Magdeburg l Es ist kein leichter Kampf gegen den unsichtbaren Gegner und noch immer werden auch für Magdeburg neue Fälle gezählt: 50 Menschen sind hier mit Stand vom Montag laut Gesundheitsamt Magdeburg mit dem Coronavirus infiziert - darunter zwei Ärzte sowie ein Mitarbeiter aus dem nichtmedizinischem Bereich aus dem Klinikum Magdeburg.

Ein Schock. Wurde die große Angst vieler Ärzte, Pfleger und Schwestern, sich selbst zu infizieren, nun auch in Magdeburg Realität.

Die betroffenen Personen seien sofort in Quarantäne geschickt worden, hieß es vom Gesundheitsamt. Die Kontaktpersonen - darunter auch Patienten und Kollegen - jedoch nicht. Warum nicht, lesen Sie hier. Einer der Ärzte war noch vom Dienstag bis Donnerstag im Dienst, am Freitag lag dann der positive Corona-Test vor.

Unterschiedliche Zahlen

Übrigens: Das Sozialministerium informiert noch immer über 39 Fälle in Magdeburg (Stand: Montag, 15 Uhr) und nicht über 50 Fälle wie die Stadt Magdeburg. Landesweit seien 303 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, die meisten davon in Halle (72). Schuld an den verschiedenen Zahlen ist der - manchmal ins Stocken geratende - Informationsfluss zwischen den Behörden. Als erstes melden Ärzte die Erkrankungen an das jeweilige Gesundheitsamt. Dieses erfasst händisch die Fälle und leitet sie dann weiter an die Gesundheitsbehörde des Landes.

Das soll zwar schnellstmöglich passieren, geschieht aber in den jeweiligen Städten und Landkreisen zu unterschiedlichen Zeiten. Das ist auch durchaus abhängig von der Personalsituation, erklärte eine Sprecherin des Sozialministeriums auf Volksstimme-Nachfrage. Und so veröffentlichen die Städte und Landkreise manchmal höhere Zahlen als das Ministerium zu diesem Zeitpunkt.

Unterdessen gehen die Kontrollen der Ordnungshüter in der Stadt Magdeburg weiter. Seit Montag gelten weiter verschärfte Regeln für das öffentliche Leben. Zum Beispiels sind öffentlich nur noch Zusammenkünfte von maximal zwei Personen erlaubt, es sei denn, es handelt sich um Familienmitglieder aus dem eigenen Haushalt. Unterhalten sich also zwei Nachbarn vor dem Haus, darf ein Dritter nicht mehr dazukommen. Überhaupt darf die Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen werden. Welche das sind, lesen Sie hier.

Beschleunigte Verfahren möglich

Für die Kontrollen hat die Polizei ihre Präsenz erhöht. Die Beamten werden unterstützt von der Landesbereitschaftspolizei sowie von Kräften der Fachhochschule Polizei Sachsen-Anhalt. Die Polizei und die Sicherheitsbehörden werden Verstöße der Unbelehrbaren als Ordnungswidrigkeiten ahnden und in Einzelfällen strafrechtliche Ermittlungen einleiten, teilte das Innenministerium mit. Grundsätzlich sind dann auch beschleunigte Strafverfahren möglich, erklärte Oberstaatsanwalt Frank Baumgarten auf Volksstimme-Nachfrage.

Während das soziale Leben durch die neue Allgemeinverfügung ins Stocken gerät, geht es mit dem kulturellen Leben wieder etwas aufwärts, und zwar digital. Konzert-Livestreams bei Facebook oder der "Hof on Air" vom Moritzhof Magdeburg sind nur ein paar Beispiele. Und auch wer nicht im Internet unterwegs ist, kann hin und wieder Musik aus fremden Zimmenr lauschen, nämlich immer dann, wenn Nachbarn auf dem Balkon um 19 Uhr singen oder aber wie am Sonntag, als Blasmusiker die "Ode an die Freude" in die Welt hinausposaunten.

Hilfe formiert sich zudem an vielen Stellen. Auch für Obdachlose. So hat sich eine Gruppe zusammengeschlossen, die täglich gegen 18 Uhr vor dem Hauptbahnhof Essen verteilen will. Weiterhin geöffnet, aber ebenfalls mit strengeren Auflagen für die Besucher, sind auch die Bahnhofsmission sowie die Tafel in Buckau.

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