Magdeburg l Nein, sich zu verkleiden, mag er überhaupt nicht. Andere wiederum zu verwandeln, ist sein Beruf, vielleicht sogar seine Berufung, vor allem aber eine Tätigkeit, die kein Hobby zum Ausgleich braucht. Seit 2001 arbeitet Stephan Stanisic am Magdeburger Theater als Kostümdirektor. Das hat sich so ergeben – wie vieles in seinem Leben.

Eigentlich wollte der in Kaiserslautern geborene 52-Jährige Modedesign studieren. Nach dem Abitur absolvierte er mehrere Praktika – eines davon am Theater. Über dieses Praktikum rutschte er gleich in den Theaterbetrieb hinein und blieb ihm bis heute treu. Das Praktikum in der industriellen Fertigung von Konfektionsbekleidung schreckte ihn eher ab. „Das war mir zu langweilig“, sagt er, ohne diesen Berufszweig schlecht machen zu wollen: „Es ist eben nur einfach nicht mein Ding.“

Kreatives Arbeiten in der Theaterwelt

In der abwechslungsreichen Welt des Theaters fühlt er sich wohler. Dort kann er kreativ sein und seine Tage flexibel planen. „Theater kennt keine Arbeitszeiten“, sagt Stephan Stanisic. Und so gibt es Tage, an denen er bis 22  Uhr arbeitet, andere Tage sind dann wieder kürzer. 60 Opern und Ballette hat er in Magdeburg bereits ausgestattet. Und jeder Tag sei anders. Langweilig geworden sei ihm in seinem Beruf daher noch nie.

Neben dem Theater Magdeburg arbeitet er als Gast auch an anderen Häusern – am Staatstheater Kassel, an der Oper Chemnitz, am Theater Bielefeld, am Lübecker Theater und am Landestheater Detmold, um nur einige Beispiele zu nennen. Stanisic: „Das ist für mich die Möglichkeit, mal rauszukommen.“

Kostüme aus dem 19. Jahrhundert

Am liebsten gestaltet er Kostüme, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesiedelt sind. „Ich bin ein Freund von alten Fotos – und das war die erste Zeit, die mit Fotografien dokumentiert wurde. Vielleicht liegt es daran.“ Er findet die Bilder jedenfalls faszinierend und kann sich mit den Fotografien viel besser ein Bild der Zeit machen, als mit einem Gemälde. Was er weniger mag? „Rokoko.“

Bevor er nach Magdeburg kam, hatte der Theatermacher ein Engagement am Stadttheater Bremerhaven. Dort habe er eine der schlimmsten Inszenierungen seines Lebens erlebt. Es ging um ein Musical, Elvis, das davon handelte, dass Elvis Presley einmal in Bremerhaven zwischenlandete und aufzeigte, was er während des Aufenthaltes in Bremerhaven gemacht haben könnte. „Damals habe ich mich geschämt, auf die Bühne zu gehen und mich dafür zu verbeugen“, sagt er rückblickend. Dem Publikum allerdings hat’s gefallen. Für Stanisic war das Stück „platt und an Zähnen und Haaren herbeigezogen“.

Zusammenarbeit mit Dagmar Frederic

In Neustrelitz hingegen habe er eines seiner Lieblingsstücke ausgestattet – und zwar beim Sommer-Open-Air von „Hello Dolly“ mit Dagmar Frederic in der Hauptrolle. Eine „Wahnsinnserfahrung“ sei die Aida-Inszenierung im Jahr 2002 auf der Magdeburger Seebühne gewesen: „So etwas Großes habe ich nie wieder gemacht.“ Und schöne Erfahrungen seien immer wieder auch die Inszenierungen der Rocky-Horror-Show, die er bereits siebenmal betreut hat.

Ans Weggehen denkt er trotz seiner langen Zeit am Theater Magdeburg noch lange nicht. Stephan Stanisic mag es, einen festen Standpunkt zu haben, zu dem er immer wieder zurückkehren kann. Und wenn es dann auch privat noch stimmt, kann es besser nicht sein. Ein richtiges Hobby hat und braucht Stanisic nicht, sagt er. Aber er kocht gern, und das auch sehr gut, wie er sagt.

Magdeburg ist seine Wahl-Heimat

Dass Magdeburg zu seiner Wahl-Heimat geworden ist, hat Freunde und Bekannte immer wieder überrascht, erzählt er. Immer wieder sei er gefragt worden: „Magdeburg???“

„Aber ich sage dann immer: Dann müsst ihr mal herkommen und euch anschauen, wie grün es hier ist und wieviel Platz man hier hat. Magdeburg ist eine Stadt, in der man atmen kann. Und sie ist auch geografisch sehr gut gelegen.“

Berufliches Umfeld stimmt

Aber auch das berufliche Umfeld müsse stimmen. Diesbezüglich verfüge das Magdeburger Theater über Räumlichkeiten, die man in der deutschen Theaterlandschaft auch erst einmal suchen müsse.

Am Theater Magdeburg wird aktuell für die Inszenierung von Otello Original-Kleidung für Herren und Jungen aus den 1970er-Jahren gesucht. Das kommt nicht sehr häufig vor, aber immer mal wieder. Und in diesem speziellen Fall legt der Kostümbildner Wert auf originale Kleidung, die bis zum 15.  Januar 2019 im Theater abgegeben werden kann. Gesucht werden sommerliche Herren- und Jungenkleidung sowie Schuhe. Die Spenden können an der Pforte im Opernhaus oder direkt in der Kostümabteilung in den Theaterwerkstätten (Rogätzer Straße 29) abgegeben werden.