Magdeburg l Spaten, Schubkarre, Dünger und Torf – Magdeburgs Friedhofsgärtner packen aus. Martin Cziborra und Janine Meter zeigen alles, was sie haben. Anlass dazu gab die Polizei.

Keine Sorge, das Duo steht nicht unter Verdacht. Sie haben weder etwas Illegales angepflanzt, noch haben sie etwas oder jemanden ausgegraben. Vielmehr ist es ein Werbegag, zu dem sie die Polizei inspirierte. Unter dem Hashtag #TetrisChallenge zeigten Anfang Oktober 2019 weltweit Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst das ausgeräumte Innenleben und Personal ihrer Einsatzfahrzeuge.

Bilder auf Twitter, Facebook und Instagram

Die Bilder erinnern an Modellbausätze: Tausende leergeräumte Feuerwehrfahrzeuge, Rettungswagen oder Polizeiautos kursierten bei Facebook, Twitter und Instagram. Auch die Beamten des Kriminaldauerdienstes Magdeburg machten bei dem Foto-Wettstreit mit und veröffentlichten das Bild zudem in der Volksstimme.

Martin Cziborra sah das Titelfoto. „Wir wollen demnächst unsere Website neu machen. Und als ich das Foto der Polizei sah, fand ich, dass es eine super Idee ist“, erklärt er. Auch sein Fotograf Sven Sonnenberg war begeistert. Ende Oktober wurde alles ausgepackt und die Drohne schwebte über ihnen. Sieben Mitarbeiter umfasst das Team der Friedhofsgärtnerei Boese um Chef Martin Cziborra. In Zweierteams posierten sie an ihrem Arbeitsplatz, dem Friedhof. Wer denkt, Arbeit rumzuliegen sei ein Leichtes, der irrt. „Es war unglaublich kalt und da wir sieben Leute sind, lagen wir lange auf dem kalten Platz.“

Der Platz eint die Wege des Westfriedhofes. Allein dort betreut der 35-Jährige 500 Gräber. Insgesamt seien es über 1750 Grabstellen in Magdeburg und Umgebung, die die Gärtner bepflanzen und pflegen. Gerade vor Tagen wie dem Totensonntag ist die Friedhofsgärtnerei Boese im Dauereinsatz. Und das seit 1903 – in vierter Generation. Lediglich Martin Cziborras Mutti ging beruflich einen anderen Weg, wodurch eine Generation übersprungen wurde.

Magdeburger übernimmt Firma vom Opa

Und auch bei Martin Cziborra selbst stand Friedhofsgärtner zunächst nicht unbedingt ganz oben auf der Wunschliste. Er sei zwar in dem Beruf groß geworden, habe sein Leben lang seinen Großeltern, Klaus und Roswitha Boese, geholfen und sich so Taschengeld verdient, doch: „Mit 16 hatte ich noch keine Meinung dazu.“ Beim Arbeitsamt seien ihm Jobs wie Industriemechaniker und Telekommunikationstechniker vorgeschlagen worden. Heute ist er froh, dass er den Weg genommen hat, den er eben nahm. Denn, dass er das Familienunternehmen übernimmt, sei schon immer Opas Wunsch gewesen. Und auf Opas 60. Geburtstag sagte Martin Cziborra die Nachfolge zu. Er ließ sich in Hannover ausbilden, schloss mit Note 1 ab und machte seinen Meister.

Seine Großeltern sind inzwischen im Ruhestand. Martin Cziborra führt das Unternehmen allein. Und obgleich es ein Beruf ist, in dem sich das Leben nicht gerade von seiner „schönsten Seite“ zeigt, liebt er seine Arbeit. Klar, manchmal fließen bei seinen Kunden auch Tränen. Gerade, wenn der Trauerfall noch sehr frisch ist. Doch wenn er die Kundenwünsche umsetzt, stehen ihm glückliche Leute gegenüber. Und die Wünsche können manchmal ungewöhnlich sein. So wünschte sich jemand mal eine Bepflanzung in Form eines Pferdes. Und auch eine Sonne hat er schon aufs Grab gesetzt – mit gelbem Spindelstrauch. Jüngst pflanzte er ein großes Herz.

„Gerade für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder weit weg leben, übernehmen wir die Grabpflege, -reinigung und Bepflanzung.“ Die Grabbepflanzung vorm Totensonntag, den viele Menschen nutzen, um auf den Friedhof zu gehen, das Grab zu schmücken und winterfest zu machen, bedeutet derzeit für alle Friedhofsgärtner Arbeit im Akkord. Etwas, das auf dem #TetrisChallenge-Foto nicht zu sehen ist.