Magdeburg l Wie steht es um das Vorhaben einer Musikakademie in Magdeburg im Logenhaus an der Weitlingstraße? Die Aussichten sind nicht gerade positiv, wie Susanne Schweidler als Leiterin des Fachbereiches „Kunst und Kultur“ im städtischen Dezernat „Kultur, Schule und Sport“ im Kulturausschuss berichtete.

Die Stadt möchte, so sie den Zuschlag für die Kulturhauptstadt 2025 erhält, eine Akademie für Musik und Darstellende Kunst gründen und hatte sich Hilfe von den Universitäten im Land erhofft. Das Vorhaben scheint jedoch vom Tisch. Selbst wenn es in Zusammenarbeit mit der Wobau bereits Pläne von Architekten gebe, wie das Gebäude, in dem sich einst die Weitling-Bibliothek befand, umgebaut werden könnte. „Man könnte sofort loslegen, es müsste sich nur jemand finden, der es macht“, sagte Susanne Schweidler. Die zwei Hochschulen der Stadt und die Martin-Luther-Universität kämen dafür nicht in Frage, berichtete sie.

Das Problem ist hochschulpolitischer Natur. Grundsätzlich gebe es aber zumindest Kooperationsmöglichkeiten, wie die Magdeburger Uni und Hochschule auf Nachfrage erklärten. Auch das Institut für Musikpädagogik der Martin-Luther-Universität in Halle hatte Interesse bekundet.

Unis entscheiden nicht allein über Angebot

Die Uni sei berechtigt, eigenständig Studienprogramme anzubieten, erklärt Jens Strackeljan als Rektor der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Allerdings müssten die Programme den Lehrgebieten entsprechen, die mit dem Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung vereinbart wurden. In dessen Verantwortung befinden sich die Hochschulen.

„Nach der Reform 2003 gehört Musikwissenschaft und auch Musik im Lehramt nicht mehr zu den vereinbarten Lehrgebieten in Magdeburg“, erinnert Strackeljan, „es war also vom Start aller Überlegungen einer Einrichtung einer Musikakademie klar, dass die Otto-von-Guericke-Universität kein akademisches Musikprogramm anbieten kann.“ Jedoch gebe es eine Reihe von Studienprogrammen, bei denen sich Studieninhalte, die einen Bezug zur Musikakademie haben, einbauen ließen, so Strackeljan weiter. Als Beispiel nennt er den Studiengang Cultural Engineering.

Zudem gebe es Forschungslinien, zum Beispiel im Bereich der Künstlichen Intelligenz und der Neurowissenschaften, die Bezüge darstellen würden. Hinzu kämen Räumlichkeiten und Personal, etwa aus den Bereichen Pädagogik, Didaktik und Psychologie. „Hiervon wollten wir Dinge einbringen und stehen nach wie vor zu dieser Zusage“, so Strackeljan weiter, der nicht von einem Rückzieher sprechen möchte. Er würde sich freuen, wenn seitens der Stadt die Gespräche zu diesem Thema nicht endgültig beendet werden würden: „Es braucht halt ein bisschen Kreativität, um im Rahmen der staatlichen Vorgaben ein Programm unter Beteiligung der Universität und der Hochschule auf die Beine zu stellen.“

Studiengang Musik ist ein Politikum

Norbert Doktor als Pressesprecher der Hochschule Magdeburg-Stendal signalisiert ebenfalls die Bereitschaft, das Projekt zumindest zu unterstützen. Studienangebote der Hochschule, die zu einer Musikakademie passen, könnten für Studenten einer Musikakademie unter Umständen geöffnet werden. Selbst einen Studiengang für Musikwissenschaften ins Leben zu rufen, wäre politisch nicht machbar, zudem fehle es auf dem Hochschulcampus im Herrenkrug schlichtweg an Kapazitäten.

Und gibt es Bestrebungen des Ministeriums, Entscheidungen aus dem Jahr 2003 rückgängig zu machen? Das Wissenschaftsministerium habe nichts dagegen einzuwenden, wenn es in Magdeburg Bestrebungen privater Investoren oder Vereine gibt, gegebenenfalls auch mit Unterstützung der Stadt Magdeburg, eine Musikakademie zu gründen, erklärt Matthias Stoffregen als Pressesprecher des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung auf Nachfrage. „Die aktuelle Hochschulstrukturplanung des Landes sieht gegenwärtig allerdings nicht vor, an den Hochschulen in Magdeburg neue Angebote für eine musikalische Ausbildung zu schaffen“, so Stoffregen. Auch entsprechende Beteiligungen der Hochschulen seien nicht in Planung.

Bereits im Jahr 2005 sei laut Stoffregen die universitäre Musikausbildung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konzentriert worden. Aufgrund der vom Wissenschaftsrat attestierten Unterauslastung der Musikwissenschaften in Halle in den Folgejahren sei das ehemalige Institut für Musik Teil des 2016 gegründeten Instituts für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften (IMMS) geworden und untergliedere sich nun in die Abteilungen Musikpädagogik und Musikwissenschaft. Stoffregen empfiehlt privaten Initiativen, sich an das Ministerium für Kultur zu wenden.

Logenhaus könnte Büroflächen bieten

Das Logenhaus war vom Stadtrat als Standort bevorzugt worden. Das Gebäude gehört der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (Wobau). Es gebe mehrere Projektentwicklungen, erklärt Peter Lackner als Geschäftsführer der Wobau. „Zurzeit hoffen wir noch auf den Zuschlag für die Landesmusikakademie oder den Gewinn bei der Kulturhauptstadtbewerbung“, so Lackner. Alternativ dazu gebe es bereits einen Mietinteressenten für das Erdgeschoss, „das wir dann als Büroflächen ausbauen“, so Lackner. Das Obergeschoss sei als Veranstaltungscenter bereits mehrfach angefragt.