Magdeburg l Mehr als 600 Magdeburger Schulkinder pro Jahr beenden den Schwimmunterricht in Klasse 3 als Nichtschwimmer. Seit 2014 steigt die Zahl der Kinder, die sich nicht sicher über Wasser halten können, stetig an. Bereits in der vergangenen Ratslegislatur hat die 2019 aus dem Rat ausgeschiedene Helga Boeck (Links für Magdeburg) die wachsende Nichtschwimmerzahl in einem Antrag zum Thema gemacht und die Verwaltung mit der Forderung konfrontiert, Mittel und Wege zum Gegensteuern zu finden. In der Ratssitzung im Januar 2020 kam Boecks Antrag endlich zur Abstimmung.

Alle Ratslager sind sich einig, dass das Thema dringend der Debatte bedarf. Allein: Ein Patentrezept gegen den Verfall der Schwimmkompetenz hat im Rat niemand parat. Wigbert Schwenke, Fraktionschef von CDU/FDP, nannte das Thema ein „weites Feld“ mitsamt komplexer Ursachen. Dennis Jannack (Linke) verwies auf einige Kitas, die Schwimmunterricht organisierten, und andere, die am Elternwillen, Personalproblemen und an fehlenden Schwimmhallen-Zeiten scheitern.

Lerneffekt am höchsten mit 5 Jahren

„Aber da, wo das schon in der Kita funktioniert, sollte die Stadt das unbedingt unterstützen“, so Jannack. Auch Ronny Kumpf (AfD) forderte für seine Fraktion Schwimmunterricht schon für Kita-Kinder. „Studien sagen, dass Kinder im Alter von fünf Jahren am besten das Schwimmen erlernen können.“ Einen Antrag der AfD auf eine städtische Initiative für Schwimmunterricht schon in Kita-Regie verwies eine Ratsmehrheit zur weiteren Aussprache in die Ausschüsse.

Wigbert Schwenke (CDU) forderte, sich zum Thema nicht zu verzetteln und sich zunächst der Verbesserung des Schwimm- unterrichts an den Schulen zu widmen. Allerdings: Den organisiert fachlich das Land. Dennis Jannack (Linke) verwies auf unterstützenswerte Ansätze zur Verbesserung oder organisatorischen Erleichterung des Schwimmunterrichts an einigen Schulen. „An einigen Einrichtungen organisieren und finanzieren Schulfördervereine den Einsatz von Schwimmbussen. Das spart Zeit und Personal.“ Außerdem hätten einzelne Schulen der Stadt den Schwimmunterricht von Klasse 3 in Klasse 2 vorverlegt, was eine gute Sache sei.

Früherer Schimmuntericht notwendig

In diesem Sinne votierte am Ende der Stadtrat. Änderungsanträge von Linke und CDU zur Bitte an die Schulen, das Schwimmen schon in Klasse 2 zu lehren und zur Prüfung einer Schwimmbus-Unterstützung durch die Stadt wurden einstimmig verabschiedet. Vorausgestellt wurde dem Beschluss sozusagen als Präambel: „Die Landeshauptstadt Magdeburg bekennt sich zur Notwendigkeit, dass alle Kinder zum Schwimmen befähigt werden. Die Schwimmfähigkeit soll so früh wie möglich erreicht werden.“ Das Ziel steht fest. Der Weg dahin scheint steinig.