Magdeburg l Beim Ballett wirken sehr starke Kräfte auf Füße und Knie der Tänzerinnen und Tänzer. Gonzalo Galguera zeigt auf die ausgepolsterte Spitze eines klassischen Ballettschuhs, die sogenannte Box: „Dies ist die Verbindung der Tänzerin zum Boden. Darauf steht sie, dreht sich und tanzt. Darauf wirken die Kräfte des Körpers.“

Diese Information des Ballettchefs ist wichtig für das Verständnis eines Tanzbodens. Je besser der Boden, desto besser können die Ballettkünstler ihre Bewegungen ausführen.

Alter Tanzboden mit Kunststoffbelag

„Unser alter Tanzboden hatte einen Kunststoffbelag, der beim Tanzen nachgegeben hat. Die Tänzer sind mit ihren Ballettschuhe etwas in eine Art Mulde eingesunken. Das hat dazu geführt, dass sich der Schuh nicht optimal und schnell drehen konnte“, erklärte der Ballettchef das Problem.

Und vor allem sei dieser Effekt auch gefährlich für die Tänzerinnen und Tänzer gewesen, denn das ungewollte Ausbremsen des Ballettschuhs hat die Fußgelenke und vor allem die Kniegelenke extrem belastet. „Es ist nicht übertrieben, wenn man sagte, es bestand für die Kniegelenke die große Gefahr, dass etwa die Bänder reißen. Für einen Tänzer wäre das eine Katastrophe“, sagt Gonzalo Galguera.

Alter Tanzboden war gefährlich

Der gefährliche Effekt: Bei einer schnellen Körperdrehung dreht sich das Knie nicht mit.

Die Mitglieder der Ballettcompagnie hätten immer unter einem gewissen Angstdruck gestanden. „Sie kamen auch immer mal wieder zu mir und sagten, dass sie diese oder jene gewünschte Tanzbewegung einfach wegen des Tanzbodens nicht umsetzten konnten.“ Und für Künstler, die ohne klassische Ballettschuhe, etwa barfuß, tanzten, hatte der alte Ballettboden zudem ein ungünstiges Schwingungsverhalten.

Optimales Schwingungsverhalten

Mit dem neuen Tanzboden im Opernhaus ist das vorbei. Die Bodenplatten haben eine speziell bearbeitete Holzoberfläche, und sie bestehen aus mehreren Holzschichten, die so verleimt sind, dass sie ein optimales Schwingungsverhalten haben, was durch spezielle Gummiplatten, auf denen die Bodenplatten lagern, unterstützt wird.

„Wir haben damit wirklich etwas Gutes für die Tänzerinnen und Tänzer angeschafft, dafür, dass sie ohne Angst vor Verletzungen tanzen können. Das befreit", sagt Gonzalo Galguera. „Es ist nicht so, dass wir mit dem alten Boden nicht auch tolles Ballett inszenieren konnten, jetzt geht es aber noch besser und vor allem ungefährlicher.“

Herausforderung für Bühnentechniker

Gekostet hat der neue Tanzboden rund 60.000 Euro. Es ist ein Bodenbelag, der aus zahlreichen Einzelplatten besteht, die in einer bestimmten Anordnung verlegt werden müssen, damit der Boden insgesamt optimal schwingt. Der Boden wird nur für Ballettaufführungen auf der Bühne des Opernhauses verlegt. Das dauert rund eineinhalb Stunden.

Die neue Errungenschaft habe auch einen gewissen Nachteil, sagt Gonzalo Galguera. „Bei den Bühnenbildern muss jetzt deutlich vorsichtiger gearbeitet werden. Der neue Boden ist viel empfindlicher als der alte, was etwa das Aufstellen von Gegenständen betrifft. Aber damit können wir gut leben.“ Und es sei durchaus auch eine künstlerische Herausforderung für die Bühnenbildner und -techniker.