Magdeburg l Der Magdeburger Dom ist die älteste und bedeutendste gotische Kathedrale in Deutschland und nicht nur architektonisch ein Juwel, sondern auch durch ihre drei besonderen Orgeln ein musikalischer Schatz für die Landeshauptstadt, wie auch für die Orgellandschaft in Sachsen-Anhalt. Nach dem Neubau von zwei neuen Orgeln im Dom und Remter soll nun noch die fast 50 Jahre alte, kleinere Paradiesorgel der Firma Schuke Orgelbau Potsdam von 1969 im Nordquerhaus des Domes saniert werden.

Neben der Spendensammlung, die der Förderverein Magdeburger Domorgeln gestartet hat, gibt es nun auch eine Crowdfunding-Aktion.

Paradiesorgel lange Zeit einzige Orgel

Landeskirchenmusikdirektor Gerhard Bremsteller plante gleich nach 1945 eine neue große Orgel mit 100 Registern für den Dom, als Ersatz für die zerstörte. Jedoch war erst nach vielen Schwierigkeiten und Interimslösungen 1969 ein Orgelneubau möglich. Die Paradiesorgel wurde mit 39 Registern als Schwalbennestorgel im Nordquerhaus erbaut und war jahrzehntelang bis 2008 die einzige Orgel im Dom.

In Folge der auch im Orgelbau 1969 bestehenden DDR-Mangelwirtschaft zeigen sich heute zunehmend Mängel an der Paradiesorgel, berichtet Fördervereinsvorsitzender Martin Groß. Das betrifft zuerst das Orgelgehäuse. „Dieses ist nicht selbsttragend, und leider wurde bei dessen Fertigung einfach nur braun gebeiztes, preiswertes Nadelholz an Stelle hochwertiger Eichen- oder Buchenhölzer verwendet“, bedauert Groß. Es habe auch keine Maßnahmen gegeben, um das Arbeiten des Holzes zu verringern, so dass sich auf den Gehäuseflächen sehr lange Risse bildeten.

Pfeifen können verstummen

Zudem seien die Prospektpfeifen aus einer Orgelmetalllegierung, die im Laufe der letzten Jahre weich geworden ist und die Pfeifenfüße kollabieren lassen, so dass sich die Pfeifenfußlöcher verschließen und die Pfeifen stumm werden können. Obendrein können sich die großen Metallpfeifen aus den Halterungen lösen und abstürzen, wie das bereits einmal mit einer fünf Meter hohen Prospektpfeife geschehen sei. Zum Glück sei niemand zu Schaden gekommen.

Des Weiteren konnten die Zungenpfeifen beim Bau der Paradiesorgel teilweise nicht in optimaler neobarocker Klangqualität hergestellt werden, so dass vier Register ersetzt werden müssen und einige weitere nachintoniert bzw. umgebaut werden sollen.

Sanierung kostet 350.000  Euro

Die Gelder werden eingesetzt, um die insgesamt rund 350.000  Euro teure Sanierung mit zu tragen und so die Orgelpfeifen auszutauschen, ein neues, nun materiell qualitätsvolles Gehäuse in der bisherigen Erscheinungsform nach dem Entwurf des Hallenser Architekten Fritz Leweke bauen zu lassen sowie vier Register zu erneuern. Die Arbeiten am Gehäuse machen dabei den Löwenanteil aus. Würde die Sanierung in den nächsten Jahren gelingen, hätte der Magdeburger Dom eine Orgellandschaft von höchster Qualität, so Groß weiter, der auf viel Unterstützung hofft.