Die verschiedenen Notrufsysteme

So funktioniert der Hausnotruf: In dem Hausnotrufgerät befindet sich eine Freisprecheinrichtung. Mit dem am Körper, als Kette oder Armband, getragenen Funksender kann der Alarm ausgelöst werden. In der Hausnotrufzentrale sind dann alle wichtigen Kundendaten zu sehen und es besteht gleichzeitig eine Freisprechverbindung. In der Zentrale wird der Grund des Notrufes erfragt und die notwendige Hilfe organisiert.

Es gibt verschiedene Anbieter auf dem Markt. Die Kosten variieren und beinhalten unterschiedliche Leistungen. Man sollte sich daher im Klaren darüber sein, was man tatsächlich benötigt und wobei eventuell zusätzliche Aufwendungen hinzukommen.

Für besonders sturzgefährdete Personen gibt es Sturzdetektoren, die bei einem Fall den Notruf auslösen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, dass der Rauchmelder mit dem Hausnotruf verbunden wird – schlägt der Rauchmelder aus, wird dann auch die Zentrale informiert.

Für unterwegs gibt es mittlerweile mobile Notrufsysteme, wie ein Smartphone vom Malteser Hilfsdienst, auf dessen Rückseite ein Hilfeknopf eingebaut ist.

Magdeburg l Ein Mieter eines Mehrfamilienhauses im Breiten Weg in Magdeburg nimmt in seiner Küche einen üblen Geruch wahr. Ihm fällt auf, dass der Briefkasten seines Übermieters überquillt und verständigt den Notruf. Vor ein paar Tagen werden so die Einsatzkräfte der Feuerwehr in den Breiten Weg gerufen, um über das Fenster im siebten Stock die Leiche eines 84-Jährigen zu bergen. Wochenlang soll der Mann bereits in seiner Wohnung gelegen haben. Entdeckt wurde er erst vor wenigen Tagen.

Solche Berichte seien nicht selten, sagt Yvonne Jahn von der Gesellschaft für Prävention im Alter. Bei der Wohnberatungsstelle in Magdeburg beschäftigen sich die Mitarbeiter auch mit der Frage: Was kann ich tun, um mich im Notfall aus meiner Wohnung heraus zu verständigen? Ob dem verstorbenen Magdeburger rechtzeitige Hilfe hätte das Leben retten können, ist unklar, aber auch solche Fälle kommen nicht selten vor.

Expertin rät zu Hausnotruf

Um Notsituationen zu vermeiden, in denen zum Beispiel jemand in seiner Wohnung stürzt und sich nicht mehr bewegen kann, rät Yvonne Jahn zu einem sogenannten Hausnotruf. Die Gesundheitswirtin erklärt: „Dieser Notruf ist für allein lebende Personen konzipiert.“ In jeder Notlage könne damit unverzüglich Hilfe gerufen werden.

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Wie der Hausnotruf funktioniert: Die Person muss einen Notrufknopf immer am Körper tragen, den gibt es sowohl als Armband oder als Halskette. Worauf Yvonne Jahn ganz deutlich hinweist: „Der wasserdichte Notrufknopf darf nicht abgelegt werden, auch nicht im Bad, wenn man zum Beispiel duscht.“ Sonst mache das System nämlich keinen Sinn.

Rund um die Uhr besetzt

In einer Gefahrensituation drückt der Betroffene dann den Knopf und der Alarm geht bei einer Hausnotrufzentrale ein. Diese Zentralen sind 24 Stunden am Tag besetzt. „Alle Daten, die man preisgeben möchte und vorher abgesprochen hat, können dann dort sofort eingesehen werden“, erklärt Yvonne Jahn. Dazu gehören natürlich Adresse und Namen, aber auch Krankheiten, Nachbarn, bei denen ein Schlüssel hinterlegt ist, oder die Telefonnummer von Angehörigen können dort aufgelistet werden. Über einen Lautsprecher, der zentral in der Wohnung steht, nehmen die Mitarbeiter der Notrufzentrale Kontakt mit dem Betroffenen auf. So kann direkt abgeklärt werden, welche Art von Hilfe die Person braucht. Oder aber der Betroffene kann nicht mehr antworten. Dann werde direkt ein Notarzt an die Adresse geschickt, weiß Yvonne Jahn aus Erfahrung.

Einer, der den Alltag in so einer Hausnotrufzentrale gut kennt, ist Dieter Schlüter vom Malteser Hilfsdienst. Eine der Organisationen, die so einen Hausnotruf anbietet. „In der bundesweit zuständigen Malteser-Hausnotrufzentrale ist auch immer ein Rettungssanitäter oder Rettungsassistent vor Ort, der gleich medizinisch beraten oder die notwendigen Maßnahmen einleiten kann“, erklärt Pressesprecher Dieter Schlüter. Selbst wenn der Betroffene ein paar Meter weiter von der Freisprechanlage, über die kommuniziert wird, entfernt ist, könne die Empfindlichkeit so hoch gestellt werden, dass die verletzte Person in der Zentrale gehört wird.

Nicht jeder Alarm ist ein Notfall

Meldet sich wirklich niemand, wird sofort ein Arzt angerufen. Oder, sollte es so vereinbart sein, ein Nachbar, der umgehend nach dem Rechten schaut. Dass ein Notarzt mal grundlos verständigt wird, komme Schlüter zufolge äußerst selten vor. Allerdings stecke nicht hinter jedem ausgelösten Alarm auch ein Notfall. Dieter Schlüter: „Manchmal testen die Kunden auch, ob das Gerät noch funktioniert, oder Senioren suchen, gerade über Weihnachten, auch nur mal das Gespräch gegen Einsamkeit.“