Magdeburg l Der Leerstand im Ladenlokal, Breiter Weg 31, hat vorerst ein Ende: Am Sonnabend eröffnete direkt am Katharinenturm ein Ladenlokal der etwas anderen Art. Es gibt nichts zu kaufen, der Eintritt ist frei. Das Projekt heißt „urst urban“. „Ausgangspunkt des Projekts ‚urst urban‘ war es, einen öffentlichen Raum in der Innenstadt zu schaffen, in dem sich jeder einfach aufhalten kann, ohne etwas kaufen zu müssen“, erzählt Initiatorin Miriam Neßler. Der Raum soll ein Begegnungsort von Menschen jedes Alters, unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Interessen werden. „Hier kann man sich einfach so aufhalten, die verschiedenen Angebote nutzen oder sogar selbst kreative Projekte auf die Beine stellen“, so die 22-Jährige. Es gibt gemütliche Sofas, Tische und Wlan.

„Wir wollen ganz unterschiedlichen Gruppen und Menschen Raum für ihre Kreativität geben“, sagt Miriam Neßler. Und das Interesse ist groß. Über 50 Programmpunkte sind bis Ende März geplant. „Unser Programm ist innerhalb weniger Wochen super bunt geworden, so dass mittlerweile für jeden Tag außer Montag, der extra als ‚Freiraummontag‘ frei und flexibel bleibt, mindestens eine Aktion, meistens sogar zwei oder mehr angeboten werden“, erzählt die junge Frau. Diese Veranstaltungen sind mal künstlerisch, mal sozial, kulturell, forschend oder alltäglich. „Fast an jedem Tag werden die Räumlichkeiten auf die vielfältigste Weise bespielt. Es wird unter anderem Konzerte, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen geben“, erklärt Miriam Neßler. Alles wird ehrenamtlich von Einzelpersonen wie Künstlern, Studierenden, Initiativen, Vereinen und Institutionen organisiert.

Die Volkshochschule bietet z. B. eine Schreibstube und Lernwerkstatt an. Studentin Johanna Geißler will am Mittwoch, 2. März, mit den Besuchern, ob Anfänger oder Profi, stricken, nähen und häkeln. Der Verein Interessengemeinschaft Altes Magdeburg plant Ende März eine Ausstellung und Vorträge über das alte Magdeburg, wie Vereinsmitglied Marlies Kühne bei der Ladeneröffnung erzählte.

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Während eines Auslandaufenthaltes ist Miriam Neßler auf die Idee gekommen. „Bevor Leerstand zum Missstand wird, kann ein kultureller Freiraum zum Raum der Möglichkeiten vieler werden“, so Miriam Neßler, die in Hamburg „Kultur der Metropolen“ studiert und sich daher schon länger mit der Thematik beschäftigt.

Im vergangenen Jahr nahm die Studentin das erste Mal Kontakt zur Wobau auf und stieß mit ihrer Idee auf offene Ohren. „Ich bin immer noch überwältigt, wie positiv das Projekt aufgenommen wurde und wie viele sich sofort beteiligen wollten“, so Neßler. Sie hofft, dass das Projekt Nachahmer findet und keine Eintagsfliege in Magdeburg bleibt. Ein bisschen sei „urst urban“ auch ein Experiment mit noch ungewissem Ausgang. Die Wortschöpfung „urst urban“ stammt übrigens nicht aus den großen Metropolen der Welt. So sprechen die Machteburjer. „Urst“ bedeutet soviel wie „sehr“.

Der Laden wird mietfrei von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobau zur Verfügung gestellt. Gefördert wird das Projekt über das Programm „DurchStarten“ der Stadtsparkasse und der Freiwilligenagentur sowie von der GWA Altstadt. Sponsor sind die Städtischen Werke Magdeburg.

Weitere Infos unter www.ursturban.jimdo.com