Eichenprozessionsspinner in Magdeburg

Magdeburg: Nachdem die Raupen zuvor manuell abgesammelt worden waren, kam im Jahr 2012 zum ersten Mal in Magdeburg die vorbeugende biologische Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zum Einsatz. Im Rahmen dieser Präventionsmaßnahme werden rund 1000 Eichen im Stadtgebiet mit einem Bakterienextrakt des Bacillus thuringiensis besprüht. Die Bäume nehmen das Extrakt über die Blätter auf und geben es an die Raupen weiter, die sich dann nicht mehr weiterentwickeln. Die Methode zielt auf das erste und zweite Entwicklungsstadium ab.

Der Eichenprozessionsspinner hat sich als wärmeliebendes Insekt von Süddeutschland weiter nach Norden ausgebreitet. Er bevorzugt alle Sorten der Stieleiche, frisst im Zweifelsfall auch von der Roteiche.

Das biologische Mittel hat sich aufgrund seiner großen Wirksamkeit bewährt. Ein Pluspunkt ist, dass es im Gegensatz zu chemischen Alternativen sehr gezielt auf die Larven des Eichenprozessionsspinners wirkt und kaum einen Einfluss auf andere Tiere oder den Menschen hat. Verbündete des Menschen im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner sind Wanzen, Schlupfwespen, Raupenfliegen, der Kuckuck und einige Käfer. (ri)

Magdeburg l Die Raupen der Eichenprozessionsspinner sind nicht allein für Eichen ein Ärgernis. Zwar kommen diese nach einem Kahlfraß dank guter Grundlagen für einen Neuaustrieb recht gut zurecht – doch auf Dauer und mehrere Jahre in Folge würden die Bäume unter dem Befall leiden. Mit ihren Gifthaaren, die sie gegen Fressfeinde schützen sollen, sind die Schmetterlings- larven vor allem aber auch für Mensch und Tier gefährlich. Seit 2012 werden in Magdeburg Eichen daher mit einem biologischen Mittel besprüht, das die ungezügelte Vermehrung der Tiere verhindern sollte. Am Donnerstag war Start zur diesjährigen Sprühaktion auf dem Magdeburger Westfriedhof.

Der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg hat sich seit dem Aufkommen der Problematik das Ziel gesetzt, das Vorkommen des Schädlings und damit die von diesem ausgehende Gefahr einzudämmen. Simone Andruscheck ist Leiterin des SFM und sagt: „Ein vollständiger Schutz gegen die Eichenprozessions- spinner ist zwar auch nach einer weiträumigen präventiven und manuellen Bekämpfung nicht gewährleistet, jedoch kann die Gefahr minimiert werden.“ Das bedeutet: Auch in diesem Jahr können trotz der Bekämpfung an vereinzelten Stellen Nester von Raupen auftreten, die die Menschen dringend meiden sollten. Auch Haustiere sollten von den Gespinsten ferngehalten werden, in denen sich die feinen Gifthärchen der Raupen sammeln. Erfahrungsgemäß bleiben diese bis zu drei Jahre gefährlich.

Falls Baumkontrolleure des SFM bei ihrer Arbeit Nester entdecken sollten, werden diese von Fachleuten in Schutzanzügen beseitigt. Seit 2011 werden Nester mit Staubsaugern entfernt. Stellen, an denen ein Befall festgestellt wird, werden gekennzeichnet und abgesperrt.

Die Erfolgsquote der Methode liegt in der Regel bei rund 70 Prozent. Deutliche Erfolge bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners hat der Eigenbetrieb in den vergangenen Jahren beispielsweise im Nordpark, im Strubepark, an der Liebknechtstraße und in Schneidersgarten erzielt. Auch auf dem Westfriedhof als eine der größten Grünanlagen der Stadt ist die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners in den vergangenen Jahren stark eingedämmt worden.

Dort waren am Donnerstag Jörg Groß und Dustin Nabel von der Biederitzer Enviro Pest Control GmbH im Einsatz. Jörg Groß berichtet: „Wir sind dieser Tage nicht allein in Magdeburg im Einsatz. Wir haben beispielsweise auch Aufträge in Berlin, in Dessau und in der Samtgemeinde Brome bei Wolfsburg.“ In den vergangenen Jahren hat sich wohl nicht zuletzt dank warmer Sommer der Eichenprozessionsspinner in ganz Deutschland und in allen Bundesländern ausgebreitet.

Die beiden fahren vor den Bäumen mit ihrem mit Tank und Sprühnebeldüse ausgestatteten Fahrzeug vor. Innerhalb weniger Minuten wird dabei – von draußen durch Jörg Groß mittels Fernbedienung gesteuert – die jeweilige Eiche gezielt mit einem Nebel überzogen, in dem das Mittel mit dem Bakterienextrakt enthalten ist. Der Baum nimmt dieses über die Blätter auf, die es einlagern, so dass Raupen ab ihrer ersten Mahlzeit von den behandelten Blättern das Mittel verabreicht bekommen.