Magdeburg l Vergangenen Freitag kam ihr die Idee dazu, am Sonntagmorgen um 6 Uhr öffnete Juliane Pohl ihren Tante-Emma-Laden in der ehemaligen Kaufhalle in Beyendorf-Sohlen schon zum ersten Mal. Not macht eben erfinderisch, wie es so schön heißt. Und in Zeiten von Corona ist die bei vielen Selbstständigen groß.

Dabei kann Juliane Pohl ihren Partyservice eigentlich ganz offiziell weiterführen. Denn Essenlieferdienste sind ausdrücklich von den aktuellen Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus ausgenommen. Allerdings ist das Feiern von Partys wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr erlaubt.

Bestellungen fallen weg

Dadurch sind ihren Angaben nach so gut wie alle Buffet-Bestellungen weggefallen. „Wir haben einen Rückgang von über 90 Prozent“, sagt sie. Auch die Beyendorfer Kaufhalle, die die Firma 2015 gekauft und zum Partyraum umgebaut hatte, will derzeit natürlich niemand mieten.

Weil sie aber nicht nur zu Hause sitzen wollte, überlegte sich Juliane Pohl, der Kaufhalle wieder ihre alte Bestimmung zu geben. Dinge des täglichen Bedarfs wie Brötchen, Milch, Kartoffeln, Getränke, Seife gibt es dort ab sofort jeden Morgen. „Und wir haben auch Toilettenpapier“, sagt sie mit Augenzwinkern. Selbst handgenähter Mundschutz ist im Angebot. „Für die Sparbüchse meiner Zwillinge“, sagt sie.

Erfahrung im Tante-Emma-Geschäft hat Juliane Pohl ohnehin schon. Bis vor 13 Jahren betrieb der Partyservice einen solchen Laden in der Fichtestraße. Seit 1990 gibt es das Unternehmen. In diesem Jahr sollte demnach eigentlich das 30-jährige Bestehen mit einem großen Fest im Sommer gefeiert werden. Daraus wird nun aber wohl nichts werden. „Dann feiern wir eben einfach im nächsten Jahr 30a“, sagt Juliane Pohl optimistisch.

Im Gespräch bleiben

Um gerade auch den älteren Bewohnern von Beyendorf-Sohlen eine Hilfe zu geben, bietet sie zudem einen Einkaufsservice an. „Die Leute können morgens ihren Einkaufszettel bei uns abgeben, am Nachmittag liefern wir dann die Bestellung vor die Haustür“, sagt sie. Als positiven Nebeneffekt hofft sie „im Gespräch zu bleiben“, wie sie erklärt. Schließlich gibt es eine Zeit nach der Krise, in der die Leute auch wieder feiern wollen.

Der Tante-Emma-Laden an der Kreisstraße ist täglich von 6 bis 10 Uhr geöffnet.