Magdeburg l Für den regulären Personenverkehr sind die runden Tatrabahnen der Reihe T4D in Magdeburg eigentlich längst ausgemustert. Doch zwei Züge rollen in den Wintermonaten dennoch durch die Stadt. Sie sorgen dafür, dass Oberleitungen und Gleise nicht einfrieren. Viele Weichen verfügen zwar über eine Heizung – auch sie sind aber im Blick der Winterdienstler der MVB. Tim Stein ist Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe und erläutert: „Das ist nicht zuletzt eine Lehre aus dem Winter 2010, als wegen Frost und Schnee der Straßenbahnverkehr in unserer Stadt zum Erliegen kam.“

Seitdem sind die beiden Züge im gesamten Straßenbahnnetz vom 1. November bis zum 31. März unterwegs, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken. Der Vorteil der alten Technik: Wenn aufgrund einer einfrierenden Oberleitung kurzzeitig der Strom aussetzt, wird das Fahrzeug nicht wie bei den modernen Niederflurstraßenbahnen automatisch komplett heruntergefahren. Falls die Temperaturen auch nach Ende März noch in den Frostbereich sinken, wird operativ über weitere Nachtfahrten bei den Verkehrsbetrieben entschieden.

Robustes "Arbeitstier"

Neben den beiden Tatrazügen ist auch der Schienenschleifwagen mit einem speziellen Stromabnehmer im Einsatz, der die Oberleitung mit einem Glyceringemisch als Frostschutz überzieht.

Was die betagten Arbeitstiere angeht, wird im Zyklus der Hauptuntersuchungen alle acht Jahre entschieden, ob sich eine Instandsetzung lohnt. Der MVB-Sprecher berichtet: „Natürlich ist uns klar, dass wir nicht auf einen Ersatz verzichten könnten.“ Aus dem Grund soll auch ein neues Arbeitsfahrzeug, das in diesem Jahr nach Magdeburg kommen soll, entsprechend robust ausgestattet sein.

Mehrarbeit im Winter

Der Wintereinsatz bedeutet bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben derweil nicht allein Mehrarbeit für einige Straßenbahnfahrer. Daneben müssen die Mitarbeiter auch dafür sorgen, dass die Haltestellen vom Schnee geräumt und abgestumpft sind. Daher gibt es weitere Kollegen aus den Reihen der Fahrer und aus der Verwaltung, die Haltestellen in der Innenstadt gemeinsam mit beauftragten externen Firmen räumen.

Insgesamt sind 104 Mitarbeiter mit den Aufgaben des Winterdienstes im Einsatz. „Sie verdienen unseren größten Respekt, bei Wind und Wetter zu meist nachtschlafender Zeit im Einsatz zu sein, damit Bus und Bahn rollen können“, dankt der Unternehmenssprecher seinen Kollegen.