Magdeburg l Das Café Wewerka der ehemaligen Kunstschule in der Brandenburger Straße in Magdeburg war Schauplatz des sogenannten Mobilisierungstreffens. Dort versammeln sich jedes Jahr die „Meile“-Macher und besprechen das weitere Vorgehen. Angesichts der zehnten Auflage des Demokratiefestes eigentlich Routine, wäre da nicht die AfD. Sie war aus rechtlichen Gründen schon im Vorfeld des „Mobi“-Treffens für die Meile zugelassen worden.

Nachdem das die Volksstimme öffentlich gemacht hatte, entbrannte eine Diskussion, die sich auch bei der Runde am 6. Dezember 2017 widerspiegelte. Im Kern stand deshalb die Frage: Wie umgehen mit der AfD?

Miteinander-Verein bestätigt Absage

Die hatte zum Treffen mit Christian Mertens (Kreisverband) und Marcel Auersfeld (Mitarbeiter Landtagsfraktion) zwei Vertreter geschickt, die sich der Diskussion stellten. Die Inhalte reichten zwischen Ablehnung einer Teilnahme, wie Pascal Begrich vom Verein Miteinander noch einmal bestätigte, bis hin zur Forderung des Fortbestandes der Meile.

Siegfried Kratz von den Linken äußerte seine Probleme mit der AfD. „Die Unterschrift der AfD unter den Meile-Aufruf halte ich für eine Farce, ja für eine Lüge“, sagte er. Waltraut Zachhuber, Superintendentin i. R. und Vereinsvorsitzende Neue Synagoge Magdeburg, sah das ähnlich und sagte: „Wir werden noch beraten, wie wir damit umgehen.“

AfD wehrt sich gegen Vorwürfe

Die AfD wehrte sich. Christian Mertens: „Vieles ist eine Definitionsfrage“, sagte er auf die Vorwürfe an die AfD hinsichtlich der Verbreitung von Fremdenhass und Hetze. Man sei gegen „faschistische Umtriebe“ und sehe sich als Teil des Spektrums, das dagegen ankämpfe. „Führende Mitglieder aus der Neonaziszene werden an unserem Stand nicht zugegen sein. Da können Sie beruhigt sein“, sagte Christian Mertens vom AfD-Kreisverband. „Dass Sie überhaupt daran denken, ist unglaublich“, rief daraufhin Christine Böckmann in den Saal, eine der Mitoganisatorinnen der Meile der Demokratie.

Zur Diskussion stand auch, den „Meile“-Aufruf neu zu verfassen, um der AfD die Unterzeichnung und damit die Teilnahme zu erschweren. Eine Mehrheit fand dieser Vorschlag vor Ort jedoch nicht.

Magdeburger Schulen bei Meile dabei

Cornelia Habisch von der Landeszentrale für politische Bildung warb für die Neuauflage der Meile. „Wir haben allein rund 20 Schulen aus Magdeburg, die ihre Projekte für Toleranz auf der Meile zeigen wollen.“

Wolfgang Wähnelt (B90/Die Grünen) argumentierte, dass er sich nicht von der AfD von der Meile vertreiben lasse.

Warnung vor Protest gegen AfD

Und Beigeordneter Holger Platz warb für das Engagement der Zivilgesellschaft. Er warnte aber auch vor ausuferndem Protest gegen die AfD. „Wenn es zu Krawallen kommt wegen der AfD, werden genau diese Bilder die Berichterstattung in den Medien bestimmen, und nicht unsere Botschaft für Toleranz und Vielfalt.“

Am Ende fasste FCM-Fanbeauftragter Ralf Dobberitz zusammen. „Wir alle sollten selbstbewusst genug sein und uns von der AfD nicht beeinflussen lassen. Die Meile ist unser Fest. Und dabei soll und wird es auch bleiben.“

Meile der Demokratie findet statt

So konnte Diskussionsleiter Martin Hoffmann dann auch feststellen: „Ich nehme also mit: Die Meile 2018 wird es geben.“ In weiteren losen Vorbereitungstreffen soll sie nun organisiert werden.

Die Meile der Demokratie findet seit 2009 jährlich im Januar als Toleranzfest statt. Sie versteht sich als Antwort der Zivilgesellschaft auf den Missbrauch des Gedenktages der Innenstadtzerstörung am 16. Januar 1945. Anmelder sind die Stadtverwaltung Magdeburg und die Stadtratsfraktionen.