Magdeburg l Schwanzwedelnd und vor Freude aus dem Häuschen springt er durch das Tiermedizinische Versorgungszentrum von Dr. Jana Leppelt und Dr. Katja Schneider. Wenn man den 13 Monate alten Rüden sieht, denkt man nicht, was er vor nicht allzu langer Zeit durchmachen musste. Über Monate war der Hund schwer vernachlässigt worden, bekam kaum Wasser und Futter, wurde offenbar in einer Wohnung im Käfig gehalten. Der Hund konnte kaum noch allein laufen.

Mitte November 2019 war die Magdeburger Tierrettung nach Sudenburg gerufen worden. Ein fast verhungerter Hund liefe hier herum, hieß es. Die Retter brachten das „Häufchen Elend“ spät abends zu Tierarzt Helge Schulze in die Praxis. „Die Tierrettung hat einen super Job gemacht. Ohne sie hätte der Hund die Nacht nicht überlebt“, sagt der Tierarzt. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Mandy Lautenbach übernahm der Tierarzt die Erstversorgung des Hundes. Am nächsten Morgen brachten sie ihn in das Tiermedizinische Versorgungszentrum. Hier wurde das Tier eingehend untersucht. Anstatt 20 Kilogramm, wie seine Altersgenossen wiegen würden, wog der Hund gerade einmal die Hälfte. Eine derartige Form der Vernachlässigung hatten die Tierärzte noch nicht gesehen.

Tierärzte päppeln Hund auf

Doch der Rüde gab nicht auf. Dank der intensivmedizinischen Betreuung überstand er die kommenden Tage. Nach und nach päppelten die Tierärztinnen mit ihrem Team den Hund wieder auf. In Absprache mit der Stadt Magdeburg blieb der Hund in der Tierklinik. Liebevoll kümmerte sich das Team um den Hund, gab ihm auch einen Namen: Egon. Und auch Tierarzt Schulze und Mandy Lautenbach sahen immer wieder nach ihrem Patienten.

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„Der Hund ist gesund, alles im grünen Bereich“, sagt Helge Schulze. Mittlerweile bringt Egon 17,6 Kilogramm auf die Waage. Damit hat er das Gewicht, was er haben sollte, schon fast erreicht. Über die Feiertage bleibt Egon in Absprache mit der Stadtverwaltung noch im Tiermedizinischen Versorgungszentrum. Tierarzt Schulze und das Team des Versorgungszentrums betreuen ihn wechselseitig.

Polizei ermittelt gegen 24-Jährige

Auf der Suche nach Egons ehemaligem Zuhause ist die Polizei bereits gut vorangekommen. „Eine 24-jährige Magdeburgerin konnte als Tatverdächtige ermittelt werden“, sagte Polizeisprecherin Heidi Winter auf Nachfrage. Derzeit gebe es noch ein paar Fragen zu klären, die Ermittler sind aber optimistisch, dass sie den Fall aufklären können, so die Polizeisprecherin.

Dabei haben die Ermittler eine gute Spürnase bewiesen. Denn der Hund war weder gechipt, noch trug er andere Hinweise auf seine Besitzer. Tierarzt Schulze hatte, gleich nachdem er den Hund von der Tierrettung übergeben bekommen hatte, Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Wer seinen Hund nicht füttert oder nicht ausreichend pflegt, kann mit einer Geld- oder Freiheits­strafe bis zu drei Jah­ren bestraft werden, heißt es im Bußgeldkatalog bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz.

Hund soll vermittelt werden

Helge Schulze und seine Kolleginnen vom Tiermedizinischen Versorgungszentrum hoffen nun, dass sich liebevollere Hände für Egon finden lassen, seine Leidensgeschichte ein glückliches Ende findet. Voraussichtlich Anfang Januar 2020 soll es für Egon soweit sein können: Über das Tierheim der Stadt soll Egon vermittelt werden.

Mit viel Willenskraft hat sich der Rüde ins Leben zurückgekämpft, hat nun ein besseres Hundeleben vor sich. Frei nach der Olsenbande: mächtig gewaltig, Egon...