Magdeburg l Betritt man den Friseursalon „Almasija Hairlounge“ in der Großen Diesdorfer Straße in Magdeburg scheint auf den ersten Blick alles ganz normal. Es wird gefärbt, geföhnt und Haare vom Boden gefegt. Doch schaut man genauer hin, ist schnell klar, dass es sich um einen besonderen Salon handelt.

Statt einer Kasse steht auf dem Empfangstresen eine große Unicef-Spendenbox. Auf der Ablage darunter liegen zu Geschenken verpackte T-Shirts mit dem Aufdruck „Wasser ist Leben“ und die Wand daneben zieren vier Zertifikate der Hilfsorganisation. Und die bestätigen die vier Brunnen in Äthiopien (Afrika), die Friseurmeisterin und Besitzerin Almasija Heße (ehem. Reineke) in den letzten fünf Jahren durch ihr Trinkgeld sowie die Unterstützung ihrer zahlreichen Sponsoren mit Unicef bauen ließ. Auch 2018 soll wieder einer dazukommen.

Pro Jahr entsteht ein Brunnen

„Solange ich mein Geschäft habe, werde ich pro Jahr einen Brunnen bauen. Es ist harte Arbeit, das Geld zu sammeln. Aber wenn ich am Ende den Scheck überreiche, bin ich überglücklich“, erklärt sie. Es sei zu ihrer Lebensaufgabe geworden, Menschen zu helfen, die es am nötigsten haben. „Bei mir geht es dabei aber immer um Wasser, ohne Wasser geht es nicht“, betont die Friseurmeisterin.

Sie weiß genau, wovon sie spricht. Schließlich ist sie selbst in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen russischen Dorf aufgewachsen. Anstatt sorgenfrei zu spielen, musste sie von Anfang an anpacken. Da es keine Wasserleitung gab, lag es an ihr, die schweren Wasserdepots zu schleppen. „So sollte kein Kind leben müssen“, bekräftigt Almasija Heße ihr Engagement.

Russin zieht nach Deutschland

1990 wendet sich das Blatt für die Tatarin. Sie kam der Liebe wegen nach Deutschland, heiratete ihren damaligen Mann, brachte ihren Sohn Paul zur Welt und eröffnete vor 22 Jahren ihren eigenen Laden. „Aus Dankbarkeit für mein gutes Leben beschloss ich vor fünf Jahren, als mein Sohn von zu Hause auszog, dass es an der Zeit ist, etwas für andere zu tun“, erinnert sie sich.

Ihre Freundin Gisela Lichtenecker brachte sie daraufhin in Kontakt mit Sabine Koch von der Unicef-Arbeitsgruppe in Magdeburg. „Ich wollte ein eigenes Spendenkonto, auf dem ich für einen Brunnen, der 6200 Euro kostet, Geld sammeln kann. Es ist mir und den Kunden, deren Trinkgeld den Großteil ausmacht, wichtig zu erfahren, was mit dem Geld wo passiert“, erläutert Almasija Heße. Dank ihrer Hartnäckigkeit gestand Unicef ihr den besonderen Wunsch zu, was in einer engen, erfolgreichen Zusammenarbeit mündete.

Extra Trinkgeld für Brunnenbau

Ohne ihre überaus großzügigen Kunden und Sponsoren könnte die 51-Jährige jedoch sicherlich nicht den bereits fünften Scheck für einen Brunnen überreichen. „Viele geben extra mehr Trinkgeld, da sie mein Projekt kennen, mir vertrauen und wissen, dass ich sie über alles, was das Projekt betrifft, informiere“, so Almasija Heße.

Der Betrag, der am Endes des Sammel-Jahres zum Brunnenbau fehlt, wird von ihren Sponsoren aufgefüllt. „Es werden immer mehr, ein großes Netzwerk. Das ist der Wahnsinn. So ist die Sparkasse dieses Jahr Hauptsponsor und auch Mückenwirt Uli Bittner sowie der ehemalige FCM-Kapitän Marius Sowislo und viele mehr sind an Bord“, schwärmt die Friseurmeisterin.

Familie unterstützt Unicef-Projekt

Natürlich steht auch ihre Familie stets hinter ihr: „Mein Sohn unterstützt mich mit seinem Unternehmen EMS Magdeburg von Anfang an mit großen Beträgen. Mein Mann Timo Heße verzichtete letztes Jahr bei seinem Firmenjubiläum von Arte-Möbel sogar auf Geschenke und bat seine Gäste für mein Projekt zu spenden.“

„Sexy in the City“ heißt das Event, an dem Almasija Heße auch dieses Jahr (24.8. ab 17 Uhr) ihren Scheck an Gudrun Goes, Leiterin der Unicef-Arbeitsgruppe, übergibt. Dann wird auf dem Parkplatz vor ihrem Salon eine Party mit allen Sponsoren, Modenschauen, Stylingaktion von Starfriseur Sebastian Böhm, Stilberatung, Cocktails und Co. gefeiert. „Diesmal gibt‘s vom Mückenwirt sogar zwei Karten fürs Oktoberfest zu gewinnen und eine Trachtenschau von SLK-Events Angela Volz“, weiß die Organisatorin. Mit der Veranstaltung will Almasija Heße alle Stadtfeld-Unternehmen zusammenbringen und zeigen: Miteinander schafft man viel mehr als gegeneinander.

Flüchtling wird Friseurin

Der beste Beweis dafür arbeitet nun als Auszubildende bei ihr. Mheret Goytom kam 2017 als Flüchtling aus Eritrea (Afrika) nach Deutschland und möchte unbedingt Friseurin werden. „Gott hat sie zu mir geschickt. Ihre Eltern leben nämlich in Äthiopien und sie bestätigt mir und den Kunden jeden Tag, wie wichtig die Arbeit von Unicef ist, da es immer noch an Wasser fehlt. Einen besseren Ansporn weiterzumachen, selbst wenn ich mir oft Häme wie ‚Wieso sollen wir dahin spenden, die sind doch alle hier‘ anhören muss, gibt es nicht.“