Magdeburg l „Um meine Tochter am Schrotebogen besuchen zu können, muss ich nun eine halbe Weltreise unternehmen“, sagt Christin Dräger. Sie lebt im Buckauer Engpass in Magdeburg und muss nun der Umleitungsstrecke über den Schanzenweg folgen, um die Innenstadt anzusteuern.

Auch bei Gert Müller ist das Unverständnis groß. „Wir Bewohner sind die Leidtragenden, weil einige Autofahrer nicht der Umleitungsstrecke folgen“, sagt er kopfschüttelnd. Unter den knapp 40 Personen, die sich am Montagabend zur Demonstration eingefunden haben, ist auch Marina Herthel. Sie verweist darauf, dass „sich die Verkehrssituation in den vergangenen Tagen deutlich entspannt hat. Warum also am Mauerbau festhalten?“

Mauerbau gegen Schleichverkehr

Am 21. März 2019 hatte die Stadtverwaltung Magdeburg angekündigt, in Anbetracht des seit der Sperrung eines Teilabschnitts in der Schönebecker Straße zu beobachtenden Schleichverkehrs im Buckauer Wohngebiet die Coquistraße zu Wochenbeginn in Höhe der ehemaligen Sporthalle Buckau zu sperren. Dieses Vorhaben wurdenun auf den Dienstag verschoben. „Hintergrund für die Verzögerung sind etliche Hinweise, Ideen und Vorschläge von Anwohnern und Gewerbetreibenden in dem Gebiet, die das Tiefbauamt am Wochenende erreicht haben“, klärt Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra auf Nachfrage der Volksstimme auf.

Diese Hinweise sind am Montagnachmittag innerhalb der Sperrkommission, der u. a. die Straßenverkehrsbehörde und die Polizei angehören, besprochen worden. Anschließend sollten die E-Mails persönlich von Mitarbeitern des Tiefbauamtes beantwortet werden. Aber: An dem Vorhaben der Stadt, den Schleichverkehr durch das Buckauer Wohngebiet nördlich der Schönebecker Straße mit Hilfe einer Betonleitwand in der Coquistraße zu unterbinden, wird weiter festgehalten.

Mauer teilt Wohngebiet in Magdeburg

Die Betonleitwand in Höhe der ehemaligen Sporthalle teilt die Coquistraße und damit das Wohngebiet im Bereich Porsestraße und das Umfeld der Karl-Schmidt-Straße in zwei Bereiche. Sie wird aus Richtung Karl-Schmidt-Straße sowie von der Porsestraße aus kommend jeweils zu einer Sackgasse. Die Zufahrt zur Basedowstraße, Klosterbergestraße und zum Westabschnitt der Coquistraße ist weiter über die Porsestraße möglich.

Alle anderen Straßen rund um die Karl-Schmidt-Straße werden ausschließlich über die Budenbergstraße sowie die Thiemstraße und deren Parallelstraßen zu erreichen sein. Auf der anderen Seite müssen Bewohner aus diesem Bereich die Umleitungsstrecke über den Schanzenweg und die Salbker Straße nutzen, um sich mit ihren Fahrzeugen in Richtung Stadtmitte zu bewegen.

Keine Sonderregelung für Rettungskräfte

In der Kritik steht auch die Regelung für Rettungskräfte, für die keine Ausnahmen gemacht werden. „Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und Rettungsdienste in Magdeburg stellen sich auf die Sperrung ein“, hieß es von der Verwaltung. Konkret: Die Hausnummern 4 bis 16 der Coquistraße sind dabei für Einsatzfahrzeuge über die Porsestraße mit Zufahrt von der Schönebecker Straße, die Hausnummern 1, 3, 17, 18, 18a und 19 über die Budenbergstraße zu erreichen.

Seit dem 16. März ist die Schönebecker Straße im Abschnitt zwischen Thiemstraße und Porsestraße in Fahrtrichtung stadteinwärts bis zum Jahresende 2019 gesperrt und eine Umleitung für Fahrzeuge mit einer Höhe über 3,90 Meter in Salbke über die Faulmannstraße und für jene mit einer Höhe bis 3,90 Meter über den Schanzenweg eingerichtet. Fahrer, die sich mit ihren Fahrzeugen abseits dieser Strecken in Richtung Innenstadt über das Buckauer Wohngebiet bewegten, waren Auslöser, dass die Stadt diese Maßnahme ergreift.

Im Zuge des 7. Bauabschnitts des Großprojektes 2. Nord-Süd-Verbindung der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) wird in der Schönebecker und in der Warschauer Straße das Straßenbahnnetz ausgebaut. Auf 500 Metern wird die bestehende Strecke saniert und in der Warschauer Straße eine neue Verbindung gebaut. Aktuell wird in der Schönebecker Straße ein Gleis zurückgebaut, damit die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) mit den Bauarbeiten für einen Abwasserkanal beginnen können.