Magdeburg l „Hier sitzen ja viele, die sich in Otterleben offenbar besser auskennen als ich. Sagen Sie mir, wo sollen wir bauen?“ Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sah sich nach jahrelanger Debatte über das Ottersleber Schulproblem unerwartet mit Schimpfe und Kritik im Rat konfrontiert, wo er Beifall erwartet hatte. „Sie haben uns den Auftrag gegeben, parallel einen Anbau an die bestehende Grundschule und einen Neubau zu prüfen. Kaum kommen die ersten Proteste, schlagen Sie sich in die Büsche.“ Eine Antwort auf seine Frage nach einem alternativen Bauplatz bekam Trümper nicht.

Die Räume in der Schule sind seit zehn Jahren zu eng, die vierten Klassen ausgelagert. Es werden neue Gebiete für Einfamilienhäuser erschlossen. Das Platzproblem – an fast allen Grundschulen akut – wächst. Für die neue Schule in Ottersleben sollten zwölf Kleingärten weichen. Deren Pächter und einige Anlieger mehr haben Protestbriefe geschrieben und ihren Unmut öffentlich gemacht. Die Gärtner wollen ihre Scholle nicht hergeben. Anlieger fürchten ein Verkehrschaos und einen Verlust an Erholungsqualität im Park.

Eltern beklagen Enge an der Schule

Andererseits beklagen Ottersleber, vornehmlich solche mit schulpflichtigen Kindern, die Enge an der Schule seit Jahr und Tag; im Stadtrat allen voran ihr politischer Lokalmatador Wigbert Schwenke (CDU). „Wir sind uns einig, dass die Situation entschärft werden muss.“ Der für den Neubau vorgesehene Standort Amtsgarten aber sei „Mist“, so Schwenke: „Das Problem ist: Ich kenne keinen anderen.“ Schwenke favorisiert einen Anbau an der bestehenden Schule. Den aber verhindert die Erbengemeinschaft, die im Besitz des Nachbargrundstückes ist. Die Lage ist verfahren, die CDU uneins. Nicht alle Fraktionsmitglieder folgten Schwenke in seinem Veto gegen den Neubau.

Trümper verwies darauf, dass die Stadt im Bereich über nur vier bebaubare Grundstücke verfüge, in Alt Benneckenbeck, am Knochenpark, in einer weiteren Kleingartensparte an der Niendorfer Straße und eben am Amtsgarten. „Auch an allen anderen Standorten ist die Schule nicht gewünscht“, so Trümper. Er erklärte, dass mit der Aufstellung des B-Planes erst geprüft werden solle, ob der Schulbau am Amtsgarten umsetzbar sei, „aber wenn Sie ihn auf keinen Fall wollen, dann können wir uns das sparen“. Hoffnung auf eine schnelle Alternativlösung machte Trümper nicht.

Lage spitzt sich zu

Für die Grünen zeigte sich Jürgen Canehl „entsetzt und schockiert“ über die Anliegerproteste und ihr Echo im Rat. „Wir brauchen die Schule dringend!“ Auch Trümper erinnerte an die sich stadtweit zuspitzende Lage. Die Geburtenzahlen steigen, der Zuzug hält an. „Allein seit März sind rund 300 Schulkinder neu dazugekommen.“ Carola Schumann (FDP), selbst Ottersleberin und Lehrerin, erinnerte an Versprechen: „Im Wahlkampf sind alle Parteien für bessere Bildung. Bildung braucht Platz!“ Schumann trat vehement für den Neubau an. Ebenso die Mehrheit der Linken, für die René Hempel attestierte: „Auch wenn der Verlust von zwölf Gärten wehtut, die Alternative sind Hunderte Kinder in einer schrecklichen Situation.“ Für die Gartenpartei kein Argument; Roland Zander: „Dann muss die Stadt ein Grundstück kaufen. Egal, was es kostet.“

Die SPD stimmte geschlossen (außer Trümper) gegen die Schule am Park, will aber einen Antrag zur erneuten Suche nach altertiven Bauplätzen stellen, sagte Fraktionschef Jens Rösler. Da war der Neubau am Amtsgarten schon vom Tisch. 26 Baugegner (SPD, Gartenpartei, Teile der CDU, zwei Linke) dominierten 20 Befürworter von Linken, Grünen, CDU, FDP plus der OB-Stimme.

Die Gärtner dürfen aufatmen. Das Schulproblem bleibt ungelöst.