Magdeburg l Keine leichten Zeiten für die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB). Während das Unternehmen noch mit Schäden aus der Hochwasserkatastrophe 2013 kämpft, muss seine Flotte bei veränderten Fahrplänen noch jahrelang Großbaustellen umkurven und zudem mit schrumpfenden Förderungen auskömmlich wirtschaften.

Rein faktisch – auf Basis der Zahlen im Jahresabschluss – ist dem Unternehmen dies im Jahr 2015 gelungen. Die Bilanz weist einen Jahresüberschuss in Höhe von knapp 486 000 Euro aus. Der Stadtrat ließ das Papier in der vergangenen Woche ohne Debatte einstimmig passieren. Allerdings weist der Abschlussbericht gleich an mehreren Stellen auch auf einen Umstand hin, der Nutzern von Bussen und Bahnen in Magdeburg längst nicht mehr verborgen bleibt. Instandhaltungsstau, zeitweiser Personalmangel und das rege Baugeschehen auf den Stadtstraßen führten und führen mindestens zeitweise zu Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit des Nahverkehrs in Magdeburg. Die Pünktlichkeit von Bus und Bahn lässt zu Wünschen übrig.

Zahlreiche Verspätungen

Die Statistik beinhaltet dabei nicht einmal ausgefallene Bahnen, sondern nur jene, deren Ankunft/Abfahrt sich um zwei Minuten verfrüht oder verspätet hat. Die Erhebung ergab: Anno 2015 fuhren fast 20 Prozent aller Bahnen und deutlich mehr als 20 Prozent aller Busse unpünktlich. MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel begründet das im Lagebericht des Unternehmens so: „Durch zahlreiche Baumaßnahmen kam es zu Verspätungen, da veränderte Linienführungen, Sperrungen und weitere Umleitungen zu berücksichtigen waren.“

Die größten Einschränkungen ziehen bis heute der Tunnelbau am Damaschkeplatz und der 2. Bauabschnitt der 2. Nord-Süd-Verbindung für die Straßenbahn an der Wiener Straße nach sich. Anders als mancher MVB-Nutzer urteilt die Geschäftsführerin zumindest für den Fahrbetrieb 2015: „Trotz einiger verkehrlicher Schwierigkeiten zum Ende des Geschäftsjahres kann die Leistung der MVB in Gänze als zuverlässig, sicher und stabil bewertet werden.“ Dies spiegele sich auch in der Steigerung der Fahrgastzahlen von 42,7 Millionen (2014) auf 44,1 Millionen (2015) wieder.

Angespannte Finanzlage

Mit Blick auf die in diesem und in den kommenden Jahren anstehenden Großinvestitionen (2. Nord-Süd-Verbindung, Beseitigung Hochwasserschäden, Kauf neuer Niederflur-Gelenkbusse, neue Straßenbahntrasse am Damaschkeplatz) verweist die MVB-Geschäftsführung drauf, dass ein gesicherter Nahverkehr auch künftig dringlich auf hohe Zuwendungen aus öffentlicher Hand abhängig ist. Einschränkungen bei der Gewährung von Fördermitteln hätten Einfluss auf die Realisierung auch bereits laufender Investitions­projekte. Die Liberalisierung im ÖPNV, sinkende Zuschusszahlungen und die angespannte Finanzlage bei der Stadt stellten Risiken mit „wesentlichem Einfluss“ auf die Lage des Unternehmens dar.