Magdeburg (vs) l Wer wird die neue Nummer eins auf der Kandidatenliste der SPD für die Bundestagswahl? Vor fünf Jahren hatte Burkhard Lischka, langjähriger SPD-Landeschef, jetzt als Notar tätig, diesen Platz inne. Jetzt bewerben sich gleich zwei bekannte Sozialdemokraten für die Spitzenposition: Karamba Diaby und Katrin Budde.

Halle schlägt Karamba Diaby für Spitzenplatz vor

Die SPD-Landesvorsitzenden Andreas Schmidt und Juliane Kleemann müssen am Samstag einen Vorschlag unterbreiten, der Landesvorstand gibt dann eine Empfehlung ab für den Landesparteitag am 19. Februar.

Fest steht: Karamba Diaby, seit 2013 im Bundestag, ist von seinem Stadtverband Halle für die Spitzenposition vorgeschlagen worden. Der 59-Jährige genießt in der Landespartei viel Sympathie. Er ist der erste Bundestagsabgeordnete mit afrikanischen Wurzeln. In Senegal geboren, mit sieben Jahren Vollwaise, verschlug es Diaby 1986 nach Halle. Er studierte dort Chemie und promoviert im Bereich Geoökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Thema seiner Doktorarbeit: die Schadstoffbelastung deutscher Schrebergärten.

Katrin Budde ist vom Kreisverband Mansfeld-Südharz für Platz eins nominiert worden. Sie sitzt seit 2017 im Bundestag. Die 55-Jährige war in Sachsen-Anhalts Landespolitik jahrzehntelang eine prägende Figur. Budde hatte als Fraktionsvorsitzende und Landeschefin über viele Jahre eine überaus starke Position in der Partei.

Allerdings: So stetig der Aufstieg erfolgte, so jäh kam der Abstieg. Bei der Landtagswahl 2016 holte die SPD mit 10,6 Prozent ein katastrophales Ergebnis. Budde, Spitzenkandidatin ihrer Partei, legte alle Ämter nieder. Im August 2016 kündigte die Magdeburgerin überraschend an, sich im Mansfeldischen für den Bundestag zu bewerben. Über die Landesliste zog sie in den Bundestag ein.

Wen die Parteichefs zunächst vorschlagen werden und wer dann vom Landesvorstand tatsächlich empfohlen wird, ist derzeit völlig offen. Ein mit der Situation Vertrauter sagt: „Da müsste ich eine Münze werfen.“ Andere sprechen von einer 50-zu-50-Lage. Egal für wen also: Es dürfte eine knappe Entscheidung werden.

Budde gilt nach wie vor als gut vernetzte Strippenzieherin. Im Bundestag ist sie Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien. Sie werde das Votum des Landesvorstands respektieren, sagte sie gestern der Volksstimme. Sollte also Karamba Diaby das Rennen machen, „werde ich beim Parteitag nicht in eine Kampfkandidatur um Platz eins gehen“, fügte sie hinzu.

Nach derzeitigem Stand gelten in der SPD die ersten drei Listenplätze als sicher für den Einzug in den Bundestag. Der Stadtverband Magdeburg hat den Gewerkschafter Martin Kröber für Listenplatz drei nominiert. Das bedeutet aber auch, dass die Magdeburger indirekt Karamba Diaby auf Platz eins unterstützen. Denn: Die Plätze werden bei der SPD wechselweise von Frauen und Männern besetzt. Würden die Magdeburger also Budde unterstützen, käme eine Frau auf Platz drei - und Kröber wäre raus.

Pähle tritt als Nummer eins für den Landtag an

Beschlossen wird am Samstag zudem die Kandidatenliste für die Landtagswahl. Spitzenkandidatin soll die Fraktionsvorsitzende Katja Pähle werden. Für Platz zwei ist Minister Armin Willingmann (Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung) vorgesehen. Auf Rang drei soll Ministerin Petra Grimm-Benne (Arbeit, Soziales und Integration) gesetzt werden.