Magdeburg l Egal, wann Spaziergänger oder Radfahrer den Elberadweg unterhalb des Brückenbogens in Magdeburg passieren – die illegalen Graffiti an der Sternbrücke sind immer präsent. Da kann die Stadt Magdeburg noch so viele Reinigungstrupps darauf ansetzen.

Rund 40.000 Euro kostet die Beseitigung jedes Jahr, hat die Verwaltung errechnet. Und in Teilen den Kampf gegen die illegalen Sprüher am Brückendenkmal schon aufgegeben. Nur Schmierereien mit rassistischem oder verfassungsfeindlichem Hintergrund würden sofort entfernt, berichtet der zuständige Beigeordnete Dieter Scheidemann.

Keine Kapitulation vor Sprayern

Er spricht aber nicht von Kapitulation vor den illegalen Sprayern, sondern führt „bautechnische Gründe“ dafür an. Das Hochdruckstrahlen in Verbindung mit Lösungsmitteln, Quarzsand o. Ä. könne die Betonoberfläche verletzen und die Korrosion des Betonstahls durch offene Poren beschleunigen. Dann wohl doch lieber ein paar hässliche Graffiti mehr am Bauwerk.

Die Grünen-Stadträte Olaf Meister und Tom Assmann glauben hingen, dass sich die Gestaltung mittels freigegebener Graffitiwände steuern lässt. So griffen sie schon im Frühjahr 2018 eine alte Idee wieder auf: legales Sprayen an der Sternbrücke.

Legale Graffiti-Fläche anbieten

Beide schlugen auch vor, frei zugängliche Graffiti-Wände unter dem Bogen der Sternbrücke auf westelbischer Seite einzurichten. Sie könnten dort (temporär) aufgestellt und als öffentliche Fläche für legale Graffiti angeboten werden. „Auf diese Weise kann der tote Raum unter der Brücke belebt werden“, argumentierten sie in ihrem Prüfantrag, den eine Ratsmehrheit schließlich an die Verwaltung weitergab.

Das Ergebnis liegt nun in Form einer Stellungnahme von Scheidemann vor und verspricht Anhängern der legalen Lösung vor allem eins: Ernüchterung. Denn weder für die Idee frei aufgestellter Wände noch für die Möglichkeit, die Sichtbetonflächen unterhalb des Bogens für legale Kunstaktionen freizugeben, mögen sich Brückenfachleute und Denkmalschützer erwärmen.

Brücke am Flächendenkmal

Zum Aufstellen von Wänden erklärt Scheidemann: Als Baudenkmal befinde sich die Sternbrücke auf dem westlichen Elbufer in einer „parkähnlichen Umgebung des Klosterbergegartens“, die den Status eines Flächendenkmals trage. Die Aufstellung von Graffitiwänden würde das Erscheinungsbild des Denkmals verändern – Ablehnung. Gleiches gelte für eine mögliche Freigabe der Flächen im Betongewölbe.

Das verwundert auf den ersten Blick. Vor fünf Jahren noch waren Graffiti unterhalb des Brückenbogens (fast) schon gesetzt. Damals hatten die Denkmalschützer eingelenkt. Ein Bogen sollte professionell gestaltet werden. Mit Symbolen der Magdeburger Partnerstädte und einem „Blauen Band“ an der Wand zur Elbseite.

Keine Geldgeber gefunden

Kostenschätzung: etwa 19.000 Euro. Sponsoring sollte das Geld bringen. Zur Umsetzung kam es nicht, da keine Geldgeber gefunden wurden.

Dieses Mal argumentieren die Fachleute aber erneut gegen die Graffiti-Idee und wenden sich vor allem gegen ein „freizügiges und unkontrolliertes Besprühen“ durch die Freigabe der Wände. Das könne dem Betonwerk langfristig sehr schaden – „bis zum Totalverlust“. Außerdem würden (ungefährliche) Risse an den Bögen überwacht.

Kontrolle der Graffiti schwierig

Je mehr Graffiti an den Wänden sei, desto schwieriger die Kontrolle. Also: Ablehnung.

Am 20. September 2019 hat der Stadtrat das Thema auf dem Tisch. Dann wird sich zeigen, ob die Graffiti-Idee der Grünen doch noch eine Chance hat.