Magdeburg l „Beförderte Personen: 0“ weist die Bilanz der Weißen Flotte zum Fährbetrieb Herrenkrug – Petriförder – Buckau in Magdeburg für die Jahre 2015 bis 2018 aus. Auch 2013/14 seien die Passagierzahlen mit 29 bzw. 8 denkbar dürftig gewesen. „Dieses Angebot wurde von möglichen Passagieren sehr wenig angenommen“, schreibt der Finanzbeigeordnete Klaus Zimmermann (CDU).

Mit den Zahlen reagieren Stadtverwaltung und Flotte auf einen im Februar 2019 verabschiedeten Ratsauftrag zur Prüfung einer saisonal betriebenen Bootslinie Herrenkrug – Petriförder – Mückenwirt – Westerhüsen zu verlässlichen Abfahrtzeiten. Die Christdemokraten hatten im Bunde mit den Liberalen die Idee ins Spiel gebracht. Das Prüfergebnis von Flotte und Verwaltung könnte vernichtender nicht ausfallen. Fazit: „kein Bedarf“.

Fähre ist eher heimliches Angebot

Das Problem: Vom 1999 aus förderrechtlichen Gründen aufgenommenen Fährbetrieb – Passagiere können auf das Fahrgastschiff Sachsen-Anhalt zusteigen und sich zum MVB-Tarif fähren lassen – wusste in der Vergangenheit kaum ein Magdeburger und erst recht kein Tourist. Das hatte bereits im Februar auf Volksstimme-Nachfrage auch der scheidende Flotten-Chef Peter Fechner eingeräumt: „Wir betreiben zugegeben keine Werbung dafür.“

Das Hauptgeschäft der Flotte ist die Fahrgastschifffahrt. Der Fährbetrieb – die Elbe rauf und runter – war vor 20 Jahren nur aufgenommen worden, weil für die zur Bundesgartenschau in Betrieb genommene MS Sachsen-Anhalt Fördergeld floss. Eine Auflage hieß, dass das Schiff 20 Jahre im Fährbetrieb eingesetzt werden muss. Die Auflage wurde – klammheimlich und halbherzig – erfüllt. Die von Verwaltung und Flotte ins Feld geführten Nutzerzahlen sagen über einen realen Bedarf kaum etwas aus.

Hohe Kosten schrecken ab

Tatsächlich scheut die Flotte den Versuchsbetrieb. Wie schon Ex-Flottenchef Fechner kann sich auch Nachfolgerin Silke Buschmann schwer vorstellen, dass er wirtschaftlich wäre. Nötig seien ein neues Schiff, Personal und ein neuer Bootsanleger in Westerhüsen, der allein 50.000 Euro kosten würde. „Alternativ bieten wir den Fährbetrieb jetzt auf allen drei Fahrgastschiffen an“, erklärt die neue Flottenchefin Buschmann am Dienstag auf Nachfrage am Telefon. Ein Zu- und Ausstieg sei während der regulär angebotenen Rundfahrten zwischen Herrenkrug, Petriförder und Buckau möglich.

Einer regelmäßigen Bootslinie zwischen Herrenkrug und Westerhüsen, wie sie CDU und FDP angeregt hatten, messen Verwaltung und Flottenchefin „ausschließlich touristische Bedeutung“ bei. Schließlich würde die Verbindung bereits „im dichten Takt, ganzjährig und wasserstandsunabhängig“ bedient – mit der Straßenbahn und also von der Muttergesellschaft der Weißen Flotte, den Magdeburger Verkehrsbetrieben.