Magdeburg l Zwar ist auch die testweise Umwandlung des Südabschnitts des Breiten Wegs zwischen Allee-Center und Ulrichshaus in eine Fußgängerzone auf Zeit nach einem entsprechenden Stadtratsbeschluss wieder vom Tisch. Trotzdem wollte die Volksstimme von ihren Leserinnen und Lesern wissen: Hielten Sie dies für sinnvoll?

Bei der nicht repräsentativen und unverbindlichen Umfrage konnte via Telefon und via Internet abgestimmt werden. Das Ergebnis ist widersprüchlich. Per Telefon sprachen sich 47 Anrufer gegen und 27 für eine Sperrung des Bereichs aus. Vier Anrufer meinten, dass ihnen das egal sei. Online gab es ein anderes Bild: Hier gab es 1126 Stimmen für eine Sperrung und 383 dagegen. 21 Stimmen gab es für: „Das ist mir egal.“

Alte Fassaden und Biomarkt

Derweil ist die Diskussion über www.facebook.com/Volksstimme.MD auch über das Wochenende weitergelaufen. So schrieb Facebooknutzerin Lena Torma: „Raus mit den Autos, dafür mehr Bäume und einige Altstadt-Fassaden. Mit der Familie fahre ich auch lieber in richtige Altstädte statt ins Zentrum von Magdeburg.“ Karin Weim meinte: „Autos dort wegzunehmen, ist ein guter Anfang. Trotzdem braucht es dort mehr Altstadtgefühl mit schönen Plätzen und wieder errichteten Häusern, damit man sich im Zentrum wohlfühlt.“ Etliche Städte wie Münster, Rothenburg, Dresden und Potsdam hätten mit Erfolg ihren historischen Kern wieder richtig aufgebaut.

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Konkrete Ideen hat derweil Anke Kilali, die schreibt: „Wie wäre es mit einer grünen, lebendigen Marktfläche. Biomarkt. Mit Musik, Tanz und Leckereien. Das wäre mal nachhaltig in guter Atmosphäre, die auch junge Leute anzieht.“ Das Leben und das Kaufen unverpackter Waren direkt beim Händler mache die City attraktiv. „Das bringt nicht nur ein einmaliges Flair in die Stadt, sondern wäre zukunftsweisend und klimafreundlich! Was hier in Stadtfeld geht, funktioniert auch in der Innenstadt“, so ihre Einschätzung.

Kritik an Autokritikern

Aber es gab auch kritische Stimmen. Bernd Netzband kann der Idee so nicht viel abgewinnen und schreibt kurz und knapp: „In Magdeburg gibt es Wichtigeres!“ Matthias Gehrmann hatte sich am Volksstimme-Telefon gemeldet und gesagt: „Ich halte von einer Sperrung dieses Bereichs im Breiten Weg nichts. Was ich in Magdeburg vermisse, ist ein faires Miteinander der verschiedenen Verkehrsarten. Stattdessen wird das Auto immer nur verteufelt. Doch wer soll denn in die Innenstadt zu einem Großeinkauf kommen, wenn man hier mit dem Auto nicht willkommen ist.“ Stattdessen böte der Nordabschnitt des Breiten Wegs genügend Potenzial. Beispielsweise, indem die Springbrunnen mit begrünten Bändern verbunden werden, in dem attraktivere Sitzgelegenheiten geschaffen würden, wo man „nicht immer gleich etwas kaufen müsse“.

In den 1990er Jahren hatte es eine Debatte um das Thema bereits gegeben. Durchgesetzt haben sich jene, die den Breiten Weg für die Autos offen halten wollten. Für eine Schließung für den motorisierten Individualverkehr hatte sich damals der Stadtplanungsamtsleiter Eckhart W. Peters ausgesprochen. Er verweist u. a. auf die „Verkehrskonzeption Innenstadt“, die als Heft 64 der Weißen Reihe herausgegeben wurde.

Bis heute hält der frühere Stadtplanungsamtsleiter die Schließung der Straße für sinnvoll: „Wer aus dem Breiten Weg kommt, kann alle Ziele wie die Parkhäuser besser über das Schleinufer oder über die Otto-von-Guericke-Straße erreichen.“ Seinerzeit hatte er auch vorgeschlagen, die Parkhäuser der Einkaufszentren unterirdisch zu verbinden, dafür lieber den Durchgang zwischen Ulrichshaus und Allee-Center zu überdachen. „Dies wäre eine Möglichkeit gewesen, um einen verkehrsberuhigten Raum für die Menschen zu schaffen.“

Übrigens: Auch am Hasselbachplatz hätte es den alten Vorschlägen zufolge mehr verkehrsberuhigte Stellen gegeben.