Königliches Spiel

Schach-Boom schlägt sich bei Magdeburger Vereinen noch nicht nieder

Schach hat im Zuge der Corona-Pandemie einen weltweiten Boom erlebt. Doch der virtuelle Hype um das Spiel hat sich bislang nicht in die Vereine übersetzt. Jedenfalls nicht in der heimlichen Schach-Hauptstadt Magdeburg.

Von Konstantin Kraft 04.08.2021, 00:45
Das Maskottchen der Schachzwerge Magdeburg beim "Outdoor-Schach" am City Carré.
Das Maskottchen der Schachzwerge Magdeburg beim "Outdoor-Schach" am City Carré. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Ein Auslöser für den neuen Schach-Boom ist die extrem erfolgreiche Netflix-Serie „The Queens Gambit“, zu Deutsch „Das Damengambit“, die im vergangenen Herbst veröffentlicht worden ist. Sie wurde seither millionenfach gestreamt und war in mehr als 60 Ländern auf Platz eins der meist abgerufenen Serien. Internet-Schachanbieter wie „Chess24“, „Lichess“ oder „Chess.com“ verzeichneten parallel dazu neue Rekorde bei digitalen Schachspielern.

Große Meisterschaften im Maritim Hotel

Fast 1000 reale Mitglieder zählen derweil die verschiedenen Vereine in der Ottostadt. Vorneweg stehen hier die Schachzwerge Magdeburg e. V., einer der größten Schachvereine in Deutschland. Nicht nur deshalb gilt Magdeburg als Schach-Hauptstadt. Unlängst hat sich im Maritim Hotel mal wieder die deutsche Schach-Elite zum nationalen Meisterschaftsgipfel versammelt (wir berichteten).

Und das nächste Gipfeltreffen steht schon vor der Tür: Mit insgesamt rund 240 Teilnehmern startet an diesem Donnerstag die Deutsche Schach-Jugendvereinsmeisterschaft, erneut im Maritim. Die Magdeburger Schachzwerge werden dort jeweils mit einer Mannschaft in den Altersklassen U12 und U10 vertreten sein. Zumindest die „Außenseiterchance auf eine Medaille“ besteht, heißt es.

Zwischen 530 und 550 Mitglieder haben die Magdeburger Schwachzwerge aktuell. Eine beachtliche Zahl. Allerdings: Vor der Corona-Pandemie waren es rund 800 Mitglieder. Der Rückgang ist damit zu begründen, dass sich das Angebot des Vereins vor allem in den Schulen und Kindergärten abspielt, was im Zuge der Pandemie nicht mehr möglich war. „Wir wollen jedem Kind in Magdeburg die Möglichkeit geben, vom Schach zu profitieren“, erklärt Schachzwerge-Geschäftsführer Michael Zeuner die Hauptidee.

Schach verbindet alle Generationen

Der spielerische Unterricht zum königlichen Spiel ist nicht in erster Linie leistungsorientiert, sondern soll bei den Kindern positive Effekte für die soziale Entwicklung zeitigen. Studien hätten gezeigt, dass Schach als Unterrichtseinheit zu einer signifikanten Verbesserung der Lern- und Konzentrationsfähigkeit der Mädchen und Junge führen könne. Es soll die Entscheidungsfindung fördern, Fantasie und Kreativität steigern. Zeuner zeigt sich optimistisch, dass die Mitgliederzahlen zum neuen Schuljahr wieder steigen werden. Das frühe Schach-Training zeitigt noch andere vorteilhafte Nebeneffekte: „Wir merken als Schachzwerge, dass Eltern ein Interesse am Schach entwickeln, weil ihre Kinder spielen“, sagt er. Und: „Schach verbindet.“ Großeltern könnten gemeinsam mit ihren Enkeln spielen.

Unterdessen ist der digitale Schach-Boom auch beim SG Aufbau Elbe Magdeburg e. V. noch nicht recht angekommen. Ein Grund: Erst sei wenigen Wochen kann dort wieder in Präsenz trainiert werden. Aber: „Es gibt vermehrt Anfragen“, sagt Abteilungsleiter Jens Windelband. Inwiefern sich diese in Neuzugänge für den Verein umwandeln, muss sich noch zeigen. Wer Interesse hat, könne sich melden und bei den Trainingszeiten einfach mal vorbei schnuppern.

Offen für Neuzugänge zeigt sich ebenso der SV Rochade 96 Magdeburg. Die neue Begeisterung um das alte Schachspiel hat auch hier noch keine zusätzlichen Mitglieder gebracht. Der Vereinsvorsitzende Ralf Seibicke kann dennoch ein positives Fazit ziehen: „Wir sind froh, dass wir keine Mitglieder verloren haben in der Zeit.“ Coronabedingt mussten die Vereinsabende über eine lange Zeit ruhen. Online-Plattformen konnten zum Training helfen, dass gesellige Miteinander mit anderen Sportsfreunden und die gemeinsame Spielanalyse am Brett haben sie aber nicht ersetzen können. Sobald es wieder möglich war, ging es in Präsenz los. Anfangs sogar noch mit Test: Priorität hatten die Kinder- und Jugendlichen, die mit einer Mannschaft in der Jugendbundesliga vertreten sind. Derzeit hat der Verein 55 Mitglieder und biete „für Personen jeden Alters und Spielstärke ein Angebot“.