Magdeburg l „Es wird ein Riesenprojekt“, ist sich Volker Buhtz, Bereichsleiter der Gesellschaft für Innovation, Sanierung und Entsorgung mbH (Gise), sicher. Denn insgesamt 370 Tonnen Stahl werden bewegt, wenn der Eimerkettenbagger „Otter“ samt Schute und der Taucherschacht II aus dem Hafenbecken des Wissenschaftshafens an Land geholt werden. Wie schon beim Kettenschleppdampfer „Gustav Zeuner“ werden sie dann von der Gise mit Teilnehmern einer Jobcenter-Maßnahme restauriert. Anschließend können sie besichtigt werden.

Bis dahin ist es aber noch einer weiter, beschwerlicher Weg. Derzeit laufen bereits vorbereitende Arbeiten für das Fundament, auf dem die Schiffe aufgesetzt werden. Dies wird ähnlich wie bei der „Zeuner“, nur höher sein, damit man die Arbeitsweise der Schiffe von unten zeigen kann, sagt Gise-Geschäftsführer Reinhard Kuhne. Im Frühjahr 2017 geht es dann mit der „Otter“ und der dazugehörigen Schute los. Ein Mindestwasserstand von 1,10 Meter an der Strombrücke vorausgesetzt, werden sie zunächst ins Hafenbecken zur Kaimauer geschleppt. Anschließend kommt alles runter, was runter kann, so Volker Buhtz. Diese Teile werden in der Gise-Werkstatt an der Sandbreite aufgearbeitet.

300-Tonnen-Kran rollt an

Dann rollt ein 300-Tonnen-Autokran ans Hafenbecken und hievt die Schwergewichte – sie wiegen 70 bzw. 35 Tonnen – auf den Schwerlasttransporter, der sie zu ihrem eigentlichen Platz am Elberadweg bringt. „Dabei sammeln wir auch Erfahrungen“, sagt Kuhne. Denn der Taucherschacht ist gewichtsmäßig noch in einer ganz anderen Liga. 265 Tonnen hat er zu bieten, und auch nach dem Leichtern, wird das nicht viel weniger sein, meint Buhtz. Seine Bergung soll ebenfalls noch 2017 passieren.

Sind die drei Schiffe erst einmal an Land, beginnt die eigentliche Restaurierung. Wie lange genau diese dauern wird, können die beiden noch nicht abschätzen. Zum Vergleich: An der „Gustav Zeuner“ wurde von 2006 bis 2010 gearbeitet. „Frühestens 2019“, so die vorsichtige Schätzung, können die hergerichteten Schiffe besichtigt werden.

Dass es dazu kommt, ist durchaus überraschend. Noch Anfang des Jahres war es völlig unklar, wann die Schiffe aus dem Hafenbecken geholt werden können. Die Stadt hatte zwar den Willen signalisiert, aber keine Möglichkeit zur Umsetzung gesehen. Doch weil das Jobcenter Magdeburg nun die Bergung und Aufarbeitung als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme finanziert, kann das Projekt angegangen werden.

Nutzen für Jobcenterkunden

Sprecher Christian Schmidt erklärt, warum das Jobcenter so handelt: „Wir haben die Maßnahme aufgrund der guten Erfahrungen mit der Gise im Zusammenhang mit vorangegangenen Projekten im Wissenschaftshafen, z. B. der Restaurierung der Gustav Zeuner, ausgesucht.“ Das Projekt wäre anders nicht finanzierbar gewesen, räumt er ein. „Durch ihren handwerklichen Bezug haben die vorgesehenen Arbeiten einen großen Nutzen für die Kunden des Jobcenters. Sie stärken ihr Selbstbewusstsein und ermöglichen ihnen aktuelle Berufserfahrung“, so Christian Schmidt.

„Es wird eine historische Schiffsmeile entstehen“, sagt Reinhard Kuhne. Und Platz für weitere Schiffe ist noch reichlich. „Die ‚Zeuner‘ ist entlang der Elbe bekannt. Vielleicht meldet sich jemand, der auch noch ein altes Schiff hat“, meint er.