Magdeburg l Ein Donnerstagnachmittag im Januar: Eine Frau räumt auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums ihren Wochenendeinkauf in den Kofferraum ihres Wagens. Sie bringt den Einkaufswagen weg, setzt sich ins Auto. Plötzlich reißt eine junge Frau die Beifahrertür auf und erklärt ihrem Opfer, sie brauche eine Mitfahrgelegenheit.

Während die 46-Jährige am Steuer des VW Golfs das verneint, wird plötzlich ihre Fahrertür geöffnet. Ein Mann fordert sie auf: „Aussteigen und Schlüssel her.“ Die Betroffene wirft ihren Wagenschlüssel ins Gebüsch, hält die Tasche mit ihren Wertsachen fest unter ihrem Arm geklemmt und steigt aus. Währenddessen ist die junge Frau auf der Beifahrerseite längst in den Wagen eingestiegen.

Unter Schock

„Ich hatte Angst und dachte, nur raus hier und weg“, erinnert sich die 46-Jährige. Die Sachbearbeiterin ist am Freitag als erste Zeugin vor dem Magdeburger Landgericht geladen. Während sie sich die Situation auf dem Parkplatz im Süden Magdeburgs zurück ins Gedächtnis ruft, laufen die Tränen. Damals seien die Türen ihres Wagens nicht verriegelt gewesen, heute sind sie das – sobald die Frau in ihr Auto einsteigt.

Die Täter, die ihr diese Angst eingejagt haben, sitzen gestern auf der Anklagebank. Fabian S. und Christin R. räumen das Verbrechen ein. Er: 37 Jahre alt, gelernter Bürokaufmann, Vater eines Sohnes, mit der Angeklagten verlobt. Sie: 29 Jahre alt, Friseurin, Mutter von zwei Kindern, verheiratet, lebt aber in Scheidung. Beide räumen ein, drogenabhängig zu sein. Ihre durchschnittliche Dosis: Täglich Crystal Meth, einmal die Woche Kokain. Er trinkt bis zu zwölf Dosen Whiskey-Cola pro Tag, sie kifft regelmäßig.

Ständig unter Drogen

Der „Suchtdruck“ habe sie zu ihren Taten getrieben. Wenige Tage nachdem das Pärchen den Wagen gestohlen hat, versuchen sie in einem Supermarkt in der Lübecker Straße Alkohol und Zigaretten zu stehlen. Sie werden vom Ladendetektiv erwischt und wehren sich. Von Christin R. bekommt der Detektiv eine gewischt. Auch das streiten die zwei Angeklagten nicht ab.

Nur wenige Stunden später folgt dann Anfang Februar der Überfall auf ein Lottogeschäft in der Blankenburger Straße. Für die Inhaberin ist es der zweite Raubüberfall innerhalb eines halben Jahres, die Folgen sind verheerend. Sie traue sich kaum noch alleine unterwegs zu sein, erklärt die 48-Jährige am Freitag vor dem Gericht. Fabian S. richtet damals eine Waffe auf sie. Rund 500 Euro werden aus der Kasse erbeutet. Das Pärchen flieht in dem gestohlenen VW. Fabian S. sitzt erneut - ohne eine Fahrerlaubnis zu besitzen - am Steuer. Bei der Durchsuchung werden zwei Softair-Pistolen in dem Auto gefunden.

Von allem nichts gewusst

Während der Verhandlung nimmt der 37-Jährige immer wieder die gesamte Schuld auf sich. Seine Verlobte soll von alldem nichts gewusst haben - weder von seinen Plänen noch von den Waffen. Ende August wird der Prozess fortgesetzt.