Magdeburg l Der Wille war sofort da: Der Wettbewerb muss auf jeden Fall gerettet werden. „Darin waren sich die Teilnehmer und die Jury sofort einig“, sagt Elisabeth Gabriel, Chefdramaturgin am Theater Magdeburg. Das Problem dabei: Wie soll die Bühne aussehen, auf der alle Teilnehmer zusammenkommen können, ohne sich zu nahe zu kommen, wie es zurzeit vorgeschrieben ist. Schauspiel lebt vom Inszenieren, also auch vom gemeinsamen Proben, und natürlich vom Publikum. Das ist zurzeit nicht möglich. Die Lösung: das Internet.

„Alle Beteiligten waren sofort damit einverstanden, sogar begeistert, etwas Neues auszuprobieren und vor allem auch, überhaupt arbeiten zu können“, berichtet Elisabeth Gabriel vom Start des Projekts. Viele Schauspielerinnen und Schauspieler sind dazu verurteilt, zu warten, bis es wieder losgeht, wann sie wieder spielen und auftreten können. Jetzt wird per Internet-Live-Chat gearbeitet. Schauspieler, Regisseure und Dramaturgin treffen sich, jeder von zu Hause, zum Proben. „Am Anfang war das ein wenig schwierig und ungewohnt, aber alle haben sich doch recht schnell auf die Situation eingestellt“, sagt die Dramaturgin. Allerdings seien die Möglichkeiten, die ein Live-Chat bietet, natürlich begrenzt. Es gebe zum Beispiel kein Bühnenbild, in und mit dem gespielt werden könne. Bei dem Projekt „Tage der jungen Dramatik“ bestehe allerdings der glückliche Umstand, dass die Beiträge der Autoren szenische Lesungen seien. Dadurch sei es etwas leichter vor einer Kamera, vor der der Schauspieler im Grunde auch vor seinem Computer sitze, zu spielen.

Autoren mussten umschreiben

Die Autoren der Stücke mussten sich ebenfalls auf die neue Situation, dass ihre Stücke via Internet präsentiert werden, einstellen. Manche Szenen mussten sie umschreiben und an die „Internet-Bühne“ anpassen.

Bilder

Die Beiträge vom Theater Magdeburg werden während der Präsentation der Stücke vom 28. April bis zum 2. Mai live via Internet gespielt (siehe Info-Kasten rechts), die Beiträge des Braunschweiger Staatstheaters sind aufgezeichnet und werden eingespielt. Da kommt bei den Magdeburger Schauspielern dann noch ein gewisses „Bühnengefühl“ auf.

Auch die Jury ist live mit dabei und wird am Ende der Präsentationen ihr Votum bekanntgeben - jeder von zu Hause vom Computer aus.

„Natürlich ist es neu und ganz anders, aber auch eine gute Erfahrung des Theaterspielens, aus der vielleicht das eine oder andere für die Zukunft mitgenommen werden kann. Aber alle freuen sich darauf, endlich wieder im wirklichen Theater in Magdeburg an die Arbeit gehen zu können“, meint Elisabeth Gabriel, die sich täglich aus ihrer Wohnung in Frankfurt am Main in die Proben „einwählt“.

Aus 32 Bewerbungen fünf Teilnehmer ausgewählt

Das Theater Magdeburg und das Staatstheater Braunschweig haben zu Beginn der Spielzeit 2019/20 zum ersten Mal einen Autor/innenwettbewerb ausgeschrieben. Die Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und des Fachbereichs Kulturwissenschaften & Ästhetische Kommunikation der Universität Hildesheim waren bis Mitte November 2019 aufgerufen, Exposés und erste Szenenentwürfe für ein abendfüllendes Theaterstück einzureichen. Insgesamt 32 Bewerbungen von höchst unterschiedlicher thematischer und ästhetischer Setzung erreichten die Theater, so das Theater Magdeburg.

Aus den Einsendungen haben die Dramaturgie-Teams der Theater in Magdeburg und Braunschweig fünf Stückentwürfe ausgewählt, die um den Preis einer hochkarätig besetzten Jury konkurrieren. Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie werden sie dem 28. April 2020 und dem 2. Mai 2020 an fünf aufeinander folgenden Abenden jeweils ab 19 Uhr in 20-minütigen szenischen Lesungen und Videoinszenierungen im öffentlich zugänglichen Livestream auf dem Facebook-Kanal des Theaters Magdeburg dem Publikum präsentiert. Im Anschluss findet jeweils ein Gespräch mit der Autorin oder dem Autor und den Regisseuren statt. Dabei kann das Publikum über Facebook live mitchatten und auch Fragen stellen.

Die Autoren der ausgewählten Texte sind Bruno Brandes (Universität Hildesheim), Wibke Charlotte Gneuß (Universität Leipzig), Johannes Koch (Universität Leipzig), Marie Lucienne Verse (Universität Leipzig) und Till Wiebel (Universität Hildesheim). Das Theater Magdeburg hat die szenische Lesung für die Stückentwürfe von Wibke Charlotte Gneuß und Johannes Koch übernommen, das Theater Braunschweig die drei anderen Texte.

In Magdeburg führen Petra Schönwald und David Stöhr Regie, als Schauspielende sind Iris Albrecht, Maike Schröter, Anja Signitzer, Carmen Steinert, Christoph Förster und Ralph Opferkuch auf der Internet-Bühne zu erleben.