Magdeburg l Die letzten drei erhaltenen Hauszeichen des Künstlers Frank Borisch, sogenannte Supraporten aus der Gründungsphase des Stadtteils Neu-Olvenstedt, sind kürzlich an der Wilhelm-Weitling-Schule in Magdeburg angebracht worden. Das teilt die Stadtverwaltung mit.

Künstler Frank Borisch, der nach wie vor in Magdeburg lebt, freut sich. „Es ist eine wunderbar gelungene Aktion, und ich bin sehr froh darüber, zumal alles ohne mein Zutun passiert ist“, sagte er gegenüber der Volksstimme. Als Olvenstedt gebaut wurde, hatten sich zahlreiche Künstler an der Gestaltung beteiligt, erinnert sich Borisch, die Zusammenarbeit mit den Architekten und Auswahlgremien sei gut gewesen und man habe relativ freie Hand gehabt. Auf diese Weise seien viele schöne Arbeiten entstanden, die in Meißen von den Künstlern selbst gefertigt wurden, wie Borisch erzählt.

Nicht alle Kunstwerke wurden gepflegt

Was er bedauert, ist, dass nicht mit allen Kunstwerken, die in jener Zeit im öffentlichen Raum entstanden waren, so pfleglich umgegangen wurde und vieles verloren ist. Ob man als Künstler, der etwas im öffentlichen Raum kreiert, auf die Vergänglichkeit gefasst sein müsse? „Die temporäre Kunst ist ja die eine Seite, aber ein Haus ist eigentlich auch nicht allzu kurzlebig“, sagt er. Dass nun gerade drei seiner Werke gerettet wurden, freut ihn: „Sie waren auch ganz gut gelungen.“

Frank Borisch hat von 1961 bis 1965 Bühnen- und Kostümbildner an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studiert und anschließend als Maler und Grafiker sowie als Szenograf an verschiedenen Bühnen in Sachsen-Anhalt und Thüringen gearbeitet. Heute lebt Frank Borisch in Magdeburg.

Künstlerin Dagmar Schmidt hatte sich lange für die Kunst am Bau eingesetzt und ist ebenfalls sehr erfreut, dass die Kunstwerke einen neuen Bestimmungsort gefunden haben. Dass die Werke an der Schule angebracht wurden, findet sie umso schöner, da sie so der jüngeren Generation zugänglich sind und damit auch in die Zukunft vermittelt werden können.

Weitere Kunstwerke werden gerettet

Dagmar Schmidt hat an der Bauhausuniversität Weimar und an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle Bildende Kunst studiert. Sie berichtet, dass noch weitere Kunstwerke aus Neu-Olvenstedt einen neuen Bestimmungsort bekommen sollen. Unter anderem handelt es sich um Kunstwerke aus der Marktbreite und ein Fassadenband, für das ein Standort am Erich-Rademacher-Freibad in die engere Auswahl gekommen ist. „Der Plan steht nach wie vor“, berichtete die Künstlerin im Volksstimme-Gespräch. Allerdings werde die Umsetzung noch etwas dauern.

Es werde zudem daran gearbeitet, zeitgenössische Kunst Einzug in den Stadtteil halten zu lassen. Unter anderem gehört dazu ein Fassadenbild an einem Supermarkt, das Ende 2018 umgesetzt wurde. Viele der Vorhaben wurden und werden im Rahmen des Projektes „Kunst Neu-Olvenstedt“ verwirklicht. Unter anderem hatte so auch das Kunstwerk „Verbunden“ von Wolfram Schneider einen neuen Standort auf dem Gelände der Olvenstedter Feuerwehr gefunden.

Die drei Kunstwerke von Borisch waren beim Abriss ihres ursprünglichen Bildträgers in der Marktbreite/St.-Josef-Straße geborgen worden. „Hauszeichen und Wappen spielen in der Magdeburger Stadtgeschichte eine bedeutende Rolle“, erklärt die Verwaltung. Nach der Idee der Künstlerin, die im Auftrag des Stadtplanungsamtes den Umzug begleitet habe, wurde die Umplatzierung von der Wobau unterstützt. Demnächst sei auch eine feierliche Übergabe geplant, kündigt die Verwaltung an.

Weitere Informationen sind auch auf www.mapping-olvenstedt.de zu finden. Die blaue Kunstroute zeigt mit der Station Nummer 4 ein Hauszeichen von Künstler Frank Borisch.