Illegale Entsorgung

Polizei sucht Ölsünder vom Magdeburger Hafenbecken

Vor nunmehr vier Wochen sind mehrere Zehntausend Liter einer Leichtflüssigkeit, vermutlich ein Altölgemisch, ins Becken des Industriehafens geflossen. Einen Verursacher kann die Polizei noch nicht benennen, doch der Schwerpunkt der Ermittlungen liege bei einer illegalen Einleitung. Trotz Einstufung als stark wassergefährdend blieb nach erster Einschätzung ein akutes Fischsterben aus.

Von Karolin Aertel
In das Wasser des Hafenbeckens vom Industriehafen  gelangte am 19. Mai aus noch ungeklärter Quelle eine Leichtflüssigkeit über einen Regenwasserkanal.  Polizei, Umweltamt und Spezialisten der SWM nahmen Wasserproben, saugten  mit einem Spezialfahrzeug die Substanz von der Wasseroberfläche und befuhren mit  einer Videokamera den Abwasserkanal.
In das Wasser des Hafenbeckens vom Industriehafen gelangte am 19. Mai aus noch ungeklärter Quelle eine Leichtflüssigkeit über einen Regenwasserkanal. Polizei, Umweltamt und Spezialisten der SWM nahmen Wasserproben, saugten mit einem Spezialfahrzeug die Substanz von der Wasseroberfläche und befuhren mit einer Videokamera den Abwasserkanal. Foto: Uli Lücke

Magdeburg - Der Teppich aus Öl oder dergleichen hatte mit etwa 60 mal 800 Metern eine Größenordnung, die die Bewohner des Bauernwerder im Industriehafen so auch noch nicht gesehen hatten. Mehrfach haben sie in den vergangenen Jahren die Verschmutzung des Hafenbeckens bei der Feuerwehr gemeldet. Insbesondere nach Starkregen beobachteten sie, wie sich ein Ölfilm auf die Wasseroberfläche und im Uferbereich legte. Doch was vor nunmehr vier Wochen im Hafenbecken schwamm, hatte eine ganz andere Größenordnung. Mittlerweile können die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) diese auch beziffern. „37 Kubikmeter eines Gemisches aus Wasser und einer Leichtflüssigkeit sind abgesaugt und entsorgt worden“, teilt SWM-Pressesprecherin Cornelia Kolberg mit. Das entspricht 37.000 Litern, was in etwa 205 Badewannen umfasst. Gut eine Woche dauerten die Säuberungsarbeiten. Um welche Leichtflüssigkeit es sich genau handelte, ob es Diesel, Benzin, Schmieröl, Heizöl oder ähnliches war, kann auch vier Wochen nach dem Vorfall noch nicht benannt werden. Wie der Leiter des Reviereinsatzdienstes der ermittelnden Wasserschutzpolizei, Lutz Wendt, mitteilte, befinden sich Gewässerproben derzeit zur Untersuchung im Landeskriminalamt. Auch ein Verursacher könne noch nicht benannt werden. „Wir ermitteln in alle Richtungen, wobei sich der Schwerpunkt momentan in Richtung illegale Einleitung entwickelt“, erklärt Lutz Wendt. Der Leiter des Reviereinsatzdienstes gibt jedoch zu verstehen, dass dazu aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Ausführungen gegeben werden können. Im Zusammenwirken mit der Unteren Wasserbehörde der Landeshauptstadt Magdeburg sowie der SWM vor Ort fanden umfangreiche Ermittlungen statt.

Keine Beanstandung bei den Abwasserkanälen

Zu diesen gehörten auch mehrfache Kanalbefahrungen, so der Polizist. Diese haben laut SWM-Sprecherin Cornelia Kolberg ergeben, dass die Abwasserkanäle der Abwassergesellschaft Magdeburg mbH, deren Betriebsführer die SWM Magdeburg sind, keine Beanstandungen aufwiesen. Kontrolliert wurden unter anderem die Regenwasserausläufe der Hafenanlagen, die über vorgeschaltete Sedimentationsanlagen mit Leichtflüssigkeitsabscheider verfügen. Die technische Auslegung der Anlagen können jedoch eine kriminelle Abfallentsorgung, wie sie hier der Fall zu sein scheint, nicht verhindern. Indes konnte das schnelle Eingreifen der Einsatzkräfte, die unter anderem mit Ölsperren die Ausbreitung der Leichtflüssigkeit aufhielt, wohl eine dramatische Umweltkatastrophe verhindern.

Hatte die Untere Wasserbehörde, die von einer starken Wassergefährdung der Klasse 3 ausging, ein Fischesterben nicht ausgeschlossen, konnte der Magdeburger Anglerverein, der zwar nicht Pächter des Gewässers ist, dies aber in Pflege hat, ein Fischesterben nicht bestätigen. „Bei einer Begehung vor Ort haben wir keinen toten Fisch entdeckt“, erklärt der Vereinsvorsitzende Matthias Kabel. Er könne jedoch nicht ausschließen, dass verendete Fische in Richtung Stromelbe trieben.

Ob die enorme Gewässerverschmutzung langfristige Auswirkungen auf die Flora hat, kann zumindest seitens des Naturschutzbundes (Nabu) nicht beurteilt werden. Er sei weder informiert noch eingebunden worden. Für derartig massive Umweltverschmutzungen sei man allerdings auch kein Experte, erklärt der Vorsitzende des Nabu-Kreisverbandes Magdeburg, Marcus Pribbernow. Dennoch weiß er: „Die Folgen für Tier- und Pflanzenwelt können gravierend sein.“ Ölverschmutzungen haben langfristige Auswirkungen auf die Natur, da sie schwer abbaubar sind und als Gift und Belag die Uferbereiche lange Zeit verschmutzen. Für eine explizite Aussage zum Schadensbild, wäre zunächst jedoch eine genaue Begutachtung des betroffenen Uferbereichs nötig.

Auch Nabu-Sprecherin Grit Liebelt sieht gerade bei so großen Mengen Leichtflüssigkeit mögliche Auswirkungen auf Flora und Fauna. „Kritisch wird es vor allem für Fische und andere Bewohner des Hafenbeckens, wenn diese das verschmutzte Wasser trinken. Es ist auch möglich, dass das Öl das Gefieder von Wasservögeln verklebt.“

Öl verdängt Luft und Wasser aus dem Boden

Problematisch werde es auch, wenn das Öl an Land gelangt und in den Boden sickert. „Auf diese Weisen werden Luft und Wasser aus den Bodenschichten verdrängt, was schlecht für die Bodenlebewesen und die Wurzeln von Pflanzen ist, die auf Luft und Wasser angewiesen sind.“ Das Öl allein werde sich in der Umwelt nur sehr langsam zersetzen. „Es ist daher wichtig, dass alle kontaminierten Wasser- und Bodenflächen von der Stadt Magdeburg gereinigt werden. Wenn Wasser und Boden wieder frei von Schadstoffen und gesund sind, werden sich Tiere und Pflanzen schnell wieder in dem Lebensraum ansiedeln.“

Die  dickflüssige schwarze Masse  lässt vermuten, dass es sich um ein Altölgemisch handelte.
Die dickflüssige schwarze Masse lässt vermuten, dass es sich um ein Altölgemisch handelte.
Foto: C. Gehrke