Magdeburg l Das Ergebnis ist ernüchternd: Magdeburger Unternehmen scheinen so gut wie kein Interesse an einem müllreduzierenden Pfand- bzw. Mehrwegbechersystem zu haben. So könnte zumindest die verschwindend geringe Resonanz auf eine Umfrage der Stadtverwaltung unter Magdeburger Firmen gedeutet werden. Lediglich zehn Prozent der angeschriebenen 170 Unternehmen haben an der Umfrage teilgenommen.

Angeschrieben wurden vor allem Bäckereiketten, Bäckerfachbetriebe (Familienunternehmen), Tankstellen und Cafés/ Gastronomiebetriebe. Ebenjene Unternehmen, bei denen täglich eine Vielzahl sogenannter To-go-Becher über die Theke geht. Aber auch andere Unternehmen konnten sich nach einem öffentlichen Aufruf an der Umfrage beteiligen.

2,8 Milliarden Pappbecher pro Jahr

Bereits im Juli 2017 ist das Thema auf Initiative der Grünen im Stadtrat Magdeburg diskutiert worden. Im Zuge eines zunehmenden Umweltbewusstseins beim Verbraucher sollte nun das Interesse an Alternativen zum Einwegbecher beim Anbieter erfragt werden. Rabattsysteme und Mehrwegbecher mit Pfandsystem wurden angeführt. Schließlich landen nach Schätzungen der Deutschen Umwelthilfe stündlich rund 320.000 Einwegbecher bundesweit im Müll. Im Jahr sind das etwa 2,8 Milliarden Papp- und Plastikbecher – ein Umwelt- und Müllproblem, mit dem sich auch der Magdeburger Abfallwirtschaftsbetrieb konfrontiert sieht.

Doch dass die Beteiligung an der Umfrage so gering ausfallen würde, damit hätte das städtische Unternehmen nicht gerechnet. Von den Angaben der 17 teilnehmenden Unternehmen ließ sich letztlich keine Mehrheit für eine bestimmte Verfahrensweise ableiten, teilt Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra auf Volksstimme-Nachfrage mit.

Daten werden Stadtrat vorgestellt

Das Amt für Statistik, Wahlen und demografische Stadtentwicklung habe die anonyme Auswertung der Daten vorgenommen und die Ergebnisse dem Abfallwirtschaftsbetrieb zur Verfügung gestellt. Die Daten werden nun hinsichtlich der Fragestellung Rabattsystem oder Mehrwegbecherpfandsystem in der Landeshauptstadt Magdeburg nochmals ausgewertet und dem Stadtrat vorgestellt, erklärt Kerstin Kinszorra die weitere Vorgehensweise.

Bereits seit Mitte 2017 beschäftigt sich die Stadt Magdeburg mit Einwegbecher-Alternativen. In Anlehnung an den Freiburg-Cup war gar geplant, einen Magdeburg-Becher einzuführen. Das sollte bis November 2018 passieren.

Freiburg in Breisgau ist Vorbild

Konkret plante der Städtische Abfallwirtschaftsbetrieb die Einführung eines Pfandsystems nach dem Vorbild von Freiburg im Breisgau. Dort schenken Bäckereifilialen und andere Geschäfte Mitnehmgetränke seit November 2016 im sogenannten „Freiburg-Cup“, zu Deutsch in der Freiburg-Tasse, aus.

Der Kunde zahlt einen Euro Pfand und kann den Becher in jedem Geschäft, das bei dem System mitmacht, abgeben und neu befüllen lassen. Viele Geschäfte bieten den Kaffee im Mehrwegbecher zudem preiswerter als im Einweggeschirr an. Städte wie Mannheim und Esslingen haben mit einem eigenen „Stadtbecher“ nach Freiburger Vorbild längst nachgezogen.

Kontroverse Diskussion in Magdeburg

In Magdeburg gab es in den vergangenen zwei Jahren hierzu Gespräche mit mehreren Interessengruppen. Die Umsetzung eines Mehrwegbecherpfandsystems und damit eines Magdeburg-Bechers wurde dabei kontrovers diskutiert, darunter auch das Material des Bechers. „Bei den Gesprächen mussten wir leider feststellen, dass zum damaligen Zeitpunkt kaum Interesse an einem Mehrwegbecherpfandsystem innerhalb der Stadt unter den unterschiedlichen Coffee-to-go-Anbietern bestand“, erklärt Stadtsprecher Michael Reif.

Letztlich sei die Umsetzung aber nur im Zusammenwirken aller Beteiligten möglich, also sowohl vom Verbraucher als auch von den Anbietern wie Cafés oder Bäckereifachgeschäfte.