Magdeburg l Virtuelle Realität lautet das Zauberwort, mit dem Marco Reiß als engagierter Musiker und Mitglied des Rossini-Quartetts, Festung-Mark-Chef Christian Szibor und Toningenieur Veit Vehmeier Senioren in Pflegeheimen ermöglichen wollen, trotz Corona-Pandemie ein Weihnachtskonzert miterleben zu können, als wären sie vor Ort. Dazu sollen spezielle Brillen verteilt werden, mit denen ein Konzert in der Festung Mark in 3D zu sehen ist. Volksstimme-Redakteurin Christina Bendigs durfte sich bereits einen Eindruck verschaffen und teilt die Begeisterung, die das Projekt nach Auskunft der Macher auch in den angefragten Heimen ausgelöst habe.

Täuschend echt wirkt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper, der zu Beginn des Filmes eine kurze Weihnachtsansprache für die Senioren hält. Und auch die Musiker des Rossini-Quartetts und Sängerin Undine Dreißig scheinen, als stünden sie direkt vor einem. Petra Schubert liest zudem Weihnachtsgeschichten vor.

Bemerkenswert ist der Rund-um-Blick, der durch die Virtual-Reality-Brillen (zu Deutsch: Virtuelle-Realität-Brillen) und eine spezielle 360-Grad-Kamera ermöglicht wird. Wer die Brille aufhat und sich umschaut, kann den ganzen Raum wahrnehmen. Dadurch wirkt das Erlebnis besonders echt. Immer wieder werden im Film Orte aus Magdeburg ebenfalls in der speziellen 360-Grad-Perspektive eingeblendet, so dass man sich nach einem Schnitt plötzlich auf der Balustrade des Turmes der Bastion Cleve befindet, den Blick auf Dom und Elbe richten kann und vielleicht sogar einen kleinen Schreck kriegt, wenn man den Blick von dem Standort nach unten zum Fuße des Turmes richtet.

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Kultur zurück zu den Menschen bringen

Die Initiatoren wollen auf diese Weise die Kultur zurück zu den Menschen bringen, die gerade in der Corona-Pandemie besonders harte Einschnitte erleben müssen. Durch Besuchs- und Veranstaltungseinschränkungen sind Menschen in Pflegeeinrichtungen besonders hart getroffen. Umso mehr freuen sich die Macher, dass ihre Idee auf positive Rückmeldungen stößt. Einzelne Brillen sollen in den nächsten Tagen an Einrichtungen verteilt werden, um auch von Senioren eine Rückkopplung zu erhalten. Vielleicht könnte dann sogar eine Geschäftsidee daraus geboren werden, von der Musiker, denen durch die Corona-Pandemie große Einnahmequellen weggebochen sind, profitieren könnten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Konzertmitschnitt könnte vielfach auch einzelnen Menschen gezeigt werden. Wenn es die Corona-Beschränkungen wieder zuließen, könnten Konzerte mit kleinem Publikum vor Ort stattfinden und diese Konzerte wiederum als Mitschnitt an Pflegeheime gegeben werden. 500  Leute könnten so gleichzeitig auf dem besten Platz im Saal sitzen und das Konzert live miterleben. Aber das ist derzeit noch Zukunftsmusik.

Dennoch ist das Pilotprojekt für Christian Szibor ein Schritt in die Zukunft der Festung Mark. „Nach der Pandemie wird nichts mehr sein, wie es vorher war“, ist er überzeugt. Denn die Digitalisierung habe einen Sprung nach vorn gemacht. Fast jeder habe sich schon mit digitalen Angeboten aus dem Internet befasst, viele Menschen waren durch die Pandemie gezwungen Videokonferenzen abzuhalten.

Digitaltag-Initiative richtet Wettbewerb aus

Die drei Macher hoffen, dass sie mit dem Projekt vielleicht sogar einen mit 5000  Euro dotierten Preis gewinnen. Denn sie haben sich bei der Digitaltag-Initiative beworben, die einen entsprechenden Wettbewerb ausgelobt hat. Die Auszeichnung wird in den Kategorien „Gesellschaft“ und „Kultur“ verliehen und die drei vorderen Plätze sind mit insgesamt 20 000 Euro dotiert. Gewürdigt werden Projekte, die unter den Herausforderungen der Corona-Pandemie digitale Technologien einsetzen, um Menschen zusammenzubringen und am kulturellen Leben teilhaben zu lassen, heißt es auf der Internetseite der Initiative.

Bereits am 21. Dezember 2020 sollen die Sieger bekanntgegeben werden. Stimmen können noch bis zum 20.  Dezember 2020 abgegeben werden. „Die Weihnachtszeit ist in diesem Jahr anders, als wir sie kennen und uns wünschen. Die Corona-Pandemie gebietet es, zwischenmenschliche Kontakte weitestgehend zu reduzieren, aber der Wunsch nach Liebe, Freude und Besinnlichkeit ist am Ende dieses herausfordernden Jahres besonders groß“, sagt Anna-Lena Hosenfeld, Projektleiterin des Digitaltags, zum Hintergrund der Preisausschreibung. „Digitale Technologien können in dieser schwierigen Zeit Lösungen bieten, Menschen zusammenzubringen und am kulturellen Leben teilhaben zu lassen.“ Eben das ist das Ziel der drei Projektmacher, die die Corona-Pandemie nicht untätig verstreichen lassen wollten. Stattdessen wollten sie sie nutzen, um etwas Neues entstehen zu lassen.

Zur Abstimmung geht es unter www.digitaltag.eu/digitale-weihnachtshelden-2020 ; im Bereich Kultur ist das Projekt der Festung Mark zu finden.