Magdeburg l Im August 2017 war es ein Volksstimme-Artikel, der Lutz Kaufmann auf die verwitterte Schrift des Denkmals im Biederitzer Busch aufmerksam machte. Damals ging er zu dem Stein, erneuerte heimlich die Inschrift und hinterließ nur seine Initialen L. K. Die Volksstimme wollte wissen, wer hinter diesen Buchstaben steckte und ging mit einem Artikel auf die Suche - mit Erfolg.

Jetzt war es ein Fernsehbericht über den schlechten Zustand des Neustädter Bahnhofs – der Stein blieb allerdings unerwähnt –, weswegen er den dortigen Gedenkstein bei einem Vor-Ort-Besuch mit seiner Frau Ursula wiederentdeckte. Schließlich ist der 72-jährige Lutz Kaufmann nahe dem Bahnhof in der Ankerstraße aufgewachsen. „Als Kinder sind wir immer zum Rodeln hergekommen“, erinnert sich Lutz Kaufmann. Doch die Inschrift am Stein war bis vor kurzem kaum noch lesbar.

Ehefrau motiviert Magdeburger

Wie schon im Sommer war es seine Frau Ursula, die Lutz Kaufmann motivierte, auch diese Inschrift zu erneuern. Immerhin hatte er das Handwerk der Schriftrestauration neben seiner Ausbildung zum Gewerbemaler an der damaligen Hochschule für angewandte Kunst an der Brandenburger Straße gelernt.

Doch bevor sich Lutz Kaufmann um die verwitterte Schrift kümmern konnte, musste der Stein nicht nur gesäubert, sondern das Schriftfeld auch grundiert werden. Helfen konnte Freund Rolf Kraus.

Schwarze Farbe für Schrift am Denkmal

Der Bauingenieur empfahl Lutz Kaufmann, zunächst eine Stein-Stabilisierungs-Grundierung aufzutragen. Erst nach der Grundierung begann Lutz Kaufmann, die in Stein gemeißelten Buchstaben und Zahlen mit schwarzer Farbe nachzuziehen.

Während dieser Arbeit kümmerte sich Ursula Kaufmann um die Außenanlage des Gedenksteins. Diese gestaltete sie mit Sand und pflanzte Heide an. Außerdem besorgte das Paar ein kleines Gesteck und legte es am Stein nieder. Dass seine Frau Teil seiner Restaurationsaktionen ist, ist für Lutz Kaufmann selbstverständlich. „Wir sind ein Team“, sagt er.

Magdeburger loben Arbeit am Denkmal

Insgesamt dauerten die Arbeiten an und um den Stein rund eine Woche. Einige Passanten seien stehen geblieben, berichtet Lutz Kaufmann, und hätten die freiwillige Arbeit des Paares gelobt. Andere hingegen hätten sich kritisch geäußert. „Das war aber mehr Zustimmung als Ablehnung“, sagt Lutz Kaufmann.

Errichtet wurde der Gedenkstein am 24. Mai 1904. Anlass war die Hundertjahrfeier der Neustadt. Entsprechend lautet die Inschrift des Steins: „Zur Erinnerung an die Hundertjahrfeier der Neustadt / 22. Sept. 1912 / Errichtet am 100. Gedenktage der Befreiung Magdeburgs von der achtjährigen Fremdherrschaft / 24. Mai 1914“. Dank Lutz Kaufmann ist diese nun auch wieder für Passanten zu lesen.

Magdeburg wurde 1814 wieder preußisch

Der geschichtliche Hintergrund zum Gedenkstein: Nachdem im Jahr 1806 die Festung Magdeburg vor heranrückenden französischen Truppen kapitulierte, wurde die Stadt im Jahr 1807 dem Königreich Westfalen einverleibt und zur Hauptstadt des Elbdepartements ernannt. Auf Befehl Napoleons wurden 1812 dann große Teile der Neustadt und Sudenburgs abgebrochen, um den Festungsbereich zu erweitern. Im Jahr 1814 wurde Magdeburg nach Abzug der Franzosen und Einzug der verbündeten preußischen und russischen Truppen wieder preußisch.

Aufmerksam geworden auf die Restauration der Inschrift am Gedenkstein am Neustädter Bahnhof war eine Leserin, die sich bei der Volksstimme meldete. Lutz Kaufmann selber hatte geschwiegen. „Ich mache das ja schließlich aus Idealismus“, sagt er.