Magdeburg l Seit kurzem dürfen die Sängerinnen und Sänger des Magdeburger Opernchores wieder ohne Maske singen. Und nicht nur das: Sie haben auch einen neuen Chorleiter. Der 27-jährige Philipp Schweizer aus Stuttgart ist stellvertretender Chordirektor geworden und vertritt vorerst Martin Wagner, der sich in Elternzeit befindet. Auf die neue Aufgabe freut sich der Chordirigent, der sein Fach im Master studiert hat.

Zunächst studierte Philipp Schweizer Musik und Spanisch. Bereits während des Musikstudiums habe er Chöre geleitet und daran Freude gehabt. Deshalb kam der Wunsch auf, dieses Fach zu vertiefen. Was ihm am Chorsingen gefällt, ist das Gemeinschaftliche. Vor allem in der Oper seien Chorszenen oft besonders emotional und würden einen besonders starken Eindruck hinterlassen. „Es macht Spaß, daran mitzuwirken, dass so etwas entstehen kann“, sagt Schweizer.

Seine Studien absolvierte er in Trossingen, Valencia, Las Palmas, Valparaíso und Tübingen. Zu seinen bisherigen Tätigkeiten gehören musikalische Assistenzen bei den Uni-Orchestern Tübingen und Stuttgart, wo er an Produktionen und Aufführungen von Mahlers 1. und Beethovens 9. Sinfonie beteiligt war, sowie ein Engagement als Chorassistent im Rahmen der Schlossfestspiele Glatt, wo eine gefeierte Produktion von George Bizets Carmen entstand.

Schöne Lage an der Elbe

Nach diversen Engagements als Chorleiter im Raum Stuttgart übernahm Philipp Schweizer nun die Leitung der Chorarbeit am Theater Magdeburg. Seit drei Wochen ist er nun hier und empfindet die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt als eine interessante Stadt: „Die Lage an der Elbe ist wunderbar, auch das Umland empfinde ich als sehr reizvoll“, sagt er. Zeit, seinen neuen Lebensmittelpunkt ausgiebig zu erkunden, hatte er bislang jedoch noch nicht. „Ich habe viel gearbeitet, um den Chor und die Strukturen kennenzulernen“, sagt er.

Für seine Arbeit ist ihm wichtig, dass sie konzentriert und strukturiert umgesetzt wird. „Zu den szenischen Proben sollten alle ihren Text auswendig kennen“, sagt er.

Deshalb werden regelmäßig und lange vor den Premieren neue Stücke in den Proben erarbeitet. „Rechtzeitig und gut vorbereitet zu sein, darin sehe ich meine Aufgabe“, sagt Schweizer. Seine Zuständigkeit sieht er im Musikalischen. Die Regie übernimmt die szenische Arbeit: „Und das ist auch gut so. Man will auch nicht alles machen.“

Chor probt in Gruppen

Derzeit probt er mit dem Chor an La Clemenza di Tito, Roméo et Juliette, Der Zigeunerbaron, Guys and Dolls, Rigoletto und Street Scene. „Es gibt immer Wochen und Tagespläne“, erläutert er. Darauf seien für jede Probe die Stücke zu finden, an denen gearbeitet wird – zwei bis vier je Probe.

Geprobt wird derzeit übrigens in zwei Gruppen. Jeweils 17 Chorsänger nehmen an einer Probe teil, um die Abstände und Hygienevorschriften einzuhalten. Auch bei den Aufführungen wird der Chor unter Einhaltung der Hygienevorschriften eingebunden. Teils singt er hinter der Bühne, teils in einem Nebenraum, teils von der Empore. „Es sind wirklich gute Lösungen gefunden worden, den Chor einzubeziehen, die gut funktionieren und einen Opernbesuch reizvoll machen“, lobt Philipp Schweizer. Bei Mozarts Clemenza di Tito etwa singt der Chor von der Empore aus. „Wir sind sehr froh, dass wir wieder arbeiten dürfen“, erklärt Schweizer. Auch der Aspekt, dass vor Publikum gespielt werden dürfe, sei schön. „Während Corona wurden viele digitale Formate aller Art gefunden, aber es ist deutlich spürbar, dass die Menschen einen Drang nach Live-Musik in sich tragen. Es zeigt, dass nichts an das Live-Erlebnis heranreicht“, sagt er. Und dass dieses nun wieder möglich ist, sei sehr schön.