Magdeburg l Es sieht martialisch aus, wie die jeweils fünf Teammitglieder aufeinander zulaufen. Mit hoch erhobenen Schlagstöcken nähern sie sich dem sogenannten „Jugg“, dem Spielball. Doch anstatt dann aufeinander einzuprügeln, berühren sie sich jeweils nur leicht, teilweise sogar artistisch, um den anderen auszuschalten.

Obwohl „Jugger“ aus einem fast vergessenen australischen Actionfilm stammt, ist es doch auch gerade für Kinder geeignet, findet Christian Darius vom Pfadfinderstamm Unser Lieben Frauen in Magdeburg. Die jüngste Teilnehmerin der gut 50-köpfigen Pfadfindergruppe ist bei der Turnierpremiere am 21. April 2018 auf der Wiese im Hohepfortepark gerade einmal sieben Jahre alt. Pfadfinder aus Blankenburg, Badersleben und Halle sind der Einladung des Magdeburger Stammes gefolgt.

Spielgeräte selbst gebaut

„Wir machen den Sport jetzt seit ein paar Jahren. Die Spielgeräte haben wir uns selbst gebaut“, erzählt Christian Darius. Dazu gehören die mit Schaumstoff gepolsterten Schläger, Pompfen genannt, die wie übergroße Wattestäbchen aussehen. Es gibt sie in kurzer und langer Variante. Wer die kleine Variante wählt, kann noch entscheiden, ob er einen zweiten Kurzpompfen oder ein Schutzschild nimmt. Für Profis gibt es sogar Kettenkugeln, sie bleiben aber an diesem Nachmittag beim Spiel mit den Kindern in der Tasche.

Mit den Pompfen werden die gegnerischen Spieler bei Berührung vorübergehend aus dem Spiel genommen. Und zwar fünf Trommelschläge lang. Die Trommel ist das wichtigste Utensil, ihr Schlag bestimmt das Spiel: Genau 100 Schläge bilden eine Spielhalbzeit, 200 bedeuten die Entscheidung.

Ziel ist es, den „Jugg“, den Spielball, von der Feldmitte in das gegnerische Tor, das Mal, zu bringen. Pro Mannschaft gibt es einen Läufer. Nur er darf den Jugg berühren. Seine vier Mitspieler versuchen ihn zu beschützen bzw. ihm den Weg zum Mal freizuhalten.

Taktik und Strategie

„Es gehört viel Taktik, Strategie und Teamarbeit zum Spiel“, sagt Mitorganisator André de la Chaux, weswegen es auch im Schulsport gespielt wird. Bei der Premiere der Pfadfinder stehe aber das Miteinander im Vordergrund, betont er. In Magdeburg sei das Spiel bislang kaum bekannt, in Halle dagegen wird sogar Bundesliga gespielt, erzählt er.

Einzig an der Otto-von-Guericke-Universität gibt es eine Jugger-Gruppe von 10 bis 20 Spielern. Einer von ihnen ist Martin Merten, er gibt an diesem Nachmittag den Schiedsrichter. Er überwacht, ob getroffene Spieler tatsächlich die fünf Schläge am Boden bleiben. „Wir treffen uns immer sonntags ab 14 Uhr im Nordpark“, erzählt er. Über Neugierige, die selbst einmal zum Pompfen greifen wollen, freuen sie sich natürlich, sagt er. Das Interesse ist da: Am Spielfeld bleiben immer wieder Spaziergänger stehen und schauen dem Treiben mit Trommel und Pompfen zu.