Magdeburg l Fragt man viele Radfahrer, ist der erhoffte Effekt ohnehin kaum zu spüren, den die Ausweisung der Goethestraße in Magdeburg als Fahrradstraße haben sollte. Doch eine offizielle Auswertung zum Nutzen der Neuordnung der Verkehrsregeln in der Straße gibt es bislang nicht. Dabei sollte die Testphase für das Pilotprojekt eigentlich nur bis Ende 2020 laufen und dann geschaut werden, wie die „Vorfahrt für Radfahrer“ bei den Stadtfeldern angekommen ist.

Doch das kann fürs Erste nicht geschehen, wie Stadtsprecher Michael Reif nun auf eine Volksstimme-Anfrage erklärt. „Die Erprobungsphase wurde bis zum 31. Dezember 2021 verlängert“, sagt er und führt fehlende Untersuchungsdaten für eine aussagekräftige Auswertung als Ursache dafür an. Schuld daran sei wie bei so vielem im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie. „Aufgrund der außergewöhnlichen Situation gab es im Frühjahr keine Verkehrszählungen“, erläutert er. Diese seien nicht nur in der Fahrradstraße Goethestraße, sondern im gesamten Stadtgebiet ausgefallen.

Die Zählungen im Herbst hätten „aufgrund von Bauarbeiten und Umleitungsstrecken im Bereich der Goethestraße“ ebenfalls nicht durchgeführt werden können. „Repräsentative Erhebungen waren 2020 damit nicht möglich“, verdeutlicht Michael Reif. Daher wurde der Probelauf um zwölf Monate erweitert.

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Im Rahmen des Pilotprojekts sollen das Verkehrsverhalten und die Verkehrsabläufe sowie das eventuelle Unfallgeschehen untersucht werden. Dazu gehörten unter anderem die besagten Verkehrserhebungen, Geschwindigkeitsmessungen sowie die Auswertung der Unfallstatistik, erläutert der Stadtsprecher weiter. Anhand dieser sollen unter anderem Kritikpunkte, Forderungen und Hinweise bewertet und überprüft werden. „Ziel ist die dauerhafte Kennzeichnung als Fahrradstraße“, betont Michael Reif.

Weitere Fahrradstraßen erwünscht

Für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Magdeburg ist die Verlängerung der Testphase um ein ganzes Jahr eher ärgerlich. Verzögere sie doch die Einführung möglicher weiterer Fahrradstraßen im Stadtgebiet, wie sich der Vorsitzende Norman Dreimann sicher ist. Aktuell gibt es bereits Bestrebungen, die Babelsberger Straße und Potsdamer Straße in Cracau entsprechend auszuweisen.

Die Goethestraße war im September 2019 offiziell als Fahrradstraße ausgeschildert worden. Zwischen Olvenstedter Straße und Europaring haben die Radfahrer seitdem Vorrang – in der Theorie zumindest. In der Praxis funktioniert das oft nicht optimal, weil die Straße weiterhin von Autos befahren und in beiden Richtungen beidseitig beparkt werden darf. Dass der Autoverkehr weiter das Straßengeschehen dominiert, war auch im vergangenen September bei einem Bürgerdialog zur Fahrradstraße von den Anwesenden kritisiert worden. Offiziell darf sie zwar nur von Anliegern genutzt werden, praktisch kontrolliert wird das jedoch nicht. Zudem wird die Rechts-vor-Links-Vorfahrtsregel bemängelt, durch die das Befahren erschwert wird.

Die Initiative Radkultur Magdeburg hat zur besseren Kennzeichnung der Fahrradstraße vorgeschlagen, die Kreuzungsbereiche mit blauer Farbe zu markieren, damit auch der letzte Autofahrer merkt, dass dort etwas anders ist als auf allen anderen Straßen. In der Fahrradstraße haben sie sich den Radfahrern unterzuordnen und sich ihrer Geschwindigkeit anzupassen. Das Überholen ist nur mit ausreichend Abstand möglich. Der ist in der Goethestraße wegen der parkenden Autos eigentlich nirgendwo vorhanden. Was manche Autofahrer aber trotzdem nicht davon abhält, es zu versuchen.