Magdeburg l In der kommenden Woche sollten in Rothensee die Bagger anrollen. Sieben Jahre nach dem Hochwasser, das zum Teil gravierende Schäden an der Strecke hinterließ, sollte mit dem Neubau der Straßenbahntrasse auf dem August-Bebel-Damm zwischen Haltestelle Schule Rothensee und Wendeschleife Rothensee begonnen werden. Doch daraus wird nichts.

Bei der europaweiten Ausschreibung der Bauleistungen seien keine wirtschaftlichen Angebote abgegeben worden, teilen die MVB mit. Die Planer haben mit Gesamtkosten von 17 bis 19 Millionen Euro gerechnet. Abgegeben worden seien jedoch Angebote, die fast doppelt so hoch liegen wie die Kostenschätzung.

„Wir haben keines der Angebote angenommen, da wir verantwortungsvoll mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln umgehen. Deshalb wird es in diesem Jahr auch keinen Baustart geben“, erklärt MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel. Das Bauprojekt werde vollständig mit Mitteln des Bundes aus dem Sondervermögen Ausbauhilfe finanziert, da mit dem Neubau die beim Elbehochwasser 2013 entstandenen Schäden beseitigt werden sollen.

Baustart im zweiten Quartal

Die MVB planen nun ein Verhandlungsverfahren mit potenziellen Baufirmen. Damit sei die Hoffnung verbunden, den Kostenaufwuchs zu begrenzen. Bei Erfolg könnte im zweiten Quartal 2021 Baustart sein.

Dann nehmen die MVB erneut Anlauf, die Gleis- und Haltestellenanlagen der Linie 10 auf dem August-Bebel-Damm neu zu bauen. Die Strecke war beim Elbehochwasser 2013 überschwemmt und stark beschädigt worden. Die Trasse soll daher auf einer Länge von 1,4 Kilometern neu gebaut werden. Dabei entstehe ein besonderer Bahnkörper in der Mitte der Straße, so dass die Straßenbahnen ungehindert vom Autoverkehr rollen können.

Ausnahme bildet ein 125 Meter langer Abschnitt auf Höhe des Umspannwerkes der Städtischen Werke Magdeburg. Dort teilen sich in Fahrtrichtung Zentrum der Kfz- und Straßenbahnverkehr eine Fahrspur. In Höhe des Straßenbahnbetriebshofs Nord verschwenken die Gleise, wie heute auch, in die Seitenlage getrennt vom Autoverkehr. Beim Bauvorhaben werden zudem viele unterirdische Versorgungsleitungen erneuert.

Höhere Leistungsdauer im Blick

Die Trasse der Straßenbahn wird in Querschwellenbauweise auf Schotterbettung ohne Gleisplattenabdeckung errichtet. Im Vergleich zur heute vorhandenen Gleiskonstruktion könne damit eine höhere Lebensdauer bei gleichzeitig geringerem Unterhaltsaufwand und einer geringen Beschädigungsgefahr bei möglichen erneuten Überschwemmungen erreicht werden.

Bahnsteige für Haltestellen

Die Haltestellen „Schule Rothensee“, „Hohenwarther Straße“, „Betriebshof Nord“ und „Rothensee“ erhalten neue Bahnsteige und werden nach dem neuesten Stand der Barrierefreiheit ausgebaut, so dass ein bequemes Ein- und Aussteigen für alle Fahrgäste gewährleistet ist.

Zu Jahresbeginn begonnen hatte die Baufeldfreimachung. Dabei mussten unter anderem 46 Bäume gefällt werden. Die MVB kündigten jedoch an, nach Abschluss der Bauarbeiten 58 neue Bäume zu pflanzen und neue Hecken und Sträucher anzulegen.

Am grundlegenden Ablauf wollen die MVB trotz Verschiebung festhalten. Unter der Maßgabe, dass der Straßenbahnverkehr der Linie 10 immer rollen muss und für den Autoverkehr während der Bauzeit mindestens eine Fahrspur pro Fahrtrichtung angeboten wird, wird die Bauzeit mit drei Jahren veranschlagt. Geplant sind zwölf Bauphasen mit unterschiedlichen Verkehrsführungen. So soll gewährleistet werden, dass auch während der Bauzeit der Straßenbahnverkehr rollt – wenngleich teilweise eingleisig.