Magdeburg l Magdeburgs bekanntester Polizist a. D. Lothar Schirmer will sich bei seiner Aufklärungsarbeit vor Gaunern und Verbrechern auch von Anfeindungen nicht aufhalten lassen. Der Volksstimme sagte der aus Volksstimme sowie Funk und Fernsehen bekannte Schirmer zu Wochenbeginn, dass er auch weiterhin Vorträge und Lesungen halten werde.

Anlass für diese Aussagen sind Schmierereien an einer Hauswand am Fuchsberg in Magdeburg unmittelbar vor einer Lesung „Gaunertricks und Jazzmusik“ in der dortigen „Urkesh-Lounge“ eines gleichnamigen Restaurants. Bisher Unbekannte hatten Schirmer in der Nacht zum 11. April 2018 dabei unter anderem als „Stasi-Opa“ bezeichnet.

Lesung nach Anfeindungen ausverkauft

Der Lesung aus seinem Buch „Die Tricks der Gauner und Ganoven“ mit musikalischer Unterstützung des Saxofonisten Frank Schöpke hatte der Schriftzug allerdings keinen Abbruch getan. Die Berichterstattung über den Vorfall habe der Lesung erst noch mal einen richtigen Schub gegeben, so Schirmer. Im Handumdrehen sei die Lesung ausverkauft gewesen.

Dies sei ein gutes Zeichen, so Schirmer, der aber auch selbst weiß, dass er nicht unumstritten ist. „Wer so stark wie ich in der Öffentlichkeit steht, der hat auch Neider. Das ist mir bewusst. Für mich steht aber immer die Warnung und Aufklärung vor und über Gauner, Trickdiebe und andere Verbrecher im Vordergrund“, so Schirmer.

IM-Tätigkeit für Stasi zugegeben

Er hatte bereits in den 1990er-Jahren eine IM-Tätigkeit für die Stasi eingeräumt, konnte aber bis zu seiner Pensionierung im Polizeidienst bleiben. In Bezug auf seine Lesungen sagte er: „Ich hatte eher Angst, dass vielleicht gerade ältere Besucher wegbleiben, weil sie Angst haben, dass bei meinen Lesungen irgendwie Randale sind. Aber das Gegenteil ist eingetreten. Nach der Lesung in der ,Urkesh Lounge‘ haben wir gleich noch für Anfang Mai einen zweiten Termin vereinbart, der auch schon ausverkauft ist“, so Schirmer.

In den nächsten Wochen ist Schirmer zu weiteren 32 Lesungen und Vorträgen in ganz Sachsen-Anhalt unterwegs und zuversichtlich, dass auch diese gut besucht sein werden.

Ermittlungen zu Graffito dauern an

Schirmer war zu dem Veranstaltungsort in der „Urkesh Lounge“ eher zufällig gekommen. Die Aktion initiiert hatte Horst Renters mit dem Verein „Toll – Toleranz Lernen & Leben“. Renters ist wie Schirmer einer der Gründungsväter des Vereins, der sich der besseren Integration von Migranten verschrieben hat. Renters war zufällig zu Gast in der „Urkesh Lounge“ und begeistert von der Gemütlichkeit und dem Ambiente. Mit dem Geschäftsführer Rezan Aziz war dann die Idee der Lesung geboren, die schließlich wegen der Schmiererien an der Hauswand zu besonderer Bekanntheit gelangte. Die Ermittlungen zu den Schmiereien dauern übrigens noch an.