerdem liegen die Grundwassermessstellen weit vor den Versorgungsbrunnen, zählt Peter Bogel auf. Er spricht von sogenannten Vorfeldmessstellen. Der TWM-Sprecher versichert: „Wir würden Probleme dadurch rechtzeitig erkennen.“ Aktuell sei das Nitrat-Thema für die Region nicht relevant, der Wert liegt bei nur einem Milligramm pro Liter.

Hohe Auflagen für Trinkwasser

Woher dieser große Unterschied zu Magdeburgs Grundwasser kommt: In der Colbitz-Letzlinger-Heide gibt es hauptsächlich Wald und einen großen Truppenübungsplatz. „Zudem gelten hohe Auflagen für das Trinkwasserschutzgebiet“, erklärt Peter Bogel. Und auf deren Einhaltung würden auch die TWM-Mitarbeiter ein Auge haben. Es wird dort kaum Landwirtschaft betrieben – damit auch keine Gülle ausgebracht.

Anders sieht es offensichtlich im Magdeburger Raum aus. „Das Grundwasser ist oftmals von Sulfat und Nitrat durch Düngung geprägt“, sagt Stadtsprecher Michael Reif. Er macht auf Nachfrage der Volksstimme deutlich: „Private Brunnen dürfen nicht zur Trinkwassergewinnung genutzt werden.“ Eine Trinkwasserqualität ist Michael Reif zufolge „nirgendwo vorhanden“. Laut Wasserrecht gebe es auch keinen Anspruch auf eine bestimmte Qualität des Grundwassers.

Überdüngung vermeiden

Um eine Überdüngung der eigenen Pflanzen im Garten zu vermeiden, rät Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz: „Beim Gießen mit Brunnenwasser sollte die zusätzliche Düngung mit einberechnet werden.“