Magdeburg l Vor wenigen Tagen wurde den Mitgliedern des Zoo-Aufsichtsrats die Verkehrsstudie zu den potenziellen Standorten für das geplante Großaquarium „Maquaria“ in Magdeburg präsentiert. Im Nachgang konnte nun auch Zoodirektor Kai Perret verraten, welche Plätze in Magdeburg dafür von den Verkehrsplanern genauer unter die Lupe genommen worden waren.

Untersucht wurden demnach der Elbauenpark, der Stadtpark, der Wissenschaftshafen, der Neustädter See sowie das Gelände der ehemaligen SED-Parteischule an der Klosterwuhne. Perret betont jedoch, dass bei der Studie – bis auf das Areal des maroden Schulgebäudes – keine konkreten Flächen in Betracht gezogen wurden. „Es ging einzig und allein darum, zu schauen, wie die erwarteten Besucherströme dort hin- und wieder wegkommen“, erklärt er.

Favorit der Studie unbekannt

Welcher der fünf untersuchten Standorte in der Studie am besten in Sachen Verkehrstauglichkeit abgeschnitten hat, bleibt vorerst unklar. Die Studie wurde bislang nur den Stadträten im Aufsichtsrat präsentiert, sagt Perret. Die Volksstimme hat sich deshalb die Gegebenheiten angeschaut:

▶Elbauenpark

Der Elbauenpark war in der Vergangenheit bereits als allgemeiner Zoo-Standort im Gespräch gewesen, als darüber diskutiert wurde, wie sich der Zoo erweitern kann. Klarer Vorteil: Infrastruktur und Parkplätze wären bereits vorhanden. Allerdings erleidet der Osten schon jetzt regelmäßig einen Verkehrsinfarkt bei Veranstaltungen in Stadion, MDCC-Arena oder eben Elbauenpark. Ein weiterer Besuchermagnet könnte die Situation noch weiter verschärfen.

▶Stadtpark

Im Stadtpark erscheint solch ein Neubau angesichts der aktuell hitzig geführten Debatte um das Wohnbauprojekt am Kleinen Stadtmarsch eher schwer umsetzbar. Zu sehr hängen die Magdeburger an ihrem Rotehornpark. Auch die Anbindung mit nur einer regulären Zufahrt könnte als Ausschlusskriterium gelten.

▶Wissenschaftshafen

Für den Wissenschaftshafen spräche das maritime Thema, zudem wäre es eine Aufwertung für das Areal in Alte Neustadt. Platz würde es wohl auch noch genug geben.

▶Ehemalige Parteischule

Die Parteischule an der schmalen Klosterwuhne erscheint auf den ersten Blick ungeeignet. Platz für Parkplätze wäre auf dem Areal aber vorhanden.

▶Neustädter See

Auch das dicht besiedelte Wohngebiet Neustädter See würde schwerlich zusätzlichen Besucherverkehr verkraften. Der ursprünglich vom Zoo favorisierte Standort an der Salvador-Allende-Straße – unmittelbar an das Zoogelände angrenzend – war aus diesem Grund bereits aus der Planung gefallen. Ausnahme: Es wären Flächen im Norden des Stadtteils im Visier, mit direkter Anbindung zur Autobahn 2.

Weitere Flächen in Magdeburg untersucht

In der Studie erwähnt, aber nicht näher untersucht wurden zudem Flächen in Alt-Salbke sowie die noch unbebaute Ostseite des Universitätsplatzes. Dessen Investor bestätigt auf Volksstimme-Anfrage, dass ihn auch niemand bezüglich des Aquariums kontaktiert habe. Dort soll mit dem Projekt Uni-Arkaden ein neuer Geschäftskomplex entstehen. Die Innenstadthändler und Tourismus-Experten hatten diesen Standort in der Vergangenheit aufgrund seiner zentralen Lage favorisiert.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Zoos Lutz Trümper erbat sich nun Zeit, um die Studie ganz genau lesen zu können. Somit wurde die Entscheidung vertagt, ob überhaupt ein Standort weiter verfolgt wird und wenn ja welcher. Auf der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende März/Anfang April 2020 soll dann über die Ergebnisse der Studie im Detail diskutiert werden. „Wir haben jede Zeit, um alles bis ins Detail zu prüfen“, sagt Kai Perret.

Der Zoo-Chef hatte vor zwei Jahren die Pläne für ein Großaquarium vorgestellt. Um die 50 Millionen Euro soll der Bau kosten, der Großteil soll aus Fördermitteln finanziert werden. Skeptiker treibt aber mehr die Sorge um die danach anfallenden Betriebskosten um. So hatte Oberbürgermeister Trümper von Anfang an erklärt, dass das Aquarium nur gebaut werde, wenn es später keine Zuschüsse aus dem städtischen Haushalt braucht. In einer Machbarkeitsstudie war deshalb das Potenzial als Besuchermagnet für die Region untersucht worden. Im Ergebnis könnte sich das Projekt wohl selbst tragen – wenn die dafür prognostizierten 400.000 Besucher pro Jahr auch tatsächlich kämen.