Magdeburg l „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Margund Lewald, während sie ihrem bunten Edelpapagei Benjamin über das tiefgrüne Gefieder streichelt und ihn voller Hingabe ansieht. Er sitzt auf ihrer Schulter, schwimmt mit seiner Besitzerin bis zu zehn Meter durch den Neustädter See und ist auch sonst in jeder Lebenssituation immer an ihrer Seite.

Als wir Margund Lewald in einem Café in Magdeburg treffen, sitzt Papagei Benjamin ganz selbstverständlich auf ihrer Hand, fährt sich mit dem Schnabel kurz durch sein rot-grün-blau gemustertes Gefieder und knabbert dann weiter genüsslich an einem Keks, den die 71-Jährige zu ihrem Kaffee bekommen hat. „Mein kleiner Benni darf naschen, was er möchte. Am liebsten aber frisst er Fisch und rohe Paprika-Stückchen“, erzählt die stolze Besitzerin aus Magdeburg.

Seit 21 Jahren an ihrer Seite

Seit 21 Jahren begleitet Benjamin seine Vogel-Mami überall mit hin. Egal ob zum Einkaufen, beim Autofahren oder beim täglichen Duschen. Benni weicht der ehemaligen Polizeibeamtin nie von der Seite. Und damit er nicht einfach davonfliegt, ist er auch oft an einem kleinen Vogelkettchen festgemacht, das wiederum an der Goldkette seiner Besitzerin befestigt ist.

Denn es ist auch schon vorgekommen, dass Benjamin ausgebüxt ist und Margund Lewald ihn mit einem Würstchen wieder von dem Baum der Nachbarin locken musste: „Ich bin über das frisch gemachte Blumenbeet meiner Nachbarin gerannt, um den Vogel wieder vom Baum zu holen. Das war mir in dem Moment alles egal. Ich hatte eine Riesenangst, dass er wegfliegt und nicht wiederkommt“, erinnert sie sich zurück.

Bei Papageien-Ausstellung verliebt

Denn Benjamin ist für die 71-Jährige nicht einfach nur ein Haustier. Er half ihr damals als neuer Lebensbegleiter auch über die schwerste Zeit ihres Lebens hinweg, als ihr Mann unerwartet starb und sie in ein großes Loch fiel: „Ich hatte einen wunderbaren Mann. Nach seinem Tod wollte ich aber weder einen neuen Mann, noch alleine sein. Hund oder Katze kamen für mich nicht infrage, weil ich im Schichtdienst gearbeitet habe. So bin ich eines Tages ganz spontan zu einer Papageien-Ausstellung gegangen und dann habe ich mich sofort in meinen kleinen Benni verliebt“, erzählt Margund stolz.

Doch aller Anfang ist schwer. So hatten auch Margund und ihr Benni Startschwierigkeiten: Durch die spontane Euphorie, sich einen Papageien anzuschaffen, hatte sie ganz vergessen, sich gründlich darüber zu informieren, wie man einen so exotischen Vogel überhaupt hält.

Einsamkeit macht krank

Ihre anfängliche Unwissenheit führt Margund mit ihrem Papageien zu der Exoten-Klinik nach Leipzig. Dort erzählte man ihr auch, dass Benni nicht alleine sein dürfe, weil er sich sonst anfangen würde zu rupfen. Alle Papageienvögel leben in der Natur in großen Schwärmen, kleineren Gruppen, Familienverbänden oder zumindest als Paar zusammen.

Dies verschafft ihnen viele Vorteile bei der Nahrungssuche und dient als Schutz gegen Angreifer. Darüber hinaus haben sie alle ein großes Bedürfnis nach sozialen Kontakten, dazu gehören Rufkontakte, gemeinsame Unternehmungen, soziale Gefiederpflege, den Partner kraulen und füttern und vieles mehr.

Er spricht nur, wenn er es möchte

Damit es Benni an dem sozialen Kontakt nicht fehlt, beschloss Margund Lewald, ihren gefiederten Begleiter nicht mehr aus den Augen zu lassen. Seitdem spaziert der bunte Vogel gemeinsam mit ihr durch das Leben. Und sprechen kann Benni natürlich auch: „,Blöde Weiber‘ war einer seiner ersten Sätze. Meine Freundinnen wollten ihm beibringen, meinen Namen zu sagen. Doch Benni spricht nur, wenn er es möchte.

So kam es dazu, dass er nur meine kleine Stichelei aufschnappte und immer dann wiedergibt, sobald ihm danach ist. Nur meinen Namen, den sagt er bis heute nicht“, lacht die Vogel-Mama.

Benni sorgt für Aufsehen

Natürlich sorgt ihr gefiederter Freund auch in ganz Magdeburg für mächtig Aufsehen: „Wenn ich mit ihm durch die Stadt laufe, lachen die Leute immer, dass ich einen Vogel habe. Der Unterschied zwischen mir und den Leuten ist nur, dass man meinen Vogel wenigstens sieht“, scherzt die lebensfrohe Rentnerin.