Magdeburg l Wie soll es in der Kulturbranche weitergehen? Der Geschäftsführer des Ticketgiganten Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, hat sich dazu geäußert. Er schlug vor, dass privatwirtschaftlichen Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt werden sollte, eine Impfung zur Zugangsvoraussetzung für Veranstaltungen zu machen. Dies unter der Voraussetzung, dass genug Impfstoff verfügbar sei und jeder sich impfen lassen könne. Auch Kulturtreibende in Magdeburg haben dazu Stellung bezogen.

Im Theater Magdeburg wurde die Diskussion registriert. Allerdings sei das Theater als städtischer Eigenbetrieb an die Gesetze von Land und Kommune gebunden, berichtet Pressesprecherin Christine Villinger. Deshalb könnten solche Vorschläge nicht vom Theater umgesetzt werden, egal, ob man sie gutheißt oder nicht. Deshalb könne man zu diesem Zeitpunkt noch nichts zu dem Thema sagen. „Wir warten erst einmal ab, wie sich die Pandemie-Situation entwickelt."

Zudem werde die Diskussion noch lange weitergehen, prognostizierte Generalintendantin Karen Stone. „Da wird es Graustufen geben, ich denke da zum Beispiel an Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können oder dürfen“, so Stone. Derweil hoffe und wünsche sie sich aber, dass sich die größtmögliche Menge Menschen impfen lässt. „In einem Jahr können wir über eventuelle neue Regeln für Veranstaltungsbesuche reden, vorher ist das alles spekulativ“, so Christine Villinger.

MVGM-Chef hält Diskussion für verfrüht

Steffen Schüller, Geschäftsführer der Magdeburger Veranstaltungsgesellschaft MVGM, hält eine Diskussion über diesen Vorstoß ebenfalls für verfrüht. „Das ist doch derzeit unsinnig. Es muss doch erstmal das Impfangebot für alle Menschen geschaffen werden“, so Schüller. Erst dann und wenn absehbar ist, wie sich die Pandemie nach den Impfungen entwickelt, sei eine solche Debatte denkbar. „Wir wissen doch noch gar nicht, wie die Impfungen die Situation beeinflussen.“

Außerdem müsse abgewartet werden, wie viele Menschen sich tatsächlich einer Impfung verweigern. Nach Schüllers Ansicht werden das vermutlich weit weniger sein, als bislang erwartet. Er plädiert ebenfalls dafür, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen sollten, nur so hätte man überhaupt die Hoffnung auf eine Besserung. Die gleiche Ansicht vertritt Nadja Gröschner. Die Geschäftsführerin der Sudenburger „Feuerwache“ sagt: „Solange noch kein Impfstoff für alle ausreichend vorhanden ist, ist es auch noch zu früh, eine ernsthafte Diskussion zu diesem Thema zu führen."

Lars Johansen vom Kulturzentrum Moritzhof hält die Aussage des Eventim-Chefs für einen „klugen PR-Stunt“. Damit sei man wieder im Gespräch. Er halte es aber für problematisch, dass sich ein Privatunternehmen in hoheitliche Aufgaben des Staates einmischt. „Diese Vorgaben müssen von staatlicher Seite entschieden werden“, so Johansen. Zudem sei es bei der derzeitigen Impfreihenfolge unfair den Jüngeren gegenüber, sollten Kulturveranstaltungen für bereits geimpfte Menschen wieder zugänglich gemacht werden. Johansen hält verpflichtende Schnelltests vor Veranstaltungen für eine sinnvollere Lösung.

Spaltung und Ausgrenzung vorprogrammiert

Ulrike Löhr, Geschäftsführerin des Kabaretts Zwickmühle, sieht die Äußerungen vom Eventim-Chef sehr kritisch. „Ich sehe eine weitere Spaltung unserer Gesellschaft, Ausgrenzungen vorprogrammiert“, so Löhr. Sie würde deshalb gerne auf „diese sogenannte rechtliche Freiheit als privater Veranstalter“ verzichten. Zudem habe sie Angst, eine Erweiterung dieser Regelung auf andere Bereiche wie Einzelhandel oder ÖPNV weiterzudenken. Die Folge wäre in ihren Augen eine Impfpflicht durch die Hintertür.

Zudem sei dieser Gedanke zu diesem Zeitpunkt eine „wunderbare Blendrakete“, um von den politischen Themen abzulenken, die jetzt zur Entscheidung anstehen. Löhr weiter: „Ein Abwälzen auf die Privatwirtschaft dieses ethisch brisanten Themas, wie gesellschaftliches Leben nach und mit Corona wieder möglich wird, wäre schäbig.“

Eine satirische Aufarbeitung dieses Themas werde ganz sicher in der Online-Kolumne der Zwickmühle folgen, so Löhr. Die sich der Meinung ihrer Kollegen anschließt und das Szenario zu diesem Zeitpunkt für indiskutabel hält, da es nur Zwietracht sät, solange nicht jedem eine Impfung zur Verfügung steht.