Magdeburg l  Wo gebaut wird, werden neue Straßennamen benötigt. Zwei Namen wurden in Magdeburg in der Altstadt, zwei in der Neuen Neustadt vergeben.

Am Blauen Bock entsteht zwischen dem Neubau und dem Karstadt-Warenhaus ein Stadtplatz neu, der benannt werden soll. Am Blauen Bock ist auch der Vorschlag aus der Arbeitsgruppe Straßennamen, dem der Stadtrat jetzt zugestimmt hat. Während die Vorschläge sonst in vielen Fällen ohne weitere Diskussion beschlossen werden, hatte sich dieses Mal der bündnisgrüne Stadtrat Olaf Meister zu Wort gemeldet. Er fragte: „Ehren wir jetzt den Spottnamen von Heinz Schenk?“ Immerhin: Als das Vorgängergebäude gebaut wurde, gab es noch in der ARD die beliebte Unterhaltungssendung „Zum Blauen Bock“ mit Heinz Schenk.

Zwar gibt es auch andere plausible Varianten für den Spitznamen des vor drei Jahren abgerissenen Blocks – zum Beispiel die mit Bezug auf ein leichtes Leben in dem Gebäude –, doch diese Bezüge zur jüngeren Geschichte sind für den Grünenstadtrat nicht ausschlaggebend. Während der Stadtratssitzung machte er deutlich, dass er gerade in der Magdeburger Innenstadt die Benennung von Straßen nach dem historischen Vorbild aus der Zeit vor der Zerstörung im Jahr 1945 bevorzugen würde. Im Falle des neu zu benennenden Platzes wäre das zuletzt die Weinfaßstraße gewesen. Der Name geht auf das Haus Breiter Weg 156 „Zum goldenen Weinfaß“ zurück.

Die Städtischen Werke Magdeburg, die das Gelände neu gestalten, hatten hingegen den jetzt beschlossenen Vorschlag selbst vorgelegt. Der neu entstehende Platz, der im Moment vor allem als Lager für Baumaterial dient, soll künftig zu einem städtebaulichen Aushängeschild der Stadt werden: mit Anlehnungen an die Formensprache von Bruno Taut, mit Beleuchtung, einem Ausstellungspavillon, Bänken und auch mit Bäumen in einem Bereich, an dem in den vergangenen Jahrzehnten vor allem das Dach über den Kellerräumen zwischen Karstadt und dem Blauen Bock das Bild bestimmt hat.

Kavalier Scharnhorst lautet die Adresse der umgenutzten Festungsgebäude und neuer Häuser am Hammersteinweg, der die Sternbrücke mit dem tieferliegenden früheren Elbbahnhof verbindet. Die Eigentümer des Gebäudekomplexes hatten den Vorschlag eingebracht. Mit der neuen Bezeichnung soll der Besonderheit des Kavaliers als ehemalige Kaserne gedacht und für den Gebäudekomplex eine eindeutige Anschrift erhalten werden, heißt es seitens der Verwaltung. Für den Hammersteinweg ergeben sich durch die Neubenennung, außer für den Gebäudekomplex des Kavaliers, keine weiteren Veränderungen.

Stralsunder Straße und Greifswalder Straße sollen zwei Straßen in einem neuen Eigenheimviertel an der Nachtweide heißen. Es handelt sich um ein Gebiet der früheren Junkers-Werke, die in den vergangenen Monaten aufwendig für eine Nutzung für die Wohnbebauung hergerichtet wurden. Durch die Namen der beiden vorpommerschen Küstenstädte mit jeweils knapp 60.000 Einwohnern wird an dieser Stelle der Neuen Neustadt die Benennung weiterer Straßen aufgenommen: Die Bremer Straße und die Hamburger Straße befinden sich in unmittelbarer Nähe. Und mit Lübeck, Lüneburg, Oldenburg und Rostock gibt es weitere norddeutsche Städte, die in der Magdeburger Neustadt in Form von Straßennamen Erwähnung finden.

Sowohl bei Greifswald als auch bei Stralsund handelt es sich wie bei den anderen genannten norddeutschen Städten und bei Magdeburg um Städte, die in der Hanse des Mittelalters eine wichtige Rolle gespielt haben.