Magdeburg l Zu viel Feinstaub, zu viel Müll, zu viele Verletzte: Geht es nach der Deutschen Umwelthilfe, dürften schon beim nächsten Jahreswechsel 2019/20 in Magdeburg kein Feuerwerk oder Knaller gezündet werden. Einen entsprechenden Antrag hat der Verein Anfang dieser Woche an die Stadt Magdeburg geschickt.

Die wiederum scheint dieser Aufforderung nicht eigenständig nachkommen zu wollen, spielt vielmehr den Ball zurück und will die Organisation „bitten, sich diesbezüglich an das Land Sachsen-Anhalt zu wenden und ihre Anregungen dort vorzutragen“, teilte Rathaus-Sprecherin Kerstin Kinszorra mit. Dort werde zwar bereits über ein Verbot von Feuerwerk im Rahmen eines Luftreinhalteplans diskutiert, beschlossene Sache ist dies aber längst nicht. Ohnehin müssten vorher die Kommunen angehört werden, sonst wäre eine Änderung gar nicht möglich, so die Sprecherin. Sobald das Land dennoch ein Feuerwerksverbot aussprechen sollte, „werden wir uns natürlich daran halten“, sagte Kinszorra.

Magdeburg überschreitet WHO-Wert

Die Umwelthilfe hat insgesamt 98 deutsche Städte aufgefordert, auf Böller zu verzichten. All diese Städte hätten einen Feinstaub-Jahresmittelwert von 20 µg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) überschritten. Diesen Wert setzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Grenze. In Magdeburg war der Wert laut dem Landesamt für Umweltschutz im Jahr 2018 mit 24 µg/m3 an der Messstation am Schleinufer am höchsten.

Rechtlich bindend ist jedoch nicht der Grenzwert der WHO, sondern der der EU. Und dieser liegt bei 40 µg/m3 für den Jahresdurchschnitt. Magdeburg ist davon weit entfernt.

Weniger Feinstaub in Magdeburg

Insgesamt verzeichnet die Stadt Magdeburg seit Einführung der Umweltzone „eine leichte Verbesserung der lufthygienischen Situation“, so Kinszorra. Zudem sei man weiterhin bestrebt, durch Förderung des Öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs einerseits, aber auch durch die Unterstützung der E-Mobilität die Situation weiter zu verbessern.

Silvester in Magdeburg in Zahlen

  • Private Feuerwerke belasten auch die Stadtkasse von Magdeburg. Für die Reinigung der Innenstadt am Neujahrstag 2019 waren für den Städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb 19 Mitarbeiter mit Fahrzeugen im Einsatz. Die Abfallmenge betrug sechs Tonnen. Die Entsorgung der Feuerwerksreste kostete 8000 Euro.
  • Die Feinstaubbelastung war am Neujahrstag im Vergleich zum Jahresmittelwert leicht erhöht. Folgende Werte in µg/m3
    wurden Neujahr gemessen (1 Uhr/2 Uhr/3 Uhr):
    +Otto-von-Guericke-Str.: 27/28/29
    +Hans-Löscher-Straße: 38/40/41
    +Schleinufer: 35/37/38
  • Der Feinstaub-Tagesmittelwert von 50 µg/m³ darf pro Jahr nicht öfter als 35 Mal überschritten werden. 2019 wurde der Wert an der Otto-von-Guericke-Straße bis zum 23. Oktober 6 Mal, in der Hans-Löscher-Straße 3 Mal und am Schleinufer 4 Mal überschritten.