Blick auf den Baum

Aus der Bewertung des Baumzustandes durch die Stadtverwaltung:

Höhe: 18 Meter

Kronendurchmesser: 14 Meter Stammumfang: 3,2 Meter

Zustand: Kronenansatz ausgefault, Astanbindung nicht mehr gegeben, Fäule im Stamm bis in den Stammfuß, keine ausreichende Restwandstärke, Kronenteile könnten über Gehweg und Oberleitung ausbrechen.

Magdeburg l Die Symbolik könnte nicht besser sein. Der von der Säge bedrohte Silberahorn an der Ecke Olvenstedter Straße/Immermannstraße steht ausgerechnet vor dem „Nachdenker“. Der Name der Kneipe mit Kult(ur)charakter könnte so etwas wie eine Aufforderung sein, und zwar an den Stadtgartenbetrieb. Der hat eine Fällung des Baumes verfügt, über die – so fordern es jedenfalls die Stadtfelder – besser noch mal „nachgedacht“ werden sollte.

Verein fordert externe Prüfung der Argumente

Der gewaltige 120 Jahre alte Baum ist aus Sicht der Stadtfelder weitaus mehr als eine grüne Straßenbegleitung. „Ich sehe da auch Denkmalschutzgründe. Ein Silberahorn wie dieser ist ja einst bewusst an die Straßenecken gepflanzt worden, hier am Eingang zur denkmalgeschützten Immermannstraße“, sagt beispielsweise Jürgen Canehl. Der ehemalige Vorsitzende der GWA Stadtfeld und aktuelle Vizechef des Stadtfelder Bürgervereins und Grünen-Stadtrat steht an der Spitze derjenigen, die den Baum gern erhalten möchten und die Argumente des Stadtgartenbetriebes nicht ungeprüft gelten lassen möchten.

Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra hatte jedenfalls ausgeführt, dass der alte Silberahorn aufgrund seiner „Schadsymptome bereits seit einigen Jahren unter Beobachtung steht“ und regelmäßigen Kontrollen unterzogen worden sei. Dabei sei der Baum schon vor Jahren stark zurückgeschnitten worden, um seine Lebensdauer zu verlängern. Nun sei aber ein Zustand erreicht, der eine Fällung verlange, so Kinszorra. Bei der Begutachtung habe man festgestellt, dass starke Äste oder gar ganze Kronenteile ausbrechen könnten. Zudem sei der Baum von dem Pilz Wulstiger Lackporling befallen. Der Schädling verursache die sogenannte Weißfäule, die wiederum die Bruch- und Standsicherheit mindere. Der Baum stelle deshalb eine Gefahr dar und müsse umgehend entfernt werden.

Wenig Zeit für eine Rettung

Wann genau es so weit ist, konnte gestern nicht in Erfahrung gebracht werden. Erfahrungsgemäß vergeht zwischen der Einschätzung und dem Ansetzen der Säge nicht mehr viel Zeit.

Diese Fällentscheidung will Stadtrat Canehl nun anfechten. Nach seinen Angaben habe es zum Zustand des Baumes nur eine fachliche Einschätzung eines Mitarbeiters des Stadtgartenbetriebes gegeben. „Wir fordern vor einer Fällung ein unabhängiges Gutachten eines externen Sachverständigen“, sagte er. Zu viele Bäume seien in Stadtfeld und anderswo schon unter oft nicht nachvollziehbaren Gründen gefällt worden. Dies müsse im Fall des Silberahorns von der Immermannstraße verhindert werden.

Nachpflanzung soll geprüft werden

Zudem forderte er für den Fall einer Fällung eine Nachpflanzung an derselben Stelle. Die Stadt hat das zumindest nicht ausgeschlossen. In der Antwort auf Volksstimme-Fragen hatte Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra auch geschrieben: „In Abstimmung mit den Leitungsträgern und Ämtern der Stadt prüft der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg eine Neubepflanzung des Baumstandortes, um diese eventuell im kommenden Herbst zu realisieren.“

Vorerst aber steht der Baum noch. Bis gestern Abend war die Säge noch nicht angesetzt worden. Allerdings fallen farbige Markierungen an der Rinde auf, die von der Baumbegutachtung stammen dürften. So waren die Stadtfelder auch auf die Gefahr für den Baum aufmerksam geworden und zum „Nachdenken“ angeregt worden.