Magdeburg l Seit 1880 werden in Magdeburg Wetterdaten aufgezeichnet. Und das wird auch in Zukunft so sein. Allerdings werden dafür künftig immer weniger Mitarbeiter gebraucht. Denn die Technik schreitet voran und viele Daten können inzwischen automatisch und ohne menschliche Hilfe erhoben werden. „Eigentlich sind wir so weit, dass wir schon jetzt den Hebel umlegen und auf automatischen Betrieb umstellen könnten“, sagt Andreas Friedrich als Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes. Die Automatisierung der Wetteraufzeichnung sei ein Prozess, der schon in den 1980er Jahren begonnen habe. Damals wurde die Messung der Temperatur auf automatischen Betrieb umgestellt. Dass die Qualität der Wettervorhersagen für Magdeburg sinkt, wenn die Wetterdaten automatisch aufgezeichnet werden, sei nicht der Fall, sagt Andreas Friedrich. „Es fallen nur einige wenige Daten weg, die durch Beobachtungen registriert werden“, erläutert er. Dazu zählt etwa die aktuelle Bewölkung. Doch diese Daten seien für die Wetterprognosen nicht notwendig. Viel wichtiger sei die Auswertung weltweiter Daten.

Um das Wetter für Deutschland vorherzusagen, schauen sich die Meteorologen das Wetter weltweit an. All diese Daten laufen beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach auf und werden dort mit Hilfe eines Computers ausgewertet. Von etwa 500 bis 600 Wetterstationen in Deutschland werden die Daten von rund 100 Stationen weltweit verschickt, damit auch in anderen Erdteilen das Wetter so genau wie möglich vorhergesagt werden kann. Die Magdeburger Wetterstation zähle allerdings nicht dazu.

Daten werden in Offenbach ausgewertet

Dennoch: Die Daten aus der Aßmannstraße werden ebenfalls in Offenbach ausgewertet. Wenn Unwetter prognostiziert werden, dann meldet das der Computer, berichtet Andreas Friedrich. Die Wetterexperten können dann entsprechende Warnungen herausgeben und auf ihrer Internetseite veröffentlichen, wo auch interessierte Bürger jederzeit Wetterdaten für ihre Region abrufen können.

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Die Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes in Magdeburg werden weiterbeschäftigt. Ein Mitarbeiter wechselt in den Ruhestand, einer werde an einer Umschulung teilnehmen und anschließend eine neue Aufgabe beim Deutschen Wetterdienst übernehmen. Ein weiterer Mitarbeiter wird eine neue Stelle beim Deutschen Wetterdienst anfangen und zwei Mitarbeiter werden in Magdeburg bleiben und dort in Zukunft zumindest noch die Radioaktivität messen. Die nämlich kann noch nicht automatisch gemessen werden. Außerdem werden sie für Verwaltungsaufgaben eingesetzt. „Mit den Mitarbeitern ist das seit vielen Jahren besprochen worden“, sagt Andreas Friedrich.

Sozialverträgliche Umstellung

Der Deutsche Wetterdienst stellt seit Jahren nach und nach seine Wetterstationen auf automatischen Betrieb um. Bei der zeitlichen Abfolge habe der Deutsche Wetterdienst darauf geachtet, zunächst dort umzustellen, wo ohnehin Mitarbeiter in den Ruhestand gewechselt wären, um die Automatisierung sozialverträglich zu gestalten.

Die Wetteraufzeichnungen in Magdeburg begannen auf dem Faberhochhaus an der Bahnhofstraße. Dort errichtete der Wetterkundler Richard Aßmann die erste Zeitungswetterwarte und führte von hier aus die allerersten Wetterbeobachtungen für Mitteldeutschland. Am 12. Dezember 1880 erschien die erste Zeitungswetterkarte Deutschlands in der Magdeburgischen Zeitung.