Magdeburg l Im Puppentheater Magdeburg ist am Donnerstag zur Eröffnung der neuen „Hall of Fame“ der rote Teppich ausgerollt worden. Ehemalige Puppenspieler des Hauses wurden wie Stars empfangen und gefeiert – Autogrammjäger und Konfetti-Regen inklusive.

Puppenspieler agieren im Verborgenen

„Als Puppenspieler agiert man ja eher im Verborgenen“, sagt Gabriele Grauer. 1976 hat sie als Puppenspielerin in Magdeburg begonnen, 2015 wechselte sie in den Ruhestand, aber noch heute springt sie ein, wenn Not am Mann ist. Aktuell ist sie zum Beispiel in „Teddy Brumm“ zu sehen. Dass sie nun in einer „Hall of Fame“ zu finden ist, sei ungewohnt, aber ein schöner Moment. Und so stand sie bald mit ihren ehemaligen Kollegen vor den Bildschirmen und klickte sich durch die Geschichte des Puppentheaters und ihr eigenes Leben.

Immer wieder hörte man die Ehemaligen „Guck mal“ und „Weißt du noch“ sagen. Das Gabriele Grauer zum Puppentheater kam, war eher ein Zufall. Ursprünglich hatte sie angefangen, chemische Technologie zu studieren. „Aber das war grauenvoll“, sagt sie. Nebenbei spielte sie in einer Laienspielgruppe Theater.

Bilder

Ausbilung an Hochschule in Berlin

Deren Leiter empfahl ihr, doch mal beim Puppentheater nachzufragen. Und ehe sie sich’s versah, landete sie an der heutigen Hochschule „Ernst Busch“ in Berlin, in der sie zur Puppenspielerin ausgebildet wurde. Wie sich das Puppenspiel während ihrer aktiven Zeit verändert hat, sei „kolossal“. Puppenspiel sei „unglaublich vielfältig“, sagt sie. Und während früher die Puppenspieler „hinter der Leiste“ und damit für das Publikum unsichtbar blieben, gebe es heute kaum eine Inszenierung, in der nicht auch der Puppenspieler sichtbar auf der Bühne stehe.

Für Kinder findet sie es allerdings nicht schlecht, die Illusion aufrechtzuerhalten, dass die Puppen lebendig wären. „Manche vergessen dann wirklich den Menschen, der noch an der Puppe hängt“, sagt die 67-Jährige. Das Schöne an ihrem Beruf sei die Arbeit mit unterschiedlichsten Materialien, die von den Puppenspielern belebt werden, das Spielen für Kinder, die ein sehr ehrliches Publikum bildeten, aber auch die inhaltlich anspruchsvollere Arbeit für Erwachsene. Aber der Beruf sei körperlich auch sehr anstrengend, weil teilweise aus schwierigen Positionen heraus gespielt werde.

Puppentheater gehört zu Magdeburg

Michael Kempchen würdigte die Puppenspieler als jene, die das Puppentheater zu dem gemacht haben, was es heute ist. Sie hätten einen Teil der Kulturgeschichte mitgeschrieben und mitbestimmt, die Ästhetik mitgestaltet. Dank ihnen sei die Einrichtung heute eine feste Größe in der Kulturlandschaft der Stadt Magdeburg. Die Figurenspielsammlung gehöre dazu. 42.000  Besucher hätten die Ausstellung schon gesehen, mehr als 1000 Puppen und Figuren seien dort zu sehen, berichtete Kempchen. Die Puppenspieler hätten den Grundstein dafür mit gelegt. Er dankte zudem allen, die an der Sammlung und der „Hall of Fame“ mitgewirkt hatten.

Auch Puppenspieler Peter Bruckner, der von 1965 bis 2007 im Puppentheater arbeitete, findet es schön, dass die Puppenspieler so gewürdigt werden. „Ich fühle mich dem Haus sehr verbunden, gehe gern in die Vorstellungen, freue mich alte Kollegen wiederzusehen und finde auch das jetzige Ensemble sehr schön“, sagte er. In der Figurenspielsammlung erkannte er so manche Puppe wieder, die er zum Leben erweckt hat und erinnerte sich gestern unter anderem an Gastspiele in den USA und Mexiko, in Polen, Schweden, Österreichen, der Schweiz und in Jugoslawien. Die Entscheidung, Puppenspieler zu werden, habe er nie bereut.