Magdeburg l Als die Sudenburger in den vergangenen drei Tagen morgens aus dem Fenster schauten, hatte sie der Winter eingefangen. Eine hauchdünne Schneeschicht begrüßte die Frühaufsteher und hatte Stadtteilstraßen samt Autos überzuckert.

Hatte es etwa geschneit, obwohl es die Meteorologen gar nicht vorhergesagt hatten? Ja und nein. Denn: In Magdeburg ist derzeit eine Wetterlage zu beobachten, die in Verbindung mit der Abluft aus Betrieben für dieses winterliche Weiß in den Frühstunden sorgen kann. Dabei trifft Dampf aus Schornsteinen auf eine Inversionswetterlage und fällt als Schneegriesel zu Boden.

Wasserdampf wird zu Schneegriesel

Mario Brych von der Wetterstation Magdeburg erklärt: „Der Wasserdampf tritt aus dem Schornstein der Unternehmen aus und kann aber nicht wie üblich komplett aufsteigen. In einer Höhe von 300 bis 400 Metern gefriert er zu Schneegriesel und fällt dann wegen des geringen Windes im Umkreis des Unternehmens oder des Gewerbegebietes zu Boden.“

Etwa ein- bis zweimal pro Wintersaison trete diese sonderbare Form des „Schneefalls“ auf, der auch in den Vorjahren hin und wieder beobachtet worden sei. In diesen Tagen habe der Industrie-Schnee eine Stärke von ein bis zwei Zentimetern erreicht und sei sublokal ganz unterschiedlich, so Mario Brych weiter.

Lokal sehr unterschiedlich

Der eine Straßenzug könne sich deshalb über den „Schnee“ freuen, während der andere noch grün bleibe. Eine solche Wettersituation gibt es mitunter auch auf natürliche Weise, zum Beispiel bei Nebel und Hochnebel in Verbindung mit der Inversionswetterlage, bei der die untere kalte Luftschicht von der oberen warmen klar getrennt ist.

Weiße Weihnacht fraglich

Heißt das nun, dass sich Magdeburg weiße Weihnachten mit Hilfe der Abwärme von Großbetrieben selbst besorgen kann? Mario Brych von der Wetterstation schmunzelt: „Dann müsste es rund um Weihnachten wieder eine solche Wetterlage wie in den vergangenen drei Tagen geben.“

Aber sowohl dafür als auch für eine natürliche weiße Weihnacht sei eine Prognose jetzt viel zu früh. Sichere Vorhersagen seien deshalb erst ab dem 15. oder 16. Dezember möglich.