Magdeburg l Jeden dritten Tag landet im Schnitt eine Anzeige wegen möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz auf dem Tisch vom Gesundheits- und Veterinäramt der Stadt Magdeburg. Bemerkenswert: Etwa bei jedem zweiten Fall stellen sich die Schilderungen als nicht zutreffend heraus. Hintergrund sind dann oft Nachbarschafts- und Beziehungsstreitigkeiten. Also Anschwärzereien.

Jeder Fall werde einzeln geprüft, betont Amtsleiter Dr. Eike Hennig. Er sei dennoch froh, dass Tierfreunde aufmerksam seien und mögliche Vergehen meldeten. „Wir nehmen das sehr ernst. Sobald sich Verdachtsmomente bestätigen, geben wir sie an die Ermittlungsbehörden weiter“, sagt er.

Nach Fütterung Probleme mit der Verdauung

Immer öfter zeige sich aber auch eine „Unsicherheit und zunehmende Entfremdung von Natur und landwirtschaftlichen Nutztieren“. Was von Außenstehenden manchmal gut gemeint sei, könne für die betroffenen Tiere ernste Folgen haben. So seien dem Amt mehrere Fälle bekannt, bei denen unerlaubt Weidetiere wie Schafe, Ziegen, Pferde, Rinder gefüttert worden seien. Die Folge seien teilweise Verdauungsstörungen oder sogar eine lebensbedrohliche Schlundverstopfung gewesen.

„Aber auch die Tötung eines Hundes ist uns bekannt. Der Straftäter wurde verurteilt“, erklärt der Amtschef. Dies seien jedoch extreme Beispiele. Die meisten berechtigten Hinweise deckten falsche Haltungsbedingungen auf. Das seien zum Beispiel zu kleine Käfige oder Terrarien bei Vögeln bzw. Reptilien oder das Aussetzen von Katzen.

Dass es am Ende noch viel mehr Fälle von Verwahrlosung oder gar bewusster Tierquälerei gibt, glaubt Gudrun Müller, langjährige Chefin vom Tierschutzverein 1893 e. V. „Uns begegnet das bei unserer Arbeit leider fast täglich“, so Müller.

Bulldoggen in Wohnung gezüchtet

Sie berichtet von einem Fall aus Magdeburg-Olvenstedt, wo in einer Wohnung unter völlig ungeeigneten Bedingungen Französische Bulldoggen gezüchtet wurden. „Um sie dann zu Höchstpreisen zu verhökern.“ In einem anderen Fall habe ein unter Drogen stehender Mann im Neustädter Feld seinen Hund blutig geschlagen. „Das Tier konnte zum Glück gerettet werden“, berichtet die Tierschützerin. Auch Fälle von Verwahrlosung gebe es immer mal wieder, wenn Tierbesitzer überfordert seien.

Die Zusammenarbeit mit dem Veterinär- und Ordnungsamt sei sehr gut. So könne oft Schlimmeres verhindert werden. Gudrun Müller appelliert aber an alle Magdeburger, nicht „hinter der Gardine zu stehen und wegzuschauen“, wenn man auf Tierleid aufmerksam wird, sondern zu handeln und Hilfe zu rufen. „Diese Verantwortung tragen wir alle.“