Magdeburg l Kai Tiedemann hat nicht nur eine ungewöhnliche Berufsbezeichnung, sondern auch einen herausfordernden Job. Der zertifizierte Probenehmer der Öhmi Analytik GmbH aus Magdeburg sammelt auf Wunsch seiner Auftraggeber Proben ein. Und dafür sind schon mal Mut und Geschicklichkeit gefragt. Denn für die Volksstimme zog er Wasserproben an acht wilden Badestellen in der Stadt.

Und so muss er zum Beispiel am Dreiecksee zwischen Rothensee und Barleben schon mal mit hochgezogener Jeans durch den Uferschlamm des Teiches waten, um fachgerecht einen Liter Seewasser zu entnehmen. Vorsichtig fährt er dazu eine Teleskopstange mit einem Schöpfbecher aus, dessen Inhalt anschließend in eine Flasche umgefüllt und versiegelt in einer klimatisierten Box des Öhmi-Kleinbusses deponiert wird.

Nach ein paar Tagen stehen die Ergebnisse fes

„Wir setzen die Proben im Labor über ein paar Tage an. Dann können wir messen, wie die Gewässer biologisch gesehen belastet sind“, sagt Öhmi-Vertriebsleiterin Melanie Säuberlich. Im Labor übernimmt Philipp Reinecke die Aufgabe, die Probe zu untersuchen. Der Chemielaborant setzt die Kulturen an und wertet sie aus.

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Die Ergebnisse sind schon sehr überraschend“, sagt Dr. Sylvia Busch. Die Öhmi-Analytik-Geschäftsführerin kann berichten: Die wilden Badestellen sind in einem überraschend gutem Zustand hinsichtlich der biologischen Badewasserqualität. „Wir konnten allen Proben die Prädikate gut, sehr gut oder sogar ausgezeichnete Badewasserqualität verleihen. Das hätten wir so nicht vermutet.“ Auch wenn die Aussage lediglich auf den konkreten Messtag bezogen werden kann, so lässt sich daraus durchaus schließen, dass die wilden Badestellen teilweise eine bessere Qualität haben als beispielsweise der Barleber See, der gerade in diesem Jahr hinsichtlich des Blaualgenbefalls schon mehrfach „umgekippt“ ist.

Seen mit eigener Ökologie

Aber wie ist das zu erklären? Dr. Sylvia Busch: „Jeder See hat seine eigene Beschaffenheit und Ökologie und auch seine eigene Art und Weise, wie er sich reguliert. Dabei spielt unter anderem eine Rolle, wie hoch der Nährstoffgehalt ist und wie sich die Bakterien im See vermehren oder abbauen.“

Überraschend ist daher zum Beispiel, dass Hohmanns Badeanstalt deutlich bessere Werte aufweist als der nur ein paar Schritte weiter nördlich gelegene Neustädter See mit einer öffentlichen Badestelle. Bemerkenswert auch: Die Alte Elbe führt – biologisch gesehen – Badewasserqualität - zumindest am Messtag. Aber Achtung: Hier ist das Baden grundsätzlich verboten. Magdeburgs Tourismusbeigeordneter Rainer Nitsche hatte dieses Badeverbot erst jüngst zum Elbebadetag damit erklärt, dass die Elbe noch immer giftige Bestandteile aus Industrieabwässern der vergangenen Jahrzehnte enthalte. Was da dran ist, war nicht Gegenstand des Volksstimme-Testes. Er wäre zu aufwändig gewesen. „Wir könnten das aber messen und dazu eine Aussage treffen“, so Öhmi-Chefin Sylvia Busch.